Experiment eines Sonnenanbeters

Er hat die Schweizer Designlandschaft geprägt wie kaum ein anderer und gilt auch als Popstar der Szene: Ivano Colombo. Seit vielen Jahren überwintert der gebürtige Tessiner im Norden von Brasilien. Seine Residenz an einem Strand von Salvador de Bahia sticht hervor im konventionellen Villenquartier: Sie ist schrill, bunt und experimentell – genauso wie sein Bewohner.

Bild: Lucas Lins

Das Gebäude mit dem mutigen Formen- und Farbenmix ist ein Statement, das pure Gegenteil von Geradlinigkeit oder Minimalismus, ein Lobgesang auf das Experiment. «Ich liebe Experimente», sagt Ivano Colombo, «das Meer und die Sonne ebenfalls», ergänzt er. Warum es ihn nach Brasilien verschlagen hat? Es war eine Einheimische, mit der er verheiratet war. Diese hat dem Schweizer vor 20 Jahren die Gegend von Salvador de Bahia mit seinen wunderschönen Stränden schmackhaft gemacht – und er verliebte sich sofort. In Vilas do Atlântico, etwas nördlich von Salvador, kaufte der Designprofi damals ein Stück Land direkt am Meer. Bei der Suche nach Ideen für ein Gebäude schaute er sich Häuser in der Gegend an. «Alle Gebäude, die mir gefielen, waren von Neilton Dórea, und ich wusste, mit ihm will ich bauen», blickt Colombo zurück. Der Architekt stammt aus Salvador, ist vom Centro Universitario Bahía Salvador soeben zum Präsidenten des Architektenrats gewählt worden und baut unter anderem gehobene Villen mit experimentellen Formen und neuartigen Materialien. «Er ist ein Fantast und Designfreak», schwärmt Colombo, so wie er selbst auch. Der Funke war gesprungen und das Experiment konnte beginnen.

Bild: Lucas Lins

Von Studenten entworfen
Als Professor für Architektur und Entwurf unterrichtete Dórea damals Studenten im letzten Semester ihres Studiums. Weil sowohl Architekt als auch Bauherr offen für unkonventionelle Ideen waren, entstand die Idee, den Entwurf den 12 Studenten unter der Leitung ihres Professors anzuvertrauen. Als Basis des Entwurfs gab es vonseiten Colombo keine konkreten Vorstellungen oder Anforderungen, sondern eine Liste seiner Lieblingsgestalter, und diese bzw. deren Werke könnten unterschiedlicher nicht sein: Oscar Niemeyer, Le Corbusier, Zaha Hadid, Philippe Starck und Frank Gehry. Sie alle sind heute ansatzweise in der modernen Villa Kunterbunt zu erkennen, z.B. in der konischen Säule (Starck), im spitzen und im organischen roten Gebäudeteil (Hadid und Gehry) oder im geradlinigen Hauptgebäude (Le Corbusier). Das Blau und Rot der Fassade bestimmte der Bauherr, der alles Bunte und Farbige liebt, persönlich. Fast 20 Monate dauerte der Bau, eine Zeit, in der 20 Arbeiter und ein Baumeister in Baracken vor Ort lebten und von einer ebenfalls stationären Köchin bewirtet wurden. 

Bild: Lucas Lins

Das Grundstück ist 25 m breit und 40 m lang. Die lokalen Vorschriften verbieten die Bebauung der 20 m vor dem Meer, weshalb alle Villen in diesem Quartier im hinteren Teil der Parzelle liegen und gegen das Meer viel Freifläche haben. Das Gebäude ist auf zwei Geschossen gegliedert: Die untere Ebene beinhaltet Wohnzimmer, Küche, eine Sauna sowie zwei Personalzimmer mit Dusche und eigener Küche. Oben liegen vier Schlafzimmer, drei davon mit frontalem Meerblick, eines ist seitlich angeordnet. Auf dem Dach sind ein Wassertank, ein Jacuzzi sowie Solarzellen platziert. «Vor 20 Jahren waren diese Solarzellen pionierhaft. Leider haben sie aber nur etwa drei Wochen lang funktioniert», erzählt Colombo mit einem Augenzwinkern. So einiges am Gebäude hat stark gelitten. Einerseits wegen der experimentellen Bauweise und Materialien, andererseits wegen der Lage am Meer, denn Salzwasser ist Gift für jedes Gebäude. Die Hauptmaterialien sind Beton, Glas und Aluminium. «Alle Materialien sind irgendwie speziell», erklärt Colombo. «Das Aluminium für die Küche stammt aus Sao Paolo, der weisse Marmor ist ebenfalls einheimisch.» Dieser wurde im Wohn- und Terrassenbereich in verschiedenen Formaten und Richtungen verlegt. «Leider wurde der Stein vom Salzwasser gelb verfärbt», sagt der Hausherr mit einem Lächeln.

Die ganze Reportage lesen Sie in der Ausgabe 05—21 der Wohnrevue. Hier bestellen.

Bild: Lucas Lins

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