Wort: Anina Cammarota / Bild: Ruben Hollinger
Wir haben uns mit Tobias Franzke, Leiter Terrassengestaltung und Mitglied der Geschäftsleitung von Silvedes, zwischen Solitärbäumen in der firmeneigenen Baumschule in Brütten unterhalten.
Tobias Franzke, wie prägen besondere städtische Bedingungen Ihre Planung und Gestaltung von Terrassen und Dachgärten?
Viele Kunden wünschen sich auch in der Stadt Privatsphäre und heimelige Aussenräume. Die Gestaltung zielt darauf ab, vorhandene Gegebenheiten so zu nutzen, dass Ausblicke offen bleiben und mögliche Einblicke abgeschirmt werden. Der fühlbare Unterschied, wenn sich durch unser Wirken eine unbelebte Terrasse innert weniger Tage in eine geschützte Stadtoase verwandelt, sorgt bei unseren Auftraggebenden für Emotionen und Begeisterung.
Beschattung wird immer wichtiger – wie integrieren Sie dieses Element in Ihre Terrassenkonzepte?
In der warmen Jahreszeit sorgen grosszügige Schattenbäume für Komfort und Genuss. Der natürliche Schatten dieser «grünen Klimaanlagen» ist nicht mit einem Sonnenschirm oder einer Markise zu vergleichen, unter welchen sich die Hitze staut. Die Blätter eines voll besonnten Baumes fühlen sich auch in der grössten Sommerhitze kühl an – die Verdunstungskälte bewirkt einen aktiven Schatten und schafft ein wohltuendes Mikroklima. Für die exponierten Standorte haben wir unsichtbar unter den Terrassenplatten angebrachte Befestigungssysteme entwickelt, damit die Bäume in eleganten runden Schalen sturmsicher platziert werden können.
Wie entwickeln Sie Terrassenkonzepte, die sich harmonisch an den bestehenden Wohnraum anschliessen?
Entscheidend sind die Sichtachsen aus dem Wohnraum. Wohin fällt der Blick vom Sofa oder vom Esstisch aus? Die Leitpflanzen werden so inszeniert, dass sie mit dem Innenraum verschmelzen. Die häufig grossen Glasflächen nutzen wir, um die Terrassenfläche optisch zum Wohnbereich dazuzugewinnen.
Wie gestalten Sie Terrassen so, dass sie auch ausserhalb der Sommermonate genutzt werden können?
Insbesondere in den Abendstunden oder im Winter verwandeln dezente Warmlicht-LEDs in den Pflanzgefässen die schwarzen Fensterflächen in eine Bühne für die grünen Protagonisten. Sie erweitern den sichtbaren Nutzen der Terrasse auf den gesamten Jahresverlauf und sorgen für ein ganzjährig nahtloses, grosszügiges Wohngefühl.
Sind begrünte Terrassen auch für Kundinnen und Kunden geeignet, die wenig Zeit oder keinen grünen Daumen haben? Welche Lösungen bieten Sie hier an?
Die grösste Unterstützung in der Pflanzenpflege bietet ein Bewässerungssystem. Mit einer unsichtbar verlegten Bewässerung bleibt deutlich mehr Freizeit. Die individuell benötigten Wassermengen der einzelnen Pflanzengattungen werden vorab in einem Bewässerungskonzept festgelegt, sodass sich der Aufwand für die Besitzenden auf die Überwachung beschränkt und kein gärtnerisches Fachwissen nötig ist.
Gibt es besondere Trends oder Innovationen im Bereich Terrassengestaltung, die Sie spannend finden?
Die ressourcenschonende Bewässerung hat merklich an Bedeutung gewonnen. Die einfachen Bewässerungs-Zeitschaltuhren wurden von vernetzten Geräten abgelöst. Sensoren zeichnen Temperatur- und Feuchtigkeitsverlauf auf. So können die Bewohnerinnen und Bewohner von überall her ins Bewässerungsschema eingreifen und Witterungsextreme abfangen. Ein kurzer Moment im Wartezimmer beispielsweise reicht aus, um das Wohlergehen der Pflanzen auf der Terrasse zu überprüfen.
Wie haben sich die Bedürfnisse Ihrer Kundschaft verändert?
Das Zuhause wird immer wichtiger. Viele Kunden arbeiten zumindest teilweise auch im Homeoffice. Da bietet das «Naherholungsgebiet Terrasse» einen willkommenen Platz zum Durchatmen oder für ein (geschäftliches) Telefonat. Eine natürliche Arbeitsumgebung steigert die Produktivität. Und nach Feierabend lässt sich im Grünen am besten abschalten und der eigene Aussenwohnraum mit Familie und Freunden geniessen.
