Symbiose zwisch­en Architektur und Natur

Symbiose zwisch­en Architektur und Natur

Neubau, Hergiswil

Den Pilatus im Rücken. Grüne Wiesen vor dem Fenster. Weit unten der Vierwaldstättersee. An dieser idyllischen Hanglage hat sich eine junge ­Familie den Traum vom eleganten Eigenheim verwirklicht.

Dichter Nebel liegt über dem See. Wir verlassen die Hergiswiler Seepromenade und fahren den Hang hinauf. Unser Ziel liegt in einer der jüngsten Bauzonen der kleinen Gemeinde – so jung, dass unser Navigationsgerät keine Strassen findet. Die  grasenden Kühe lassen sich von unserem Wendemanöver auf der Landstrasse nicht aus der Ruhe bringen. Durch grüne  Wiesen gehts zurück zur letzten Abzweigung. Wir finden die Strasse und parkieren kurz darauf vor der Einfahrt des Zuhauses von Familie Niederberger-Suter. «Ich hoffe, der Nebel lichtet sich bald», grüsst uns lächelnd die Hausherrin Muriel: «Die Sicht auf den See, den Bürgenstock und den Pilatus ist nämlich unschlagbar.» Ein ausschlaggebendes Argument für den Kaufentscheid vor drei Jahren. «Weiter war es uns wichtig, die Architektur in die Landschaft zu integrieren und fliessende Übergänge zwischen Innen- und Aussenraum zu schaffen», erklärt Muriel. Das Zusammenspiel von innen und aussen sowie eine offene Raumstruktur ziehen sich konsequent durchs gesamte Objekt. Dunkel eingefärbter Sichtbeton zieht sich punktuell vom Eingangsbereich bis ins Dachgeschoss hoch – die Fassade ist im gleichen Grauton gehalten. Ein grosszügiger Flur führt vom Haupteingang im zweiten Untergeschoss zur Garderobe. Linkerhand geben ebenerdige Fenster den Blick auf die Garage frei. «Der Durchblick in die Garage ist eines von vielen Details, die für mich den besonderen Reiz des Hauses ausmachen», erläutert die Hausherrin und bittet uns die Treppe hinauf ins erste Zwischengeschoss. Hier befinden sich Kellerräume und der Technikraum. Das Haus entspricht dem Minergiestandard und hat eine kontrollierte Lüftung. «Trotzdem sperre ich jeden Morgen die Fenster auf», sagt Muriel lachend, «auch wenn es nicht nötig wäre.» Der technische Standard des Hauses ist hoch. «Die beachtliche Wohnfläche von 350 m2 macht das Bewirtschaften des Wohnraums komplex», erklärt uns der Architekt Urban Oberholzer später. Um den zahlreichen Anforderungen gerecht zu werden, wurde die Haustechniksoftware «Spline» eingebaut. Via Touchscreen oder App können Beleuchtung, Unterhaltungselektronik, Heizung, Klima-, Alarmanlage und weitere Funktionen angesteuert werden. Ein Blick auf die App reicht, um zu sehen, ob alle Fenster geschlossen und die Lichter ausgeschaltet sind, wenn man das Haus verlässt. Das ist praktisch und spart Zeit. Im Erdgeschoss sind zwei Kinderzimmer und Büroräumlichkeiten untergebracht. Ein besonderes Detail: Jedes Kinderzimmer verfügt über ein eigenes kleines En-Suite-Badezimmer mit WC und Dusche. Die Verbindungswege zwischen den Räumen im Haus sind schlicht gehalten. Weisse Wände, grosszügiges Eichenparkett und Sicht­beton schaffen eine angenehme Atmosphäre. Die Verlockung ist gross, den mit Tapete und Parkett ausgekleideten Lift zu benützen, um die Wohnlandschaft im ersten Obergeschoss zu erreichen. Trotzdem entscheiden wir uns erneut für die Treppe und betreten wenig später den grosszügigen Wohnraum. Die raumhohe Glasfront im vorderen Teil schafft einen direkten Bezug zur umliegenden Natur. Der eindrückliche Kamin aus Sichtbeton zieht sich über zwei Stockwerke bis zum Dach. Die Galerie mit schlichtem Glasgeländer gibt den Blick auf den Essraum und die offene Küche im zweiten Obergeschoss frei. Bevor wir das Herzstück des Hauses besichtigen, führt uns Muriel weiter durch das weitläufige Wohnzimmer. Sie hat ein gutes Gespür für stilvolle Innenausstattung – davon zeugt die elegante Möblierung: Ein ausladendes Sofa von Minotti wird mit dem «Noguchi Coffee Table» von Vitra ergänzt. Ein Teppich aus Bambusfasern sorgt für ein stimmiges Ambiente.

Neben dem Cheminée lädt der «Grand-­Repos&Ottoman»-Loungesessel (ebenfalls von Vitra) zum Verweilen ein. In der TV-Lounge, die etwas höher liegt, verbringt die Familie gemütliche Abende vor dem Fernseher. Von hier aus führt eine Glasschiebetür direkt auf die Terrasse und in die sorgfältig angelegte Gartenlandschaft. Aufgrund der bedeckten Wetterlage verbleiben wir nicht lange draussen, sondern durchqueren erneut das Wohnzimmer, um die Privaträume der Eltern zu besichtigen. Ein hochwertig von Talsee ausgebautes Badezimmer mit direktem Zugang zum begehbaren Kleiderschrank nimmt erneut Bezug auf das Thema «fliessende Übergänge». Ein raumhohes Fenster lenkt den Blick auf die grüne Wiese und den Pilatus. Einzig die Toilette und das Schlafzimmer sind mit Türen abgetrennt. Im gesamten Haus gibt es nur wenige geschlossene Zimmer. Wann immer möglich wurden Wände weggelassen und die Übergänge zwischen verschiedenen Wohnzonen mittels einzelner Stufen oder Geschosstreppen gekennzeichnet. Wir begeben uns in die feudale Küche von Next im Dachgeschoss und geniessen einen starken Espresso. Die weitläufigen Fensterfronten sorgen für ein helles Ambiente. Glasschiebetüren führen auch hier auf eine Terrasse und in den oberen Bereich des Gartens. Kurzzeitig lichtet sich der Nebel und gibt den Blick auf den Bürgenstock und Stansstaad frei. Architektur und Landschaft verschmelzen zu einer perfekten Einheit.

Architektur
Oberholzer Architektur
Oberstadt 16
6204 Sempach
oberholzerarchitektur.ch

Wort
Benjamin Moser

Bilder
Simon Habegger
simonhabegger.ch