Design en passant

Die Swiss Design Embassy setzt sich für die Sichtbarkeit von Design ein. Etwa mit einem Schaufenster.

Wer aufmerksam durch die Zürcher Josefstrasse schlendert, stösst auf der Höhe der Hausnummer 115 auf zwei Schaufenster, die sich bei genauem Betrachten als eine kleine, feine 24/7-Ausstellung entpuppen. Hier haben Designschaffende und -institutionen jeweils während zweier Monate die Gelegenheit, ihre Projekte vorzustellen. Hinter der Aktion steckt die Swiss Design Embassy, die sich zum Ziel gesetzt hat, die Designbranche besser zu vernetzen. Dabei stehen die Nutzung von Synergien und der Transfer von Wissen im Fokus – sowohl zwischen und unter den Disziplinen als auch im Austausch mit einem breiten Publikum.

Von Mode über Grafik zu Design
Die zwei Schaufenster «A window by Swiss Embassy» im Zürcher Kreis 5, die von der Ateliergemeinschaft Pfister Klingenfuss Architekten & Böe Studio zur Verfügung gestellt werden, sind ein Mosaiksteinchen auf dem Weg zu mehr Austausch und mehr Sichtbarkeit. Nun feierte diese Initiative jüngst ihr einjähriges Jubiläum. «In den vergangenen zwölf Monaten konnten wir sieben Ausstellungen umsetzen. Darunter sowohl Arbeiten von etablierten Designschaffenden als auch von Newcomern», erklärt Gabriela Chicherio, eine der treibenden Kräfte hinter dem Schaufenster-Projekt. Das Spektrum der gezeigten Projekte reichte bisher von Mode zu Grafik über Gamedesign bis hin zu Kunsthandwerk, um nun zum Industriedesign zu gelangen.

Spielerische Perfektion
Bis zum 5. April 2024 gibt Yves Ebnöther Einblick in seine Arbeit. Der Zürcher Industriedesigner entwickelt seit seinem BA-Studium in London Produkte, welche die konzeptionellen und gestalterischen Möglichkeiten computergesteuerter Fertigungsverfahren ausloten. In der «Window»-Ausstellung zeigt er die Entwicklung seines «Stool Around The World», der exemplarisch für das Potenzial einer vernetzten und dennoch lokalen Produktion steht. Der zugrundeliegende, parametrische Konfigurator erlaubt die Verwandlung eines Brettes in einen Stuhl. Und zwar so präzise, dass auch rezykliertes Material ohne Klebestoff zu einem Möbel gefügt werden kann. Zudem hat er seinen preisgekrönten «Zoid» mitgebracht. Die charakteristische Form des stapelbaren, extravaganten Hockers ist das Resultat eines minutiösen Faltprozesses. Aus unterschiedlichen Winkeln betrachtet, wirke dessen Kontur immer wieder anders, so der Designer. Das Aussergewöhnliche an diesem Sitzmöbel: Es wird aus einem einzigen Stück Chromstahlblech von Hand gefaltet.
Kürzlich hat der 49-jährige Designer nun eine Weiterentwicklung des Hockers lanciert, den «Zoid Club Table». Auch der kompakte und vielseitige Tisch ist immer noch aus einem einzigen Stück Blech von Hand gebogen, dadurch entstehe ein präziser und stabiler Formenkörper. «Hinter dem Projekt steckt ein intensiver Entwicklungsprozess. Nach langer Suche fanden wir letztes Jahr innovative Herstellungspartner in der Schweiz, die der Aufgabe gewachsen sind», erläutert Ebnöther die Entstehungsgeschichte.
Die Projekte des Designers zeugen von seiner Faszination, zweidimensionales Material in dreidimensionale Produkte zu transferieren. Im Falle von «Zoid» scheint es ein mühelos wirkender Prozess zu sein, vom Falten mit Papier zum Biegen mit Blech. Also nichts wie hin!

Möchten Sie ein Projekt präsentieren? A window by Swiss Design Embassy ist offen für Vorschläge.
design-embassy.ch
ebnoether.com

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