Gebäude zwischen Nähe und Distanz

Gebäude zwischen Nähe und Distanz

Einfamilienhaus, Kirchdorf bei Baden

Das Wohngebäude fällt auf durch sein verschachteltes Volumen und sein Zusammenspiel von Aussen- und Innenräumen. Im Innern zeigt sich ein Raumgefühl, das mit ­Rückzug und Weitblick, mit definierten und offenen Zonen spielt. Das Einfamilienhaus in Kirchdorf bei Baden ist der erste Neubau des Zürcher Architekten und Möbel­designers Tom Strala.

Konventionelle Einfamilienhäuser zu entwerfen, ist nicht das Ding von Tom Strala. Was ihn als Architekt interessiert, ist das Thema der gebauten Soziologie. Bei diesem Projekt war sein Ziel, ein Raumgefüge zu kreieren, in dem Eltern und Kinder sich wohlfühlen, sich nach innen oder aussen orientieren können, sich für Privatheit, Gemeinschaft, aber auch für ein Dazwischen entscheiden können. «Körper und Geist scheinen verschiedene Bedürfnisse zu haben», erläutert der Architekt. «Körperliche Tätigkeiten sind eher nah und kleinräumig orientiert, während der Geist nach dem Weiten sucht. Dieses Gebäude folgt genau diesem Prinzip: Die Räume sind kleinräumig gehalten, während der Blick herumschweifen kann.» Diese Auseinandersetzung mit dem Wohnalltag der Familie, mit den Bedürfnissen der einzelnen Mitglieder hat die Herangehensweise an das Projekt bestimmt. «Ich habe dieses Gebäude von innen nach aussen entwickelt, im Prinzip gleicht es einem Zauberwürfel», sagt der Architekt.

Pragmatisch, poetisch
Die Bauherren sind befreundet mit Tom Strala und gaben ihm den Auftrag für das Projekt. Drei Jahre lang dauerte es bis zum Einzug im vergangenen Winter. Am meisten Zeit beanspruchte der Planungsprozess mit einem intensiven Austausch zwischen Architekt und Bewohnern. Im ersten Schritt galt es zu verstehen, wie die Familie, die sehr sportlich und viel unterwegs ist, den Alltag lebt. Im zweiten Schritt wurde dann das Konzept erarbeitet. Es war ein Prozess des Herunterbrechens, des Verdichtens. «Am Anfang war es wie Wasser, das man immer mehr verdichten musste, bis am Schluss Beton entstand», beschreibt Strala die Anfangsphase. Am Ende dieses Prozesses war das Fazit für beide Parteien klar. «Wir wollten ein pragmatisches, poetisches Gebäude», so Strala. Ein konkretes Beispiel: Die Garage ist praktisch, aber mehr als eine Garage. Sie ist zu gross für ein, aber zu klein für zwei Autos. Dafür bietet sie Raum für Sportgeräte, Ablage und Garderobe. Von ihr gelangt man direkt in die Küche ohne einen Gang oder Zwischenraum, abgetrennt von einer Pendeltür. In der Küche ist sie Teil der Schrankwand und nicht als Tür sichtbar.

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Architektur
Tom Strala (*1974) ist in Schaffhausen aufgewachsen und schloss 2001 sein Architekturstudium an der ETH Zürich ab. Neben der Arbeit in diversen Architekturbüros begann er auch Objekte und Leuchten in limitierter Auflage zu entwickeln. Seine architektonisch geprägte Leuchtenserie «TMS» aus gefaltetem Metall machte ihn über die Landesgrenzen hinaus bekannt, und seine Werke, die sich zwischen Kunst, Design und Handwerk bewegen, wurden in diversen internationalen Museen und Magazinen gezeigt. Heute lebt Tom Strala in der historischen Zürcher Werkbundsiedlung Neubühl, wo er auch sein eigenes Atelier hat und in den Bereichen Architektur und Kunst arbeitet.
strala.ch

Wort
Katrin Ambühl

Bild
Tom Strala

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