Kraftort samt Eisvogel

Kraftort samt Eisvogel

Bistro Martin-Pêcheur, Wasserkraftwerk Hagneck

Das Wasserkraftwerk Hagneck wurde vor einigen Jahren ­sorgfältig restauriert. Der Charme des Industriebau­denk­mals am Bielersee hat den ­Designer Martin Blaser komplett in seinen Bann ­ge­zogen. Im ehemaligen Transformatorengebäude hat er
eine Werkstatt, einen Showroom sowie ein kleines, feines Bistro eingerichtet.

Der Eisvogel hat sich während unseres Besuchs leider nicht gezeigt. Er fühlt sich wohl in der Auenlandschaft ums Kraftwerk Hagneck. Martin Blaser sieht ihn häufig, schliesslich arbeitet er nicht nur auf dem Areal, er bewohnt mit seiner Partnerin auch eines der ehemaligen Angestelltenhäuser des Kraftwerks. Martin-Pêcheur heisst der Vogel auf Französisch, und dies ist auch der Name des Bistros, das im März dieses Jahres eröffnet wurde. Es liegt direkt am Oberwasserkanal, von wo man direkt auf das Kraftwerk mit Baujahr 1897 blickt. Vor zwei Jahren wurde es originalgetreu restauriert, und als einer der letzten Vertreter des Schweizer Wasserkraftwerkbaus der ersten Generation ist es von nationaler Bedeutung. Heute ist noch eine von einst fünf Wasserturbinen in Betrieb, das Kraftwerk dient überdies als Besucherzentrum für Fans von Industriebauten. Martin Blaser ist ein solcher. «Vom Projekt habe ich in einem Zeitungsartikel erfahren», blickt der Designer und Inhaber vom Label Stahlblau auf die Anfänge zurück. Und gesteht, dass er seit Jahren alte Industriebauten in der Schweiz besichtigt habe, weil diese ihn einfach faszinierten. «Als ich diesen Ort zum ersten Mal besuchte, liess mich die Idee nicht mehr los, hier einmal zu leben und zu arbeiten», sagt Blaser. Sechs Jahre lang stand er in Kontakt mit dem Verantwortlichen für das Projekt. Dieses beinhaltete den Umbau des alten Kraftwerks, den Neubau eines effizienteren Wasserkraftwerks auf dem gleichen Areal sowie die Renaturierung der Auenlandschaft samt Fischtreppen. Über die Jahre besuchte Blaser das Areal immer wieder, in jeder Jahreszeit, bei jedem Wetter. «Es gibt nichts Vergleichbares», ist er überzeugt. Seine Geduld und seine Beharrlichkeit haben sich schliesslich ausgezahlt: Er bekam einen Mietvertrag für eines der Arbeiterhäuser und für das Transformatorengebäude. 

Darin befindet sich die Werkstatt, in der Martin Blaser Möbel in Kleinserien baut. Seit vielen Jahren fertigt er geradlinige Regale, Tische oder Eternitgestelle und vertreibt sie unter dem Label Stahlblau. Der Showroom direkt über der Werkstatt ist noch weitgehend leer. Hier sollen bald die Möbel des Berner Gestalters und von einigen wenigen Partnerfirmen, darunter etwa Ethimo oder Embru, zu sehen sein.
martin-pecheur.ch, stahlblau.ch

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Wort
Katrin Ambühl

Bild
Beat Schweizer