Zwischen Asphalt und Sommerglut

Wort: Anina Cammarota / Bild: Adel Fecih, Vega MG
Der Sommer in Berlin erzählt seine ganz eigene Geschichte – flirrend, drückend, überraschend. Die Bilder der pulsierenden Hauptstadt oszillieren zwischen Licht und Lärm, zwischen Asphaltglut und kühlen Oasen. Sie lassen uns eintauchen, in eine fiktive Erzählung, inspiriert von urbaner Wirklichkeit – und ihrer still flimmernden Surrealität.

Immer den Häuserzeilen nach eilt eine Passantin. Getrieben von der Hitze – oder ausgebremst von derselben?

Es ist 10.06 Uhr, sie muss raus. Die kleine Dachwohnung ist zu warm. Zu stickig. Nichts rührt sich – als hätte selbst die Luft diesen Morgen aufgegeben. Sie tritt hinaus auf die Strasse und liest: Flughafenstrasse. Vielleicht hätte sie doch einfach einen Flug nehmen sollen. Den Sommer anderswo verbringen. Mit Wind. Und Wasser. «Berlin, Berlin», murmelt sie – es gibt zu viele Songs über diese Stadt. Sie kann nicht daran denken, ohne dass Musik mitschwingt. Heute ist es Faber. Die deutsche Hauptstadt leuchtet vor ihren Augen, in ihrem Kopf singt der Schweizer Musiker.

Die Luft flimmert. Der Asphalt riecht nach Metall und Staub. Zwischen dem Pfeifen der Strassenbahn und dem fernen Dröhnen eines Presslufthammers irren ihre Gedanken wie Mücken nachts um eine Strassenlaterne. Die Sonne beisst sich fest an dieser Welt – an all den bunten Sonnenschirmen, die auf den Balkonen leuchten.

Ein Kiosk. Wasser. Sie tritt ein. Der Ventilator über der Theke bewegt sich, aber nicht genug. Wasser? Oder Bier? Nein – Wasser. Zurück auf die Strasse. Ein Mann mit nacktem Oberkörper lehnt an einem Pfosten. Zigarette zwischen zwei Fingern. Berlin. Sie geht vorbei. Ihre Schritte scheinen am Boden festzukleben.

Ein Hund bellt. Irgendwo ein Streit – gedämpft, bröckelnd durch ein offenes Fenster. Sie biegt ab. Die Strassen sehen sich zu ähnlich. Vielleicht war sie hier schon. Eine Frau am Handy hastet an ihr vorbei. Ein Café taucht auf. Verlockend. Kalter Kaffee? Nein, sie geht weiter. Zu spät – der Tag zerfliesst in der Hitze. Sie überquert die Strasse. Der Mann mit der Zigarette. Wieder da. Gleicher Pfosten. Gleiche Haltung. Die Sonne glüht. Sie steht wieder vor dem Kiosk. Das Wasser in der Flasche ist noch fast voll. War sie nur einmal um den Block gelaufen? Die Sonne ist noch da. Berlin ist noch da. Der Rest zerfliesst in der Hitze.

«Spiegel, zeig mir, wer ich bin. Bin auf der Suche nach ‘nem Sinn. Und zerbreche in mir drin. Berlin, Berlin», liegt ihr Faber in den Ohren. Erst 10.25 Uhr. Zeit, nach Hause zu gehen. In der Hitze sind die Tage lang und zäh.

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