Wort Anina Cammarota / Bild: Ruben Hollinger
Irène Münger und Dominko Madjura bilden privat wie geschäftlich ein starkes Duo. Ein Gespräch mit dem Geschäftsführerpaar von Brechbühl Interieur.

Brechbühl Interieur ist seit über 100 Jahren eine feste Grösse im Bereich Einrichtung. Seit Kurzem teilen Sie sich als Paar die Geschäftsleitung, Dominko Madjura und Irène Münger. Aber es gibt auch sonst einiges Neues zu berichten, richtig?
DM Ja, es passiert gerade viel. Unser Unternehmen ist im letzten Jahrhundert organisch gewachsen, mittlerweile sind wir ein Team von 18 Mitarbeitenden mit breit gefächerten Kompetenzen. Lange stand der Möbelverkauf im Mittelpunkt, heute konzentrieren wir uns stärker auf die ganzheitliche Konzeption von Inneneinrichtungen – von privaten Wohnungen und Häusern über Hotels, Cafés und Restaurants bis hin zu Grossraumbüros und Schulen. Im Zuge dieser Neupositionierung gestalten wir auch unseren Showroom komplett um. Besonders spannend dabei ist das neue Atelier mit Matériauthèque, das unsere umfangreiche Materialauswahl erlebbar macht.
Bedeutet das, dass der Möbelverkauf in den Hintergrund tritt?
DM Nein, natürlich nicht. Viele glauben, man könne einfach Möbelstücke kombinieren, um einen Raum zu gestalten – dabei entsteht oft ein zusammengewürfeltes Bild. Unser Ansatz ist ein anderer: Bestehende Möbel werden ergänzt, Neues fügt sich harmonisch ein, und Schritt für Schritt entsteht ein stimmiges Gesamtkonzept. So bleiben Lieblingsstücke erhalten, neue Möbel werden sinnvoll integriert, und die Einrichtung kann mit den Menschen wachsen. Das ist nachhaltig und erlaubt es, Räume zu schaffen, die sich über Jahre entwickeln.
Irène Münger, welche Rolle hatten Sie als Designerin bei der Umstrukturierung?
IM Seit ich Teil von Brechbühl Interieur geworden bin, hat sich vieles verändert – Geschäft, Privatleben und Familie sind quasi in einen Topf gefallen. Diese intensive Phase hat uns aber die Chance gegeben, etwas Ganzheitliches neu zu denken. Mein Fokus liegt auf der konzeptionellen und gestalterischen Seite: Ich entwerfe Ideen, entwickle Konzepte und sorge dafür, dass jedes Projekt stimmig ist. Dominko übernimmt die Umsetzung und sorgt dafür, dass alles praktisch realisierbar wird. So können wir kreative Visionen direkt in funktionale Räume übersetzen.
Sie arbeiten nicht nur mit Privatkunden, sondern auch in Büros, Gastronomie oder Hotellerie. Wie gelingt dieser Spagat?
DM Wir decken ein breites Spektrum ab – vom kleinsten Detail bis zum grossen Projekt. Durch unser internes Team aus Wohnberaterinnen, Innenarchitekten, Planern und Handwerkerinnen können wir sowohl kleine Wohnungen als auch Büros mit über 1000 Arbeitsplätzen gestalten. Entscheidend ist immer, die Menschen im Raum zu verstehen – ob zu Hause, im Büro oder im öffentlichen Bereich.
Beratung scheint bei Ihnen eine zentrale Rolle zu spielen. Was macht den persönlichen Ansatz bei Brechbühl Interieur aus?
IM Wir arbeiten sehr individuell. Jede Kundin, jeder Kunde hat eine feste Ansprechperson, die die Beratung langfristig begleitet. Vor Ort gibt es Licht- und Farbberatung, Materialausleihe und enge Abstimmung – so wird die Einrichtung persönlich und authentisch. Auch kleine Entscheidungen, wie die Wahl einer Leuchte oder eines Stuhls, werden Teil des Gesamtkonzepts.
Wie sehen Sie die Zukunft von Brechbühl Interieur?
DM Wir wollen Konzepte entwickeln, die funktionieren und gleichzeitig Persönlichkeit und Identität ausstrahlen. Das ist für uns die grösste Motivation und das Herzstück unserer Arbeit. Wir freuen uns besonders auf den neu gestalteten Showroom – früher war Brechbühl ein klassisches Tapeziergeschäft: Handwerk und Materialverständnis waren schon immer zentral. Heute erweitern wir diesen Kern um Planung und Design. Wir entfernen uns also nicht von unseren Wurzeln, sondern entwickeln sie weiter, um Räume zu schaffen, die Geschichte und Gegenwart verbinden.
