Ich sehe was, was du nicht siehst…

Nein, es ist nicht die tropische Pflanze vorne links im Bild. Der frisch ergrünte Baum unten am Strassenrand? Nein.
Die verschwommene Balkonbepflanzung im dritten Stock des orangefarbenen Hauses ebenfalls nicht – genauso wenig wie das Moos, das in den vergangenen Wochen auf dem Stein langsam verblasste. Stehen Sie derzeit auch oft am Fenster und starren in die stille Welt hinaus? Ich schon. Und ich suche dann jeweils Grün. Es mag seltsam und altmodisch klingen – aber das Grün, das ich meine, findet sich nicht als Farbe im Blickfeld. Viel mehr entspringt es einem Gedanken, den Sie sich in den letzten Tagen und Wochen vielleicht auch machten – trotz der Weisung, zu Hause zu bleiben und auf Distanz zu gehen. Trotz der aufgezwungenen Auseinandersetzung mit den eigenen vier Wänden und dem persönlichen Befinden darin. Das Cocooning auf Zeit hat auch etwas Positives: die Rückbesinnung auf die eigenen Bedürfnisse und Wertvorstellungen. Die Entschleunigung, welche die meisten erfahren, die nicht in einem systemrelevanten Beruf arbeiten und die der Pandemie bis jetzt entgehen konnten. Das Grün, das ich sehe, ist Hoffnung, dass dieser Spuk schon bald ein Ende nimmt und dass im Rückblick auch etwas Gutes davon bleibt.

Wort
Benjamin Moser

Bild
Simon Habegger

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