Offen, clever, farbig

Offen, clever, farbig

Wohnreportage

Eine traditionelle Mailänder Wohnung aus dem zwanzigsten Jahrhundert wurde komplett umorganisiert und erhielt ein unkonventionelles Raumgefüge. Das schweizerisch-­italienische Architekturbüro ITCH hat den Umbau bis ins kleinste Detail gestaltet.

Ein fliessender Wohnraum jenseits von gängigen Raumstrukturen moderner Bauten: ein diagonal organisiertes Volumen, das durch senkrechte Elemente gegliedert ist, seien dies Türen, Wände, Vorhänge oder Regale. Diese vertikalen Elemente waren das Leitmotiv und gaben dem Umbauprojekt seinen Namen: «Sheet» (auf Englisch «Blatt»). Das markanteste Merkmal des vom Mailänder Architekturbüro ITCH geplanten Wohnungsumbaus ist die diagonale Ausrichtung des Grundrisses. Er wurde entwickelt, um den spezifischen Ansprüchen der Bauherren Martina und Alessandro zu genügen. Sie wünschten nämlich einen «Raum aus vielen kleinen Räumen». Früher war der Wohnbereich der 95  m2 grossen Wohnung im vorderen Teil direkt neben dem Eingang angesiedelt, während sich die Schlafräume im hinteren Teil befanden. Diese Raumstruktur stellten die Architekten auf den Kopf: Statt rechteckiger Zimmer planten sie ein offenes Raumgefüge mit einer Diagonale. Diese unterteilt die Wohnung in einen öffentlichen und einen ­privaten Bereich. Das Hauptproblem des ­Umbauprojekts, die Raumstruktur, nahm das ITCH-Studio also als kreative Chance wahr. Eine unkonventionelle Lösung, die von den Besitzern mit Offenheit begrüsst wurde. Der architektonische Raum wirkt als Ganzes sehr einheitlich. Dennoch ist es den Architekten gelungen, für die verschiedenen Räume und unterschiedlichen Bedürfnisse clevere funktionale wie gestalterische Lösungen zu finden. 

Funktionalität und Ästhetik kombiniert
Das Grundkonzept zeigt sich nicht nur bei den vertikalen Raumelementen, sondern unter anderem auch beim Fussboden. Im Eingangsbereich und im Kinderzimmer finden sich im hellen Eichenparkett dunklere Nussbaumbereiche, um die Diagonale anzudeuten und die offenen Räume klarer zu fassen. In der Küche und in den Bädern hingegen kamen pflegeleichtere Kunstharzböden zum Einsatz. Der Charakter der Räume wird zudem mit einem gezielten Beleuchtungs- und Farbkonzept unterstrichen. Dank akribischer Erforschung der Details wurde nichts dem Zufall überlassen. «Wir haben wirklich jede einzelne Facette des Projekts kuratiert – von der ursprünglichen Idee über die Bauleitung und die Wahl der Farben bis hin zur Realisierung der massgeschneiderten Einrichtung. In einer ersten Phase haben wir sehr detaillierte Entwurfszeichnungen angefertigt, um von Anfang an mögliche Probleme aus dem Weg zu räumen», erklären die Architekten vom Studio ITCH.

Ein markantes Detail sind die schwarz eingefärbten Abschlüsse der Wandabschnitte, die ebenfalls das Kernthema der «Sheets» aufnehmen. Dadurch wird die Raumstruktur mit der Diagonale, welche die Wohnung in zwei Hälften teilt, gut lesbar.

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ITCH Studio
Das preisgekrönte Architektur­studio ITCH mit Sitz in Lugano und Mailand wurde 2013 von den Architekten Alessandro Mingolo, Giulia Castelli und Marco Corazza gegründet (v. l. n. r.). Das Studio beschäftigt sich mit Projekten kleineren und grösseren Massstabs im öffentlichen sowie privaten Raum mit besonderem Augenmerk auf die Themen Umbau und Umnutzung. Die Architekten übernehmen sämtliche Aufgaben von der Idee bis zur Ausführung. Zu den laufenden Projekten zählen unter anderem Wohnungen in Norditalien und der Tennisclub Lombardo in Mailand. Für den Umbau der Mailänder Wohnung arbeitete das Büro zusammen mit Daniele Torresin.
itch-studio.com

Wort
Valeria Crescenzi

Bild
Luca Capuano