Herzstück Homeoffice

Er war schon immer ein Fan von stilvollen, schönen Büroaccessoires. Vor zwei Jahren hat der Grafiker und Interior Designer Marcel Britt deshalb ein eigenes Label gegründet mit selbst entworfenen und sorgfältig ausgewählten Accessoires fürs Homeoffice. Einem Ort, der in seinen Augen genauso wohnlich und stilvoll sein sollte wie das ganz Wohnumfeld. Er zeigt, wie das in seinem neuen Zürcher Domizil aussieht. 

Fast könnte man meinen, er hätte es kommen sehen, wie das Homeoffice aus dem Nichts zu einer der wichtigsten Zonen daheim wurde, denn sein jüngstes Projekt dreht sich genau um diesen Ort. Desck heisst das neue Label für Büroutensilien, die in einem Onlineshop angeboten werden. Dort findet man zum Beispiel schlichte Porzellanbecher als Stiftehalter, die Marcel Britt entworfen hat und von einer Zürcher Keramikerin fertigen lässt, unifarbene Bleistifte oder ein Lederetui für Büroutensilien, das so edel aussieht wie eine Clutch Bag von Hermès. Alle Objekte haben eines gemeinsam: Sie sind schlicht, klar gestaltet und aus hochwertigen Materialien. Logos, Muster oder sonstige Aufdrucke fehlen. Ein Teil des Sortiments sind Eigenentwürfe, der andere eingekaufte Produkte. «Die Verpackung sollte auch einen anderen Verwendungszweck haben», betont Britt und zeigt auf die eingekauften Holzpins, die er in einem schönen Glas mit Korkdeckel anbietet. So dient die Verpackung zugleich als edler Behälter. 

Der Grund für die Lancierung von Desck war die Tatsache, dass Marcel Britt auf dem Markt nichts fand, das ihm gefällt. «Schreibwaren und Büroprodukte, die man in Papeterien findet, sind oftmals mit Logos, Text oder Muster überladen. Das finde ich einfach nicht stilvoll», argumentiert Marcel Britt. Zwar gibt es einzelne schöne Objekte aus diesem Bereich zu finden bei kleineren Labels oder auch grösseren wie zum Beispiel Vitra, aber ein Label mit einem breiten Sortiment gibt es nicht. «Heute verlegt man das Homeoffice ja auch mal aufs Sofa oder an den Esstisch, deshalb sollten die Büroaccessoires zum wohnlichen Kontext passen», ist Britt überzeugt. Eine Haltung, die in seinem Zuhause deutlich zu sehen ist. Im schönen Holzregal, das als Arbeitsort dient, ist jedes noch so kleine Ding ein Blickfang – von der Büroklammer über die Schere bis hin zum Lineal. 

Nicht nur bei Desck, sondern auch in der gesamten Wohnungseinrichtung ist Marcel Britts Blick fürs Detail, aber auch fürs grosse Ganze deutlich sichtbar. Das neue Zuhause hat er zusammen mit seinem Lebenspartner im April bezogen – mitten im Lockdown. Erst zehn Tage vor dem Bezugstermin war klar, dass Zügeln überhaupt erlaubt ist. «Das wäre haarscharf ein Fiasko geworden mit Vor- und Nachmietern und allfälligen Kettenreaktionen», erzählt der Designer. Aber es hat geklappt und die Wohnung bezeichnet er als Glücksfall. Sie liegt in einem neuen Dreiparteienhaus in Albisrieden, im Quartier Im Heimgärtli, besser bekannt als Globus Heimeli. Hier entstanden in den 30er-Jahren im Auftrag von Globus Einfamilienhäuser für den Mittelstand – fertig möbliert mit Produkten von Globus. Die kleinen Häuser sind heute im Besitz verschiedener Eigentümer, einige wurden renoviert, andere abgerissen und mit Neubauten ersetzt. So auch das Gebäude, in dem Marcel Britt in einer Attika-Duplex-Wohnung mit viel Sichtbeton und Gussböden wohnt. «Die Holzrahmen der Fenster bilden einen schönen Kontrast zu den warmen und kühlen Grautönen», hebt der Bewohner hervor. Zusätzlich für Gemütlichkeit sorgt die skandinavisch angehauchte Möblierung. «Dänemark berührt uns immer wieder mit allen Sinnen», sagt Britt, «deswegen haben uns die vielen Reisen ins Designmekka in der Innenausstattung auch sehr beeinflusst.» Ganz im Sinne des skandinavischen Wohnstils gibt es viel Holz, zum Beispiel bei den Küchenstühlen, beim Regal im Homeoffice oder bei diversen Beistelltischen. Kräftige, warme Farben und schöne Strukturen, etwa bei den Teppichen, komplettieren das stimmige Ambiente. Auch die Idee für das Label Desck kommt indirekt aus Skandinavien, es wurde während eines Sabbaticals in Dänemark geboren. 

Einige Möbel wurden vom früheren Wohnort, einem Altbau, übernommen. «Im Neubau ist der Kontext ganz anders, und die Möbel wirken komplett anders. Wir entdecken sie sozusagen neu», ergänzt Britt. Moderne Möbel von vorwiegend skandinavischen Brands und Vintageobjekte bilden ein harmonisches Ganzes. Der Küchentisch beispielsweise ist ein alter Beizertisch aus dem Welschland, der Bürostuhl ist ein Vintage-stück von Vitra oder der Holzbeistelltisch im Wohnzimmer eine Trouvaille aus Dänemark. Im gesamten Interieur ist der grafische Ansatz des Gestalters klar erkennbar. «Ich mag eine klare, geometrische Formensprache. Kleine Muster oder organische Formen sind für mich tabu», betont der Designer. Ein Credo, das sowohl auf die Einrichtung als auch auf die Objekte von Desck zutrifft. Und letztere, die kleinen Dinge fürs Büro, können es mit den übrigen Wohnaccessoires bezüglich Hochwertigkeit und Gestaltung allemal aufnehmen.

Marcel Britt
Der gebürtige Thurgauer gründete 2007 gemeinsam mit Vera Studhalter das Büro Saloon, ein multidisziplinäres Kreativstudio, das auf Markengestaltung spezialisiert ist. Fragen rund um Optik und Haptik, deren Aussagen und Wirkungen beschäftigen Marcel Britt seit jeher, weshalb der Designer Projekte in den Bereichen Grafik sowie Interior Design begleitet. 2018 gründete er Desck, ein Brand für schlichte Schreibwaren und moderne Büroaccessoires ohne Firlefanz, aus robusten und nachhaltigen Rohstoffen und vorzugsweise lokal fabriziert.
saloon.ch, desck.shop

 

 

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