Neue Massstäbe setzen

Neue Massstäbe setzen

Gestalter Josho Smolenicky

Der Zürcher Architekt Josho Smolenicky setzt nicht mehr auf grosse Bauprojekte. Seit Anfang Jahr fokussiert er sich aufs Möbeldesign. Die Formensprache seiner Ent­würfe ist eigenwillig und bestechend zugleich. Wir ­besuchten den Kreativen in seinem Atelier und sprachen mit ihm über die Beweggründe, aus der Norm auszubrechen und der hiesigen Designszene neue Impulse zu geben.

In der heutigen Zeit, in der man von Bildern und News geradezu überflutet wird, in der auf Instagram, auf Pinterest oder auf bekannten Designblogs eine Neuheit die nächste jagt, sind sie rar geworden: Diese speziellen Momente, in denen man sich bewusst wird, etwas Einzigartiges entdeckt zu haben. Und das haben wir in diesem Fall.

Weg  von der Norm
Auf den ersten Blick wirken Joshos «United Objects» wie Skulpturen. Bei genauerer Betrachtung wird aber klar, dass es sich um Möbel – beziehungsweise um sogenannte Kombinationsmöbel handelt. «Bereits vor Jahren, als ich die Innenarchitektur des ehemaligen Restaurants Più in der Bärengasse beim Paradeplatz gestaltete, war es mir wichtig, nicht nur den Raum, sondern auch die Möbel mitzugestalten – und sie im besten Fall multifunktional zu machen», erzählt uns Josho, auf seine lange Tätigkeit als Architekt und Innenarchitekt zurückblickend. «Wenn ich mich in der Schweiz umschaue, bin ich erstaunt, dass – trotz des hohen Lebensstandards und Reichtums – die meisten Menschen nicht mehr in die individuelle Gestaltung ihrer Lebensräume investieren», sagt der Designer und trifft dabei einen wunden Punkt des Schweizer Durchschnittsdenkens: Nur ja nicht auffallen und das eigene Zuhause regelkonform einrichten. Was denken denn die Nachbarn über meine Einrichtung? Eigentlich ein Dilemma für einen Gestalter, der mit ungewohnten Möbeln für Furore sorgen will. Nicht so für Josho.

Edle Materialien, durchdachte Form
Die Formensprache ist auffällig, schnittig und kurvig zugleich – die Materialwahl exklusiv: Der Sockel besteht aus rotem Marmor, das Holzwerk wurde in aufwendigem Biegeverfahren von Baltensperger Raumgestaltung in Bülach gefertigt und sieben mal auf Hochglanz lackiert. «Die seitlichen Stirnseiten des Sessels sind durch das Weiss betont. Erst so kann das Auge der wunderschönen und komplexen Form folgen», erklärt Josho. In Kombination mit dem braunrot-glänzenden Holz, dem edlen Natursteinsockel und dem in rotem Samt eingefassten Rückenpolster ergibt sich ein einzigartiger Look, der sowohl an das Design von 60er-Jahre-Mahagonibooten aus James-Bond-Filmen als auch an die Linienführung von Sportwagen erinnert. Das Konzept hinter Joshos Möbelstücken ist aber keineswegs die Rückbesinnung auf die Stilwelten vergangener Epochen. «Angefangen habe ich mit ‹United Objects› aus der Idee heraus, dass sich einzelne Möbel zu Einheiten ergänzen», sagt Johsho und ergänzt: «Aus einer Leuchte, einem Tisch und einem Stuhl kreiere ich eine Einheit. Dabei entsteht ein ästhetischer Zusammenhang zwischen den Objekten und somit eine skulptural funktionale Einheit.» Aktuell arbeitet Josho an der Erweiterung der Kollektion und liess bereits weitere Prototypen vorerst im 3D-Druckverfahren fertigen. Ob die neuen Entwürfe wieder aus lackiertem Holz und Naturstein bestehen, lässt er offen – die Formgebung ist bestimmt wieder aus einem Guss.
united-objects.com

Wort
Benjamin Moser

Bild
Simon Habegger

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