Die Leichtigkeit des Designs

Den nigerianischen Architekten und Designer Charles O. Job treibt den Wunsch an, einfache Möbel und Alltagsgegenstände zu gestalten, die eine positive Atmosphäre schaffen. Seine Formensprache ist gradlinig und reduziert. Kindlicher Schalk und eine Prise Humor begleiten seine Entwürfe. Ein Besuch in seinem Studio in Zürich.

Bild: Maurice Haas

Mit wachem Blick sitzt Charles O. Job auf einem Modell seines Sessels «Sketch», umringt von vielen anderen fertigen und unfertigen Kartonmodellen seiner Entwürfe. Job arbeitet nicht nach Vorgaben von bestimmten Herstellern, sondern entwirft frei nach seinen eigenen Vorstellungen, um dann einen Hersteller und Partner zu suchen, der seine Idee produziert und vermarktet. Charakteristisch für seine Arbeiten ist die Einfachheit. «Ich bin kein Modellbauer. Wenn ich entwerfe, benutze ich immer Karton zum Bauen der Modelle. Das Material und mein Können sind so limitiert, dass ich nur ganz einfache Sachen bauen kann.» Es muss schnell gehen und einfach sein. «Ich glaube an einfache Dinge. Wenn ich die Prototypen selbst herstellen kann, bedeutet das auch, dass sie in der Produktion einfach herstellbar sind.» Das ist Jobs Art zu arbeiten.

Bild: Maurice Haas

Der Designer hat die Kindheit in Lagos, Nigeria, verbracht. Wie alle afrikanischen Kinder einer bestimmten Generation sammelte Job ausrangierte Gegenstände und baute sie zu Spielzeug um. Diese Haltung bestimmt seine Entwürfe noch heute. Sie sind minimalistisch, zugänglich und aufgrund ihrer spielerischen, kindlichen Logik leicht zu verstehen. Aus den improvisierten Kinderbasteleien entstand eine Leidenschaft für einfache, einfallsreiche Produkte. Als Teenager wanderte Job mit seiner Familie nach London aus, wo er Architektur und Stadtplanung an der Oxford Brookes University studierte. Inzwischen lebt er seit über 30 Jahren in Zürich. Sein Portfolio umfasst Entwürfe, die von Möbelproduzenten wie Vij5, Tossa, Norman Copenhagen, Mox und vielen anderen hergestellt werden. Der 62-jährige Designer hat sich mit seinem charakteristischen, minimalistischen Stil einen Namen gemacht und wurde mit vielen internationalen Designpreisen ausgezeichnet. Viel Lob sprach ihm letzten Monat auch der Pionier des modernen afrikanischen Designs, der äthiopisch-amerikanische Künstler und Industriedesigner Jomo Tariku, im New York Times Magazin zu. Im Artikel «Afrikanische Designer, die Sie kennen sollten» wurde Tariku zitiert: «Ich bin von der Einfachheit seiner Werke begeistert. Ich bewundere ihn so, wie ich Menschen wie Eames bewundere.»

Bild: Maurice Haas

Der Sessel «Sketch»
Das Vitra Design Museum hat Jobs ikonischen Sperrholzsessel «Sketch» vor drei Jahren in seine permanente Sammlung aufgenommen. Die Idee für den Sessel entstand vor vielen Jahren. Ein erster Entwurf davon wurde bei einem Designwettbewerb des Möbelhauses Zingg-Lamprecht ausgezeichnet. Diese Version bestand – wie auch der heutige Entwurf – aus vier gleichen Teilen, die die Bestandteile eines Sessels bilden: Die Armlehnen, der Sitz und die Rückenlehne. Diese Idee hat Job bis heute weiterverfolgt. Am Anfang bestand der Sessel aus Aluminium und Filz, erst später aus Sperrholz. 2012 wurde dieses Modell an der Messe «Neue Räume» in Zürich das erste Mal präsentiert. Seitdem wurde «Sketch» nochmals verfeinert. Heute besteht der Sessel aus 10 mm Sperrholz, ist einfach montierbar und kann als flaches Paket transportiert werden. Er wird vom Thuner Möbelproduzenten Ueli Biesenkamp und seiner Firma Daskonzept hergestellt.

Bild: Maurice Haas

African Sketch hat in Mailand Premiere
Im kommenden Herbst wird der Nigerianer die Design Week Lagos kuratieren und dort auch seine Produkte präsentieren. Dafür hat Job seinen Sessel den Gegebenheiten und dem in Afrika vorhandenen Know-how bezüglich Herstellung und Vermarktung angepasst. Das Holz hat er durch ein Stahlrohrgestell und einen aus farbigen Textilbändern geflochtenen Bezug ersetzt. Zurzeit wird ein Prototyp davon in der Schweiz hergestellt, der nach seiner Präsentation an der diesjährigen Mailänder Möbelmesse nach Lagos gesendet wird, um dort in Produktion zu gehen.

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