Farne und Flechten

Als Inspirationsquelle dient die Natur derzeit vielen Designern. Doch das schwedische Studio Front geht noch einen Schritt weiter und betrachtet die Natur selbst als Designerin – und will von ihr lernen. Für das Projekt «Design by Nature», das in Zusammenarbeit mit dem italienischen Designunternehmen Moroso entstanden ist, hat es Waldböden, Biberbauten und Strandfelsen akribisch studiert. Das Resultat der Langzeitrecherche wird im Herbst vorgestellt.

Bild: Andy Liffner

Der Ausgangspunkt des Projekts war die Faszination des Designstudios Front für Strukturen in der Natur, die von Pflanzen oder Tieren erschaffen sind. Die Designerinnen Anna Lindgren und Sofia Lagerkvist studieren seit mehreren Jahren gemeinsam mit Fachleuten aus unterschiedlichen Disziplinen die Natur, um von ihr zu lernen und gewisse Erkenntnisse in ihre eigenen Projekte einfliessen zu lassen. Genau dies taten sie beim Projekt «Design by Nature». «Wir haben 3D-Scans von Waldböden, Küstenlandschaften, Biberbauten und anderen Strukturen gemacht», erklärt Anna Lindgren. «Mit einer digitalen Webtechnik entwickelten wir dann ein Textil, das die Farben und Oberflächen nachahmt.» Neben Scans fertigten die Designerinnen zahlreiche Skizzen, Modelle und Werkstoffe an, aufgrund derer am Schluss eine Möbelkollektion resultieren soll. «Man soll das Gefühl haben, als hätte man mit einem Spaten ein Stück Waldboden ausgegraben und dann ins Wohnzimmer gestellt. Als sässe man auf einem Moosboden oder einem Strandfelsen», sagt Anna Lindgren zur Wirkung, die Front Design mit seiner zukünftigen Möbelkollektion erzielen will. Eine aufwendige Recherchearbeit, die nur möglich war mit einem Partner, der die Faszination für diese ausgedehnte Studie teilte und sich voll und ganz auf ein Projekt mit noch völlig unklarem Resultat einliess: Moroso.

Bild: Andy Liffner

«Als Sofia und Anna mir ihre Ideen präsentierten, dachte ich: Das ist brillant, erfrischend, überraschend», schwärmt Patrizia Moroso, Art Director des italienischen Designunternehmens, die sich mit ihrem feinen Gespür für neue Themen und junge Talente längst einen Namen gemacht hat auf der internationalen Designbühne. «Sie haben ihre Recherchen mit einer Akribie betrieben, die normalerweise nur in der Naturwissenschaft zu finden ist: Bestimmung von Arten, Untersuchung von Tierspuren, Analyse von existierenden Konstruktionen, die sich auf andere Dimensionen wie Möbel, Textilien oder Gebäude übertragen lassen.»

Bild: Andy Liffner

Die Gründerinnen von Front Design sehen auch Parallelen zwischen der Art, wie Tiere ihre Behausungen bauen und Menschen. Denn früher benützten die Menschen auch Materialien aus der nahen Umgebung, um ihre Häuser zu bauen. «In Schweden war es noch vor zwei Generationen Standard, dass die Menschen ausschliesslich in Holzhäusern wohnten, deren Material aus der Gegend stammt», sagen Anna und Sofia. Dass wir die Nähe zur Natur bei unseren Gebäuden, Möbeln und allen Dingen, die uns umgeben, verloren haben, liegt an der Technisierung und an neuen, künstlichen Materialien. Die Front-Frauen wollen mit ihrem Projekt diese verloren gegangene Nähe wieder ein Stück weit zurückholen. Die Kollektion «Design by Nature» entstand in Kooperation mit den Unternehmen Moroso, Kvadrat, 3D Wasp und Florantz und wird voraussichtlich im Herbst präsentiert.
moroso.it

Bild: Andy Liffner

Front Design
Unter der Leitung von Sofia Lagerkvist und Anna Lindgren gehört Front zu den renommiertesten und kreativsten Designstudios in Schweden und weltweit. Das Studio lotet in seiner Arbeit ganz unterschiedliche Themen wie Robotik oder Magie aus, hinterfragt mit Studien und Experimenten Designprozesse immer wieder aufs Neue und kreiert neuartige Produkte – zum Beispiel für Moooi, Vitra, Kartell oder Moroso. Die Arbeiten von Front wurden in die Sammlungen der renommiertesten Museen, darunter etwa das MoMA New York oder Victoria & Albert Museum in London, aufgenommen und mit zahlreichen Designpreisen ausgezeichnet.
frontdesign.se

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