Schweizer Design, laut gedacht

Schweizer Design, laut gedacht

Ein Gespräch zwischen Moritz Schmid und Heinz Caflisch

Das erste Produktensemble, das Moritz Schmid für Heinz ­Caflisch von Okro entwickelte, war aus Glas. Als zweites folgte ein Raumtrennersystem für die Erweiterung der Churer Designgalerie. Das dritte Projekt ist noch nicht spruchreif, aber bereits in Planung. Wir sprachen mit den beiden Machern über ihre Zusammenarbeit und die hiesige Designlandschaft.

Moritz Schmid und Heinz Caflisch: Wir sitzen in der Galerie Okro in Chur,
an einem Tisch, den Moritz entwarf. Eine Auftragsarbeit?
MS  Nein – es ist derselbe einfache Modellbautisch, den ich für mein Atelier entworfen habe. Heinz hat ihn dort gesehen, und ich habe ihm dann die Pläne davon geschenkt. Ich finde, er passt sehr gut hierhin.

HC  Stimmt. Rein formal und von der Qualität her könnte es wirklich eine konkrete Auftragsarbeit gewesen sein.

Erzählt mir mehr über eure Zusammenarbeit: Wie ist es dazu gekommen?
MS  Das erste Mal trafen wir uns am Designers' Saturday in Langenthal. Du Heinz erzähltest von deinen Projekten, und die Ideen gefielen mir. Die Galerie Okro steckte da noch in ihren Anfängen – es gab schon sehr schöne Projekte mit Carlo Clopath, und Produkte von Studio Ilio wurden gezeigt.

HC  Ja, das war 2018. Kurze Zeit später besuchte ich dich in deinem Atelier. Wir sprachen lange über Design, Entwicklungsprozesse und mögliche Zusammenarbeiten. Ich lernte dich ganz anders kennen. Zuvor habe ich dich vor allem mit Atelier Pfister in Verbindung gebracht oder mit deinen Arbeiten für andere Marken. Wie experimentell und konzeptionell scharf gedacht du arbeitest, wurde mir erst im Gespräch im Atelier bewusst.

Die erste Zusammenarbeit wurde an der Ausstellung Hello Design in Chur
gezeigt. Es handelte sich dabei um neun zweiteilige Glasobjekte (siehe S. 46). Erzählt mir mehr darüber.
MS  Eines Tages rief mich Heinz an und sagte, mein Name stehe auf der Einladungskarte für die neue Ausstellung. Diese finde in wenigen Monaten statt … Was ich bis dahin produzieren könne? Dieses Vorgehen war für mich komplett atypisch – sagte mir in seiner Spontaneität und Frische aber total zu. Es ist bezeichnend für die Zusammenarbeit mit dir Heinz: Du forderst Gestalter heraus und förderst sie damit.

HC  Wann immer ich Projekte angehe, handle ich aus einem Bedürfnis heraus. So auch bei dieser Ausstellung – ich wollte neue Projekte zeigen, unerwartete zeitgemässe Entwürfe, die das Können der hiesigen Designszene unter Beweis stellen würden. Dass ich mit meinem Vorgehen nicht nur fordere, sondern auch fördere, freut mich natürlich sehr zu hören. (lacht)

MS  Schliesslich fordern wir ja auch dich in gewisser Weise, oder nicht?

HC  Auf jeden Fall. Mir ist es z. B. wichtig, dass der jeweilige Autor von Projekten für seine Arbeit richtig entlöhnt wird. Das Produzieren von Kleinserien stellt mich wirtschaftlich teilweise vor nicht ganz einfache Situationen. Dennoch bin ich überzeugt davon, dass genau in solchen Projekten und Entwürfen die Stärke liegt, welche die Schweizer Designszene dringend braucht, um vorwärtszukommen.

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Wort
Benjamin Moser

Bild
Gaudenz Danuser

Okro
Hinter Okro steht der Architekt Heinz Caflisch. Er gründete die Plattform für Handwerk und Design 2016 nach 15-jähriger Tätigkeit als selbstständiger Architekt und Innenarchitekt in Graubünden. Zusammen  mit namhaften Designern produziert er hochwertige Designobjekte, die er in Chur sowie an internationalen Messen ausstellt und vertreibt. Neben der Galerie, die sich zeitgenössischem Design mit lokaler Produktion von Alltagsgegenständen ­verschrieben hat, betreibt Okro eine Kultur und Diskussionsraum in Chur.
okro.com

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