Sammler und Jäger

Sammler und Jäger

Robert Wettstein

Der Zürcher Gestalter Robert Wettstein hat im Lockdown Zeit für ein kleines, feines Projekt gefunden: ein Buch über den Landistuhl, den er seit 20 Jahren sammelt. Was ihn daran fasziniert, sind Details und Unterschiede in der Produktion, denn seit der Erstlancierung vor 80 Jahren wurde der Stuhl von diversen Herstellern produziert und mehrmals überarbeitet. Bei einem Atelierbesuch haben wir mit ihm über seine Minisammlung und über das grosse Schweizer Original gesprochen.

Robert, was macht für dich die Faszination des Landistuhls aus?
Er ist vielleicht der einzige und sicher der erste Schweizer Klassiker. Das Möbel ist nicht nur wegen des Designs speziell, sondern vor allem wegen der Herstellungstechnik, die für damalige Zeiten bahnbrechend war. Der Landistuhl ist ein Stück Schweizer Kulturgut, und er besteht erst noch aus Aluminium, einem Material, das in der Schweiz damals eine grosse Bedeutung hatte. Aluminium wurde als Schweizer Metall bezeichnet, da es hier genug elektrische Energie gab, um das Material zu produzieren.

Gab es einen Auslöser für deine Sammlung?
Ich bin von Natur aus ein Sammler und liebe das Recherchieren. Ich sammle zum Beispiel auch Spielzeug vom Gestalter Antonio Vitali, das er für die amerikanische Firma Creative Playthings entworfen hatte. Beim Landistuhl war der Auslöser die Liquidation von Mewa-Metalight vor 20 Jahren. Damals suchte ich Gartenstühle für daheim, und an der Firmenauflösung fand ich nicht nur Stühle, sondern einen ganzen Kosmos dessen, was es braucht, solche herzustellen. Später kamen interessante Zeitdokumente wie Postkarten, Plakate und Prospekte der Hersteller hinzu. 

Der Stuhl wurde für die Landesausstellung in Zürich 1939 entwickelt. Realisierte man damals schon, dass es ein besonderes Modell war?
Überhaupt nicht. Der Stuhl wurde 1938 von der Blattmann Metallwarenfabrik in Wädenswil entwickelt und an die Landi vermietet. Nach der Ausstellung wurden die Stühle – manche von ihnen mussten repariert werden – für 15 Franken verkauft. Im Ausstellungskatalog der Landi gibt es keinen einzigen Eintrag über den Landistuhl, nicht mal im Verzeichnis zum Schwerpunktthema Aluminium. 

Das ganze Interview lesen Sie in der Septemberausgabe der Wohnrevue. Hier bestellen.

Wort
Katrin Ambühl

Bild
Mihai Sovaiala

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