Ort der Begegnung und Lebensfreude

Kay Hofmann hat aus purer Leidenschaft eine alte Villa in Zürich Enge aus dem Dorn­röschenschlaf erweckt. Heute erstrahlt die Villa de Sein als Plattform für Kunst und ­Design in neuem Glanz. Im Gespräch mit seiner Innen­architektin Line Numme ­erzählt er, wie es dazu kam und wie dynamisch das ­Gebäude wachgeküsst wurde.

Kay Hofmann, in der Villa de Sein wird ja nicht gewohnt, aber durchaus gelebt. Sie ist ein Ort zum Sein. Kannst du das erklären?
Wenn du mit wohnen den Ort meinst, wo man normalerweise übernachtet, und die private Unordnung entsteht, dann wird hier tatsächlich nicht gewohnt. Aber wir sind trotzdem jeden Tag hier. In einer sorgfältig gestalteten Umgebung, die nicht durch die gängigen Alltagsaspekte beeinträchtigt wird. Es ist ein Ort entstanden, der mir voll entspricht und gleichzeitig ein Platz für Arbeit, Kultur und Begegnung ist. Der Name Villa de Sein ist aus dem Gedanken entstanden, dass man hier vor allem sein kann. Und mit der Firma Rothirsch, die im Anbau der Villa untergebracht ist, wird hier auch gearbeitet.

Hast du so einen Ort gesucht? Es scheint, als hättest du von Anfang an eine Vision im Kopf gehabt.
Nein, bewusst gesucht habe ich diesen Ort nicht, aber vielleicht unbewusst durch meine DNA. Mein Vater war Innenarchitekt. Als wir die Villa entdeckten, war es zuerst unsere Absicht, sie zu renovieren und dann zu vermieten. Wir haben das Haus aus einem Dornröschenschlaf geweckt, es wach geküsst und geöffnet. Gegen Ende des Renovationsprozesses haben wir das Haus und den Ort so sehr ins Herz geschlossen, dass wir es nicht mehr loslassen konnten. So habe ich angefangen zu überlegen, was man aus diesem schönen Haus denn machen könnte. Auch habe ich schnell gemerkt, dass es hier noch schöner wird, wenn sich Menschen begegnen. So ist die Idee entstanden, das Haus mit lieben Menschen zu teilen, welche gemeinsame Interessen haben. Sei es Leidenschaft für schöne Möbel, Design, Kunst oder Kultur. Oder einfach ein Essen in interessanter Runde. Es ist ein sehr dynamischer Ort geworden. Nichts ist in Stein gemeisselt.

Ja, als du mir den Auftrag gegeben hast, die Villa einzurichten, fand ich eine «weisse Leinwand» vor – ein Traum! Aber auch ­anspruchsvoll. Die Einrichtung sollte wohnlich sein und dir persönlich entsprechen, aber auch flexibel und wandelbar bleiben. Die Dynamik war von Anfang an zu spüren.
Genau, auch Martin Gottini, der Architekt, hat es ähnlich empfunden. Wie im Austausch mit dir die Einrichtung entstanden ist, war auch beim Planungsprozess der Renovation kein genauer Anforderungskatalog da. Verstanden, wo das Ganze hinführen soll, haben wir, als ich mal sagte: «Lass uns etwas erschaffen, worauf wir gemeinsam stolz sein können.» Hier kam das Persönliche und der Austausch ins Spiel. Diese Dynamik. Wenn du mir einen Vorschlag machtest, sollte es zwar meinem Geschmack entsprechen, aber ich liess mich auch gerne von dir von etwas anderem überzeugen. Zum Beispiel bei der Farbwahl – auf Senfgelb wäre ich von alleine nie gekommen. Dann überlegte ich: «Doch, ­spannend …» Und plötzlich kommt das Gelb dann weiter in einem Teppich vor oder in einem Bild. So wird das Ganze stimmig und harmonisch. Das Ziel wurde für mich zu ­hundert Prozent erreicht. Ich bin stolz darauf, was wir alle gemeinsam erschaffen haben.

So eine grosse Liegenschaft verursacht ja auch Kosten. Wie geht die Rechnung am Ende für dich auf?
Es wird sicher nie passieren, dass die Villa de Sein kommerziell genutzt wird. Wir sind einfach in der glücklichen Lage, die Türen hier für Gäste, Künstler, Musiker oder Designer öffnen zu können. Für Freunde und Freunde von Freunden, die ihr Talent und ihre Ideen hier hereinbringen, und mit uns und anderen teilen können. Das Aufladen der Villa mit dieser positiven Energie ist letztlich unbezahlbar. Es gibt enorme Lebensfreude, und darum geht die Rechnung am Ende für mich auf.

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