Im Dialog

Design, Innenarchitektur und bildende Kunst gehören für Teo Jakob seit der Firmengründung untrennbar zusammen. Mit Christian Herren, Co-Kurator der hauseigenen Sammlung, sprechen wir über den Dialog zwischen Design und Kunst und die Leidenschaft des Berner Tapezier-Meisters Teo Jakob für das Schöne und Aussergewöhnliche.

Bild: Markus Beyeler, Nicolas Schopfer, Florian Spring

Christian Herren, erzählen Sie uns von den Anfängen der Kunstsammlung Teo Jakob?
Der Berner Teo – ursprünglich Theodor – Jakob übernahm Mitte des letzten Jahrhunderts das Polster- und Tapeziergeschäft seines Vaters und ersetzte dessen nostalgischen Heimatstil durch moderne Designmöbel. Die Stadt an der Aare avancierte in den 1950er- und 1960er-Jahren zu einem wichtigen Ort für avantgardistische Kunstschaffende. Künstler wie Joseph Beuys, James Lee Byars oder Lawrence Weiner verkehrten in den Gassen der Bundeshauptstadt. Christo und Jeanne-Claude verhüllten in Bern zum ersten Mal ein Gebäude und der spätere Documenta-Kurator, Harald Szeemann, zeigte seine bahnbrechende Ausstellung «Live In Your Head: When Attitudes Become Form» in der Kunsthalle. Der leidenschaftliche Sammler Jakob begann Kunst in sein Unternehmen zu integrieren und stellte Werke im Dialog mit progressiven Designobjekten aus. 1955 liess Theodor Jakob vom Grafiker Alfred Hablützel sein Logo kreieren. Mit der Eliminierung des «h» aus dem Logo nannte sich Theodor fortan ausschliesslich Teo. Der in roten Helvetica-Kleinbuchstaben gehaltene Schriftzug unterstreicht die klare Ausrichtung und die Zeitlosigkeit des Unternehmens bis heute.

Welches waren die ersten Werke in der Sammlung des Kunstliebhabers Teo Jakob?
Befreundete Künstlerinnen und Künstler gestalteten Plakate und Ausstellungsräume oder bezahlten ihre Möbel mitunter mit Kunstwerken. Die frühesten Ankäufe waren von befreundeten, regionalen Kunstschaffenden wie Franz Gertsch, Markus Raetz und Balthasar Burkhard. Später kamen Werke von internationalen Künstlern wie Herman de Vries oder Le Corbusier dazu.

Bild: Markus Beyeler, Nicolas Schopfer, Florian Spring

Unter welchen Kriterien treffen Kunst und Design im Raum zusammen?
Kunst und Design sollen im Dialog stehen und sich gegenseitig stärken. Von Anfang an war es eine Prämisse des Berners, Räume ganzheitlich einzurichten. Mit Designern wie Kurt Thut, Hans Eichenberger oder Robert Haussmann gestaltete der Unternehmer Raumkonzepte, in denen Kunst ein wichtiger Bestandteil war. Sein Zitat «Ohne Kunst ist das Leben fad» bringt diesen Grundsatz auf den Punkt.

Gibt es klare Sammlungsschwerpunkte zu erkennen?
Jakob förderte zeitlebens junge Kunstschaffende. Er liess sich weniger von bestimmten Stilrichtungen als vielmehr von seiner Leidenschaft und von
Freundschaften mit Kunstschaffenden leiten. Aus diesen Beziehungen entstand – durch Gegengeschäfte, Schenkungen und Ankäufe – eine sehr persönliche Sammlung von Kunstobjekten. Um diese Sammlung der Nachwelt als Einheit zu erhalten, gründete Jakob 1999 – ein Jahr vor seinem Tod – die «Stiftung Kunstsammlung Teo Jakob». Sie wird weiterhin durch Ankäufe und Schenkungen mit Werken zeitgenössischer Kunstschaffender wie Filip Haag, Beat Schweizer und Annelies Štrba erweitert. Aus heutiger Sicht bilden die 1960er- und 1970er-Jahre einen wichtigen Schwerpunkt der Sammlung. Sie steht für Schweizer Kunst dieser Zeit mit einem Berner Fokus.

Bild: Markus Beyeler, Nicolas Schopfer, Florian Spring

Welches sind aus heutiger Sicht die Highlights der Sammlung?
Experimentelle Frühwerke von Künstlern, die heute berühmt sind, wie zum Beispiel ein nahezu fotorealistisches Bild von Franz Gertsch oder die Fotografie Room Nr. 8 von Balthasar Burkhardt. Die Sammlung beinhaltet auch Künstlerbriefe an Jakob von Meret Oppenheim und von Jean Tinguely, die sehr persönliche Beziehungen aufzeigen.

Das Unternehmen Teo Jakob ist seit Beginn Partner der internationalen Kunstmesse Artgenève. Letztes Jahr haben Sie den Fokus auf Objekte und Werke aus den 1960er- und 1970er-Jahren in Bezug auf zeitgenössisches Design gesetzt. Was wird an der kommenden Artgenève präsentiert?
Wir bespielen das Restaurant, die Lounge und den Eingangsbereich. In unserer Wechselausstellung stehen dieses Jahr die Frühwerke im Vordergrund. Wir präsentieren Designobjekte von Designschaffenden aus den 1940er-Jahren bis heute.

Bild: Markus Beyeler, Nicolas Schopfer, Florian Spring

Wo können die Werke der Kunstsammlung sonst noch besichtigt werden?
Nebst den Dauerpräsentationen in unseren Showräumen in Genf, Bern, Zürich und neu auch in Zug und Lausanne, werden Exponate regelmässig in Museumsausstellungen als Leihgaben zur Verfügung gestellt. Ein Highlight ist etwa im Treppenhaus in unserem Hauptgeschäft an der Gerechtigkeitsgasse 23 in der Berner Altstadt zu betrachten: das Wandbild «Beleuchtung» von Alfred Hofkunst.

Wie umfassend ist die Kunstsammlung heute?
Heute umfasst diese Sammlung moderner Kunst rund 500 Bilder, Plastiken und Objekte aus der Zeit zwischen 1922 und heute. Die Stiftung Kunstsammlung Teo Jakob kauft weiterhin Werke von Künstlerinnen und Künstlern an, welche einen Bezug zu einem unserer Standorte haben.

Bild: Markus Beyeler, Nicolas Schopfer, Florian Spring

Welche Ziele hat sich die Stiftung für die Zukunft gesetzt?
Nebst den Neuankäufen, der damit verbundenen Unterstützung von jungen Kunstschaffenden und dem Grundsatz, dass die Kunst weiterhin der Öffentlichkeit zugänglich gemacht wird, ist auch das Konservieren und Aufbewahren der Werke ein wichtiges Prinzip der Sammlung. Zurzeit arbeiten wir daran, Papierarbeiten zu restaurieren, damit diese noch lange Zeit in einem guten Zustand besichtigt werden können.

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