Gekommen, um zu bleiben

Gekommen, um zu bleiben

Interview

Mit einem ETH-Architektur­diplom in der Tasche reiste Mario ­Broggi 1970 nach ­Mailand. Prompt fand er einen Job und gründete später sein ­eigenes ­Architekturbüro. Wir haben uns mit dem sympathischen Auslandschweizer in seiner Mailänder Bleibe über das Leben vor Ort sowie über vergangene und aktuelle Projekte unterhalten.

Herr Broggi, Sie stammen ursprünglich aus Herzogenbuchsee und sind vor 49 Jahren nach Mailand gekommen. Wie kam es dazu?
Mailand war damals der Place to be für Kreativschaffende. Ich hatte gerade mein Architekturstudium an der ETH Zürich abgeschlossen und wusste: Dort will ich hin! Als Architekt spezialisierte man sich in der Schweiz nämlich schon damals. Ich aber wollte nicht mein ganzes Berufsleben lang in eine Schublade gesteckt werden. In Italien war der Beruf des Architekten viel breiter gefasst. Nebst klassischer Architektur umfasste er auch Städtebau, Design und Grafik. Diese Bandbreite faszinierte mich sehr. Meine Vorbilder waren Luigi Caccia Dominioni, Gio Ponti, Achille Castiglioni oder auch Gino Valle, mit dem ich später eng zusammenarbeitete. 

Die Arbeit als Architekt damals und heute – wo liegen die Unterschiede?
Der Beruf hat sich stark verändert. In den 1970er- bis Ende 1990er-Jahre hat der Architekt, zumindest in Italien, noch sehr breit gefächert gearbeitet. Mit meinem Architekturbüro Broggi+Burckhardt haben wir während mehrerer Jahre eine namhafte Firma beraten, für die wir sowohl die Planung und den Bau der Fabrikgebäude als auch die Entwicklung der Produkte sowie die Grafik und die Werbung betreuten. Ein solcher Auftrag ist heute praktisch undenkbar: Die Arbeit wird aufgeteilt, und verschiedene Spezialisten arbeiten unabhängig voneinander an komplexen Projekten.

Woran arbeiten Sie heute?
Derzeit renoviere ich gerade das Centro Svizzero, einen Gebäudekomplex an der Piazza Cavour vom bekannten Schweizer Architekten Armin Meili. Genauer gesagt sanieren wir die Marmorfassade, ersetzen die Fenster und rüsten die Infrastruktur des Gebäudes auf. Neu wird z. B. nicht mehr mit Gas, sondern mit einer Grundwasseranlage geheizt und gekühlt. Das Objekt betreuen wir bereits seit 1998 – damals bauten wir das sich darin befindende Konsulat um. Ende Jahr sollte der Auftrag abgeschlossen sein.

Würden Sie heute wieder nach Mailand auswandern?
Um hier zu leben, ja. Um als Architekt zu arbeiten, nein. Diesbezüglich gilt heute: Als etabliertes Büro erhalten Sie Aufträge, als No-Name ist es unglaublich schwierig.

Die letzte Frage dreht sich nicht um ­Fiktion, sondern um konkrete Tipps:
Was empfehlen Sie unseren Lesern beim nächsten Mailandbesuch?
Erstens ist es wichtig, zu wissen, dass es in Mailand schwierig ist, schlecht zu essen. (lacht) Darum empfehle ich, einen Spaziergang im Quartier Navigli zu machen. In den Restaurants und Bars rund um die alten ­Kanäle lässt es sich gut verweilen. Nutzen Sie zudem das breite kulturelle Angebot der Stadt: Besuchen Sie Museen oder wenn möglich eine Aufführung in der Scala. Spannend ist auch das ehemalige Handwerkerquartier Isola. Es befindet sich gleich neben den zwei Wohntürmen mit den hängenden Gärten von Stefano Boeri. Dort findet man viele neue Läden, Bars, Restaurants oder Strassenmärkte – das echte Mailand eben.

Den ganzen Bericht lesen Sie in der Maiausgabe der Wohnrevue. Hier bestellen.

Wort
Benjamin Moser

Bild
Barbara Franzò

Styling
Işıl Gun