Mondäne Bleibe mit Wow-Effekt

Gisbert Pöppler ist einer der erfolgreichsten Innenarchitekten Deutschlands. Eines seiner neuesten Projekte ist die Wohnung eines israelischen Kunstsammlers. Das Interieur besticht mit abgestimmten Farben, edlem Mobiliar und exquisiter Kunst.

 

Im 19. und frühen 20. Jahrhundert hatten die meisten Wohnungen der deutschen Hauptstadt einen grossen Raum, der trotz seiner Dimensionen nur über ein einziges Eckfenster verfügte: das Berliner Zimmer. Dieses ging meistens zum Hof hinaus und spendete vor allem in den unteren Stockwerken nur wenig Licht. Ein ebensolches befand sich auch in der eleganten Wohnung des israelischen Kunstsammlers, der den Architekten Girsbert Pöppler damit beauftrage, seine Berliner Bleibe umzubauen. Ein Wunsch des Bauherrn war es, mehr Licht in die Wohnung und insbesondere ins Berliner Zimmer zu bringen. Pöppler löste das Problem, indem er die Raumöffnung zum angrenzenden Speisesaal vergrösserte und so das Tageslicht von der Vorderseite der Wohnung ins Innere leitete.

Diese subtile Veränderung der Bausubstanz ist bezeichnend für das gesamte Projekt. Immer wieder machte der Architekt gut durchdachte Anpassungen, die kaum auffallen, aber einen grossen Effekt auf die Raumwirkung haben. So zum Beispiel die zurückgesetzte Wandverkleidung im Berliner Zimmer, die ein vollständiges Einbetten des Fernsehers in die Wand ermöglichte. Oder die Entfernung eines Wandabschnitts im Flur, um einen glänzend roten Garderobenschrank unterzubringen. Auch die Türöffnungen erhöhte Pöppler, um die Räumlichkeiten grösser erscheinen zu lassen. Solche Interventionen sind charakteristisch für Pöpplers Arbeit. Während das Berliner Zimmer an den ursprünglichen Raumplan des Gebäudes anknüpft, wurde der restliche Grundriss der Wohnung komplett umgestaltet. So befindet sich das Bad zum Beispiel im ehemaligen Schlafzimmer – eine Entscheidung, die zur Folge hatte, dass der Umbau des Apartments zweieinhalb Jahre dauerte. Im neuen Grundriss ist das Bad eine fliessende Ergänzung des Masterbedroom und wirkt eher wie ein Wohnzimmer als ein Badezimmer. Wie der Rest der Wohnung ist auch Letzteres mit massgefertigten Möbeln und exquisiten Kunstwerken aus der Sammlung des Bauherren ausgestattet – für deren Auswahl ein Kurator zugezogen wurde. Das Endresultat lässt keine Wünsche offen: Die subtilen architektonischen Eingriffe, das stimmige Farbkonzept, die exklusiven Möbel und die ausgewählte Kunst verschmelzen zu einem stimmigen Ganzen, das bei den meisten Betrachtern ein spontanes «Wow» auslöst.
gisbertpoeppler.com

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