Wort: Anina Cammarota / Bild: Ruben Hollinger
Wie entstehen Räume, in denen man sich wohlfühlt? Jürg Rusch erklärt, wie Licht, Möbel und Details Atmosphäre schaffen – von Wohnräumen bis zu modernen Co-Working-Spaces.

Jürg Rusch, wie würden Sie die grundlegende Philosophie von By Marei beschreiben?
Unsere Philosophie lässt sich eigentlich ganz einfach zusammenfassen: Räume sollen den Menschen guttun. Sie müssen nicht nur funktional sein, sondern auch ästhetisch wirken und eine Atmosphäre schaffen, in der man sich gerne aufhält. Ausgangspunkt ist für uns immer der Mensch – seine Bedürfnisse, seine Gewohnheiten, sein Empfinden für Farben und Materialien. Daraus entsteht ein gestalterischer Dialog, den wir in Konzepte übersetzen, die den Raum prägen.
Sie befassen sich auch mit Büroräumen. Wie unterscheidet sich die Gestaltung von Arbeitsräumen – etwa Co-Working-Spaces – von privaten Wohnräumen?
In Arbeitsräumen stehen Funktion, Flexibilität und Teamdynamik im Vordergrund. Akustik, Raumzonierung und Ergonomie sind hier entscheidend. Zu Hause geht es dagegen mehr um Persönlichkeit, Rückzug und Gemütlichkeit.
Gibt es überraschende Parallelen?
Ja, die gibt es! Der Wohlfühlfaktor ist in beiden Welten entscheidend: Ob Büro oder Wohnzimmer – Menschen wollen sich aufgehoben fühlen.
Wie gehen Sie bei der Planung und Umsetzung von Projekten wie Büros oder Co-Working-Spaces konkret vor?
Am Anfang steht immer eine Analyse: Wer nutzt den Raum, wann und mit welchen Bedürfnissen? Daraus entwickeln wir ein ganzheitliches Konzept – von der Raumaufteilung über Farben und Materialien bis hin zur Möblierung. In enger Abstimmung mit dem Kunden konkretisieren wir die Gestaltung, und erst wenn alles stimmig ist, folgt die Umsetzung. Am Ende kommt das Feintuning: Details, Stimmungen, Texturen – sie geben dem Raum seine Seele und machen ihn lebendig.
Welche Anforderungen stellen moderne Co-Working-Umgebungen – etwa in Bezug auf Atmosphäre, Zonenbildung, Ergonomie oder Flexibilität?
Co-Working-Spaces müssen heute vieles gleichzeitig leisten: Sie sollen Rückzug und Konzentration ermöglichen und gleichzeitig Austausch und Kreativität fördern. Ergonomische Arbeitsplätze sind dabei ebenso unverzichtbar wie flexible Möbel, die sich leicht an unterschiedliche Nutzungsszenarien anpassen lassen. Die grösste Herausforderung besteht darin, eine Atmosphäre zu schaffen, die inspiriert – ohne zu überfordern. Denn nur in einem stimmigen Umfeld entsteht echte Produktivität.
Wie schaffen Sie es, mit Möbeln, Licht und Accessoires Räume zu gestalten, die sowohl funktional als auch lebendig und individuell wirken?
Möbel bilden das Fundament eines Raumes – sie geben Struktur und Orientierung. Licht setzt Akzente, formt die Stimmung und verleiht Tiefe. Accessoires sind das i-Tüpfelchen: Sie erzählen Geschichten, verleihen Persönlichkeit und machen den Raum unverwechselbar. Entscheidend ist, eine klare Linie zu verfolgen und diese mit persönlichen Details aufzulockern.
Welche Entwicklungen beobachten Sie derzeit in der Innenarchitektur und der Einrichtung?
Nachhaltigkeit ist kein Trend mehr, sondern eine Selbstverständlichkeit – sowohl bei Materialien als auch bei langlebigem Design. Im Arbeitsumfeld entstehen zunehmend hybride Konzepte, die Büro und Homeoffice verbinden. Privat setzen Menschen auf natürliche Farbtöne, haptische Materialien und multifunktionale Möbel. In beiden Bereichen geht es darum, flexible und zukunftsorientierte Räume zu schaffen.
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