«Es geht fast immer um Atmosphäre.»

«Es geht fast immer um Atmosphäre.»

Interior Atelier Sert

Der Inhaber des Fachgeschäfts Interior Atelier Sert, Yusuf Sert, im Interview.

Herr Sert, Sie sind ein Branchenkenner, haben lange in anderen Zürcher Fachgeschäften gearbeitet und sich 2016 selbstständig gemacht. Was bieten Sie den Kunden in Ihrem 130 m2 grossen Fachgeschäft mitten in der Zürcher Altstadt?
Es geht fast immer um Atmosphäre. Also darum, Ambiente und Persönlichkeit in die Räume zu bringen. Deshalb lasse ich auch Standardmöbel personalisieren. Den Moser-­Sessel zum Beispiel habe ich mit einem speziellen englischen Stoff beziehen oder ein Lehni-Tischchen in einer selbst gewählten zweifarbigen Version, blau und braun, spritzen lassen. Ich will Stücke mit Geschichte anbieten, Objekte, die nachhaltig gefertigt sind. Viele Produktionen habe ich besucht, und ich kenne die Firmeninhaber und ihre Philosophien. In Zukunft soll das Angebot noch konsequenter in Richtung nachhaltige Produktion gehen. 

Nennen Sie einen Bestseller in Ihrem Laden?
Der «Basket Chair», ein Klassiker des Schweizer Designers Gian Franco­ Legler aus dem Jahr 1951. Der Stuhl hat eine lange Geschichte, wurde mehrmals ausgezeichnet und wird nur in wenigen Geschäften verkauft. Hergestellt wird er heute vom australischen Hersteller Feelgood Designs. Das 2011 gegründete Label fertigt nachhaltig qualitativ hochstehende Designprodukte.

Und wie sieht das Beratungs­angebot aus?
Ich finde es nicht gut, einem Kunden ein fixfertiges Gesamtkonzept zu präsentieren, das dann auf einmal umgesetzt wird. Persönlich einrichten braucht Zeit. Deshalb sehe ich mich eher als Berater und langfristiger Begleiter eines Kunden. Gemeinsam kuratieren wir jedes einzelne Stück und gestalten Schritt für Schritt und über Jahre ein ganz persönliches Zuhause. Ein besonders wichtiger Teil unseres Beratungsangebots ist die Beleuchtungsplanung, denn Licht ist zentral beim Thema Wohnen.

Welches Highlight erwartet Ihre Kundschaft in den nächsten Monaten?
Ein brandneues modulares Sofa vom holländischen Label Di Giulia, von dem ich der einzige Händler in der Schweiz bin. Man könnte sagen, es ist wie das perfekte weisse T-Shirt: schlicht, zeitlos, perfekt! Ich bin ein Fan dieser Kollektion, bei der die Kunden mitreden können, also Grössen und Stoffe mitbestimmen. Jedes Sofa wird von Hand nach individuellem Wunsch gefertigt.

Welchen konkreten Einrichtungstipp geben Sie unseren Lesern.
Offen bleiben bei der Entscheidung und nicht sofort urteilen. Manchmal meinen die Leute, sie mögen etwas spontan oder nicht. Lassen Sie sich darauf ein, hören Sie sich die Geschichte dahinter an: Es könnte Ihr Lieblingsstück werden. Und vor allem: nicht nur aufgrund eines Fotos etwa im Internet urteilen. Sehen Sie sich das Objekt an, fassen Sie es an, riechen Sie daran. Das gibt einen ganz anderen Bezug zu einem Möbelstück. 

Wer ist Entscheidungsträger beim Möbelkauf: Mann oder Frau?
Eher die Frau, das war schon immer so, auf der ganzen Welt. Ich habe im Laufe der Jahre jedoch folgendes festgestellt: Je demokratischer und gleichberechtigter eine Gesellschaft ist, desto mehr entscheidet auch der Mann mit – was die Sache nicht einfacher macht. (lacht) Ich behaupte, dass Möbel die emotionalste Anschaffung sind für ein Paar. Darüber könnte ich Bücher schreiben!

Welches Möbel oder Wohnaccessoire aus Ihrem Laden haben Sie auch zu Hause?
Eine Hängeleuchte von Louis Poulsen.

Welchen Einrichtungsgegenstand haben Sie sich zuletzt gekauft?
Einen Gartentisch aus Holz, den ich selbst entworfen habe und vom Schreiner fertigen liess.

Welches ist Ihr ältestes Einrichtungsobjekt zu Hause?
Ein Tisch von Jürg Bally, der 1951 entworfen wurde.

Interior Atelier Sert
Oberdorfstrasse 19
8001 Zürich
sert@interioratelier.ch
interioratelier.ch

Wort
Katrin Ambühl

Bild
Nicolas Duc