Wohnen in der Brauerei

Der belgische Künstler Frits Jeuris verwandelte eine alte Brauerei in sein Zuhause. Mit Improvisationsgeschick und Respekt vor der originalen Architektur schaffte er eine zweiteilige Wohneinheit, ­dessen Innen- und Aussenbereich unter demselben ­Fabrikdach liegen.

Bild : Jan Verlinde (Living Inside)

Wer hat nicht schon einmal davon geträumt, in einer alten Fabrik zu wohnen? Ein hierfür geeignetes Industriegebäude zu finden, ist schwierig. Und selbst wenn man ein erschwingliches Objekt gefunden hat, ist es noch schwieriger, eine solche Fabrik auf budgetfreundlicher Weise zu renovieren – ohne die ursprüngliche Atmosphäre und Architektur zu ruinieren. Der belgische Künstler Frits Jeuris (*1975) hat es zusammen mit seiner Frau Tanja geschafft, diesen Wohntraum zu verwirklichen.

Bild : Jan Verlinde (Living Inside)

«Vor rund fünf Jahren traf ich einen Freund zum Essen. Wir beide träumten davon, eines Tages in einem Industriegebäude zu leben. Plötzlich erinnerte er sich an eine alte Brauerei in einem Dorf», erzählt der Künstler und ergänzt: «Wir fuhren vorbei und stellten fest, dass das Gebäude seit 25 Jahren leer stand. Wir erkannten das Potenzial des Hauses sofort und setzten uns mit den Eigentümern in Kontakt. Es war gross genug, um unsere beiden Familien unterzubringen – und so wählte jeder von uns einen Flügel der Fabrik aus, um darin zu leben», erzählt Jeuris.

Bild : Jan Verlinde (Living Inside)

Von innen nach aussen
Der belgische Künstler hatte weder die Lust noch das Geld, das Gebäude komplett in ein modernes Loft zu verwandeln. Deshalb entschied er, die Fabrik so weit wie möglich im ursprünglichen Zustand zu belassen. «Wir wollten die Seele des Hauses nicht verändern», so Jeuris. Das Gebäude selbst ist weder beheizt noch isoliert, nur der neu gebaute Glaskubus im ersten Stock: Das Herzstück, in dem die Familie lebt und schläft.

Bild : Jan Verlinde (Living Inside)

«Wir betrachten die Brauerei eigentlich als einen Aussenbereich. Im Winter leben wir sehr kompakt in unserem Glaskubus. Im Sommer leben wir draussen, aber unter dem Dach der Brauerei», erklärt der Künstler. Jeuris traf einige radikale Entscheidungen, vor allem in Bezug auf den täglichen Komfort. Aber er hat dafür gesorgt, dass das Gebäude authentisch bleibt. Überall, wo er ein zusätzliches Element hinzufügte – eine Tür, ein inneres Fenster, ein Geländer, eine Stufe, ein zusätzlicher Gang – geschah dies immer mit Respekt vor der originalen Bausubstanz. «Ich habe die fehlenden Stufen selbst in Beton gegossen», sagt er und fügt hinzu: «Vielleicht ist es nicht perfekt, aber das ist die Brauerei auch nicht. Ich improvisiere mit dem, was ich zur Verfügung habe. Für mich liegt der Zauber genau in dieser Begrenzung: Sie schafft eine Menge von Möglichkeiten.»

Den ganzen Beitrag lesen Sie in der Ausgabe 05-22 der Wohnrevue. Hier bestellen.

Bild : Jan Verlinde (Living Inside)

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