Eins mit der Natur

In den grünen Hügeln am Fusse der Anden hat sich das Architekten- und Künstlerpaar Sofia von Ellrichshausen und Mauricio Pezo ein Refugium erbaut. Das monumentale Gebäude mit quadratischem Grundriss ist eine moderne Interpretation minimalistischer und brutalistischer Architektur. Zudem ging es beim Entwurf des Hauses darum, die Natur zu integrieren.

Bild: Mads Mogensen

«Wir sind beide im Süden von Südamerika aufgewachsen – mit einer starken Bindung zur wilden Natur», erzählt Sofia von Ellrichshausen. «Seit wir uns kennen, haben wir mit der Idee eines freiwilligen Exils spekuliert, einer Rückkehr zu einer ursprünglichen Lebensform», ergänzt Mauricio Pezo. Am Fusse der Anden, in Zentralchile fand das Architektenduo Pezo von Ellrichshausen in einer abgeschiedenen, grünen Gegend das ideale Grundstück für ihr Wohn- und Atelierhaus. Hier haben sich die beiden einen Lebensraum ganz nach den eigenen Vorstellungen geschaffen.

Bild: Mads Mogensen

Wenn man den Grundriss des Hauses betrachtet, sieht man eine quadratische Grundfläche von rund 75 x 75 m, die ähnlich wie bei Klosteranlagen, von einer Art Kreuzgang begrenzt ist. Zurückversetzt, parallel zu zwei Seiten, ist nochmals je eine solche Verbindung angelegt. Insgesamt ist die Gebäudestruktur in zwölf unabhängige Räume unterteilt, die den Blick auf Innenhöfe freigeben. Die grösste, daraus hervorgehende quadratische Innenfläche umfasst 45 x 45 m, in der ein natürlicher Teich angelegt ist.

Bild: Mads Mogensen

Diese imposante, eigenwillige Gebäudeanordnung rührt daher, dass das Architektenpaar ganz bewusst eine Beziehung zur Natur suchte und die Umgebung in die Planung miteinbezog. Dementsprechend ordneten sie das Gebäude um bestehende Bäume herum an. Denn für Pezo und von Ellrichshausen geht es nicht nur darum, funktionale Räume zu schaffen, sondern auch um ihre Beziehung zur Natur. So sind die meisten Räume keine rein funktionalen Innenräume, sondern weisen eine enge Verbindung zum Aussenraum auf. Diesen kompromisslosen Ansatz unterstreichen die beiden mit einer Sichtbetonstruktur, die mit den integrierten rechteckigen und runden Oblichter und Fensteröffnungen für sinnliche Raumwahrnehmungen sorgt.

Bild: Mads Mogensen

Candide’s Garten
Pezo und von Ellrichshausen haben das Haus Luna genannt, in Anlehnung an die chilenische Rodeo-Arena Medialuna. Diese aus Holzbrettern gebaute Arena ist eine kreisförmige Struktur mit einem Durchmesser von rund 45 Metern. Die traditionelle Gebäudeform hat die beiden nicht nur zur Wahl des Namens inspiriert, sondern war auch die Ausgangsidee für die Gestaltung des grössten Innenhofes.

Bild: Mads Mogensen

Das auf dieser Inspiration aufgebaute Gebäude ist durchlässig, die Räume gehen ineinander über und verbinden sich. Dies entspricht ganz der architektonischen Intention: Die Idee bestand darin, die Grenzen zwischen natürlich und künstlich geschaffenem Raum zu verwischen. «Wir haben uns schon früh mit der Schnittmenge zwischen Kunst, Architektur und Natur beschäftigt. In diesem Sinne ist dieses Haus die Essenz unserer zwanzigjährigen Zusammenarbeit», sind die beiden überzeugt. «Unser Haus kann als eine abgelegene und abgeschiedene Welt verstanden werden, die sich mit unserer kreativen Praxis komplett überschneidet». Ganz in Anlehnung an Voltaires Roman «Candide» wollen sie ihren Garten kultivieren – im wörtlichen und im metaphorischen Sinne.

Bild: Mads Mogensen

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