Wohnen zwischen Gertsch und Goya

Wohnen zwischen Gertsch und Goya

Einblick ins Zuhause zweier Kunstsammler

Ein Leben ohne Kunst? Das wäre für sie undenkbar, sind sie doch schon seit ihrer Jugend passionierte Sammler: Die Besitzer eines Betonkubus in einer Gemeinde bei Bern zeigten uns ihre Kunstschätze.

Bäume und Sträucher säumen links die enge Strasse. Rechts liegen Villen – alte neben modernen, eine vornehmer als die andere. Ein Seitensträsschen führt an einem Garten mit gackernden Hühnern vorbei. Kurz vor dessen Ende zweigt nochmals ein Weg ab. Da steht er – leicht versteckt, schlicht, grau: der Betonkubus. Sieben mal zehn Meter misst er, abgeschlossen wird er von einem überdachten Eingangsbereich. Im Türrahmen steht die Hausherrin, barfuss, mit Sommersprossen im Gesicht, sie trägt eine rosa Kordhose und einen farbigen Pulli. Schnellen Schrittes steuert sie auf das Esszimmer zu, wo sie sich an einen langen Tisch setzt; die Platte aus brasilianischem Quarzit schimmert blau. In einer Ecke befindet sich ein Sitzmöbel, der «Hill House»-Chair von Charles Rennie ­Mackintosh, mit knallrotem Bezug und stattlicher Rückenlehne. Daneben, auf einem Wandregal, stellen gläserne Damen in Miniaturform ihre Reize zur Schau. Ihre Hände umfassen die Bäuche der Likörgläser. An den weiss verputzten Wänden hängt jede Menge Kunst. Sie ruft ihren Ehemann herbei. Da kommt er auch schon, etwas gemächlicher als sie, und lässt sich auf einem der schwarzen Thonet-Stühle nieder. «Bilder haben für uns mehr Priorität als Möbel», sagt sie. Worauf er erwidert: «Wir wohnen mit der Kunst.» Sie seien keine Fans von gestylten Möbeln. Ihre Einrichtungsstücke seien alt, man solle sie benutzen, nicht nur ansehen dürfen. «Unsere Enkel lassen wir auf den Le-Corbusier-Sesseln herumturnen», so die Hausbesitzer.  

Den Anfang machte Picasso
Das Paar sammelt seit den 60er-Jahren Kunst, unter anderem Druckgrafiken, Zeichnungen, Gemälde und Fotografien. Jung waren sie damals, verkehrten in der lebendigen Kunstszene Berns und knüpften erste Kontakte zu nationalen und internationalen Künstlern. Eine gemeinsame Leidenschaft begann: das Kunstsammeln. Er erinnert sich an das erste erworbene Bild: «Das war eine kubistische Zeichnung Picassos.» Sie entgegnet: «War es nicht ein Giacometti?» «Nein, den kriegten wir erst später.» Das Berner Paar diskutiert viel über Kunst und ist im ständigen Austausch mit den Bildern, die es in seinen Wohnräumen oft umhängt. Wie viele Werke ihre Privatsammlung inzwischen umfasst, wissen beide nicht so genau. Die Anzahl Druckgrafiken kann der Hausherr jedoch nennen; um die 1000 seien es. Die Kunstsammler erzählen von ihrem Ausstellungsraum, der sich im Untergeschoss des Hauses befindet, und von einem externen Depot sowie einer Galerie für Kunst: Ihre Sammlung muss gigantisch sein. 

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Wort
Luisa Aeberhard

Bild
Ruben Hollinger

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