Zeitlose Wohnskulptur

In die Uferlandschaft der Aare eingebettet steht ein markanter Wohnbau des Architekten Hannes Froelich (*1935) aus den späten 60er-Jahren. Unlängst ist eine junge Familie eingezogen und erfüllt das historische Gebäude mit neuem Leben.

Der Architekt Hannes Froelich (*1935) wurde geprägt von den grossen Architekten der Moderne, darunter auch Le Corbusier, bei einem von dessen Schülern Froelich unter anderem arbeitete. Später machte er sich selbstständig und entwarf zahlreiche Gebäude. Besonders der gekonnte Umgang mit Beton zeichnet seine Wohnbauten aus. Das porträtierte Objekt baute der Architekt ursprünglich für seine sechsköpfige Familie. Das Gebäude befindet sich direkt am Aareufer – allerdings zehn Meter über dem Fluss und sanft in den leicht abfallenden Hang eingebettet. Bei offenem Fenster hört man das Wasser rauschen, was dem Lebensgefühl vor Ort eine besondere Note verleiht.

 

Skulptural und wohnlich
Das von der Moderne beeinflusste Gebäude hat einen skulpturalen Charakter, ohne dabei an Wohnlichkeit einzubüssen. Auffallend im Innenraum ist die raffinierte Raumaufteilung. Vom Eingang her gelangt man in ein offenes Treppenhaus, das die Sicht auf den überhohen Wohnraum freigibt. Eine beinahe archaisch anmutende Betontreppe mit Stufen aus
Granit führt vom Eingangsgeschoss in den offenen Wohnraum mit einem zentral eingebauten Kamin. Offene Regale bieten Platz für ausgewählte Dekoelemente, Bücher und Familienfotos, die dem Raum Ambiente verleihen. Eine aus Backsteinen gemauerte Sitzbank zieht sich über die gesamte Länge einer Wand und gibt den Blick auf den Kamin, den Garten und das angrenzende Esszimmer frei. Ein durchgehender «Stirnholz-Klötzliboden» verbindet die beiden Räume und wurde vor Kurzem abgeschliffen und geölt. Der Materialienmix im gesamten Gebäude ist sorgfältig gewählt und wurde seit seiner Fertigstellung vor über 50 Jahren nicht verändert – warum auch? Beton, Holz und Naturstein sind Klassiker, die zeitlose Eleganz versprühen und nie aus der Mode kommen.

Der Zauber der Farben
Bevor die junge Familie diesen Frühling einzog, wurden die ursprünglich in Le-Corbusier-Farben gestrichenen Wände aufgefrischt: Leuchtendes Gelb erhellt den Eingangsbereich, sattes Grün schafft einen Übergang vom Wohn- ins Esszimmer und warmes Rot sorgt für eine gemütliche Atmosphäre im Esszimmer. Die Schlafzimmer befinden sich im oberen Stockwerk und sind dem Korridor entlang aufgereiht. Auch hier wurde auf eine stimmige Farbwahl geachtet: Das obere Stockwerk wurde sanft wieder instand gesetzt, indem ein roter Linoleumboden in den Zimmern verlegt wurde. Das Holzwerk an den Fenstern wurde frisch gestrichen und die bestehenden Einbauschränke in unbehandelter Eiche belassen. Die zahlreichen Einbauschränke sind praktisch, da sie ausreichend Stauraum bieten und zusätzliche Möbel wie Kommoden oder Schränke überflüssig machen. Zudem dienen sie als Trennwände zwischen Zimmern und Korridor. Am Ende des Flurs im oberen Stock befinden sich das Badezimmer und eine kleine, versteckte finnische Sauna, die während der kalten Jahreszeiten rege genutzt wird.

Raum für Ästhetik
Die junge Familie schätzt den einzigartigen Charakter des neuen Zuhauses. Dank der markanten Architektur und der archaischen Materialien genügen einfache Objekte und Farben, um den Räumlichkeiten eine eigene Note zu verleihen. Sei das eine knallgelbe Giraffe, die der Sohn in der Kita bastelte und in diesem Umfeld auch mit Kunst verwechselt werden könnte, oder klassische Stühle von Thonet im Esszimmer, kombiniert mit bunten Accessoires im schlicht – weissen Regal von USM – das Alter sieht man dem Gebäude aus den späten 60ern jedenfalls nicht an. Das Haus ist so jung und frisch wie seine neuen Bewohner.

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