Grazie Vico

Er hat das Gesicht von Mailand mitgestaltet sowie zahlreiche Möbel und Leuchten entworfen, die heute zu den grossen Klassikern zählen: Vico Magistretti (1920–2006). Der Architekt zählt zu den einflussreichsten Designern des 20. Jahrhunderts und hat mit vielen grossen Designunternehmen zusammengearbeitet. Als Hommage an den vor 100 Jahren geborenen Gestalter lancierten gleich mehrere Firmen überarbeitete oder neu aufgelegte Entwürfe.
Fritz Hansen
Anlässlich des Jubiläumsjahrs von Vico Magistretti legt Fritz Hansen den Stuhl «Vico Duo» (Bild) neu auf. Der italienische Architekt entwarf den Stuhl 1997 in der Designabteilung des dänischen Herstellers. Er war sehr daran interessiert, mit Fritz Hansen zusammenzuarbeiten und das langjährige Know-how des Unternehmens im Umgang mit Furnieren und Stühlen zu nutzen. Der schlichte Stuhl, der sowohl für den Objekt- als auch für den Heimbereich entwickelt wurde, hat eine klare grafische Formensprache. Eine lose, über Papier gezogene Z-Linie war die Inspiration der hinteren Stuhlbeine, die oben in die Armlehnen übergehen und aus einem Stück Stahl bestehen. Bei seinem Entwurf war Magistretti bereits 77 Jahre alt. Dazu der Chefdesigner von Fritz Hansen, Christian Andresen: «Er war selbstbewusst und entspannt in seiner Arbeit und Karriere. Der Entwurf hat eine einfache Leichtigkeit und Stärke, die dies widerspiegelt.» Bei der Reedition sind neu Armpolster hinzugekommen, schwarze pulverbeschichtete Untergestelle geben dem Klassiker zudem einen zeitgemässen Look.
fritzhansen.com

 
De Padova
Vico Magistretti begann in den 70er-Jahren für das Unternehmen De Padova zu entwerfen; anfangs vor allem Büromöbel. Es war der Beginn einer engen Beziehung zum italienischen Unternehmen, für das er unter anderem die Sessel «Louisiana» sowie «Incisa» oder den Tisch «Vidun» (Bild) entworfen hat. Letzterer war der erste Tisch in der Kollektion von De Padova. Das 1987 entworfene Produkt gilt heute als Archetyp unter den Bocktischen. Kernelement ist eine überdimensionierte Schraube aus Massivholz, mit der sich die Tischplatte in der Höhe verstellen lässt. Die runde oder ovale Glasplatte gibt den Blick auf die Unterkonstruktion frei. Das Untergestell kann auch mit anderen beliebigen Tischplatten kombiniert werden.
depadova.com

Cassina
Die 70er-Jahre waren geprägt von wilden Designexperimenten und visionären, bunten Wohnwelten. Ganz im Kontrast zu diesen schnelllebigen Strömungen entwarf Vico Magistretti ein Sofa von verblüffender Zeitlosigkeit: «Maralunga» (Bild). Der Clou an der Konstruktion ist der Knick in der gepolsterten Rückenlehne. Dank einer einfachen Bewegung können diese von hoch auf niedrig verstellt werden, sodass sich das Sofa unterschiedlichen Nutzungen anpasst und zudem noch den Look verändert. Magistretti sagte über seinen Entwurf: «Mein Ziel war es, mit ‹Maralunga› ein Objekt zu entwerfen, das unterschiedlichen Interieurs ein vertrautes Gefühl vermittelt. Einen warmen, gemütlichen und bequemen Ort, wo man sich komplett entspannt und frei fühlt.» Der Mechanismus für die Verstellung der Lehnen hat der Mailänder Architekt von Fahrrädern abgeschaut: Er basiert auf einer Velokette. Der Erfolg des 1973 lancierten Sofas ist ungebrochen, und 2014 gab Cassina eine leicht überholte Version mit abnehmbaren Stoffbezügen und neuen Details wie der Naht, die dem Umfangsprofil folgt, heraus. Neben einem Sofa in zwei verschiedenen Grössen gehören auch ein Sessel und ein Pouf zur Kollektion.
cassina.com

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