Lamella

Eine Abschlussarbeit sowie Pilzlamellen dienten Nadja Bolliger als Inspiration für ihre poetische Leuchte.

Nadja bewies mit ihrem Entwurf nicht nur Kreativität, sondern auch eine Menge Handwerkskunst. Ihre einzigartige Leuchte könnte genauso gut ein skulpturales Dekorationsobjekt sein. 

Die Idee
Für die Abschlussarbeit ihrer gestalterischen Berufsmaturität, die Nadja nach ihrer Ausbildung zur Keramikerin absolvierte, produzierte sie ein Porzellanset, das sie mit einem selbst gezeichneten Pilzlamellenmuster zierte. Weil ihr das Motiv so gut gefiel, interpretierte es die 26-Jährige für ihren Leuchtenentwurf neu, und zwar dreidimensional. Das Objekt nannte sie übrigens gleich wie die Keramikserie «Lamella». «Ich wollte mit meiner Leuchte eine stimmungsvolle Atmosphäre im Raum schaffen. Man sollte das Licht geniessen und sich wohlfühlen», erzählt die angehende Objektdesignerin. Also stand für sie relativ früh fest, dass sie einen Lampenschirm aus einem transluzenten Material fertigen würde. Im zweiwöchigen Kunststoffmodul während des Studiums entdeckte sie Polycaprol. Ein sehr zäher Kunststoff, der immer wieder erwärmt sowie umgeformt werden kann und in dünner Ausführung durchscheinend ist. Um mit dem Material korrekt umzugehen, braucht es aber Übung, denn es kühlt schnell ab und versteift. «Polycaprol ist ausserdem teuer, ein Kilogramm kostet 24 Franken. Also bleibt bei 30 Franken Materialgeld wenig Raum für Fehler und Experimente», fügt Nadja an. 

Der Prozess
Für die Herstellung des Lampenschirms musste die Studentin Hand anlegen – und zwar mehrmals. Als Erstes fertigte sie eine Negativform aus Ton, um eine Gipsform zu entwickeln, die sie mit Polycaprol einstrich. Den Kunststoff erhitzte sie in einem Kochtopf auf ca. 60° C. «Weil das Material sehr zäh ist und schnell abkühlt, brauchte ich Hilfe von zwei Mitstudenten», sagt Nadja zum Prozess. Nachdem die zwei Schalen des Lampenschirms erstellt waren, musste die Studentin noch eine Befestigung für die Glühbirne erarbeiten. Hierfür formte sie zwei windungsförmige Teilchen und schmolz eines an jeden Schirmteil. «Die Idee dahinter ist, dass jedes Schirmstück frei nach oben oder unten bewegt werden kann», erklärt Nadja. «Lamella» kann übrigens nicht nur als Hängeleuchte verwendet werden, sie macht sich auch als Bodenmodell gut – und natürlich als Dekorationsobjekt. 

Studentin
Nadja Bolliger, 26

Schule
Die Studienrichtung Objektdesign an der Hochschule Luzern – Design & Kunst fokussiert sich zu Beginn auf das Denken mit den Händen. Im ersten Semester werden die Grundlagen von Metall, Holz, Keramik, Kunststoff und Modellbau vermittelt. Gelernt wird, Materialien adäquat einzusetzen, deren Eigenschaften zu nutzen und über Materialkreisläufe nachzudenken.
hslu.ch/objektdesign

Konzept
Jeden Monat präsentieren wir Die zündende Idee, also eine Leuchte von HSLU-Designstudenten aus dem ersten Semester. Das Starterkit ist für alle dasselbe: eine Glühbirne samt Fassung, ein 3 m langes Kabel und 30 Franken Materialgeld. Zusätzlich verwendete Recyclingmaterialien und bestehende Werkzeuge, Farben etc. sind erlaubt.

Kostenaufstellung
Polycaprol 23.05
Total CHF 23.05 

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