Geballte Ladung Kreativität, Kunst und Design

Geballte Ladung Kreativität, Kunst und Design

Zu Besuch bei Trix und Robert Haussmann

Das legendäre Gestalterpaar Trix und Robert Haussmann hat sich im Zürcher Seefeld sein privates Refugium ein­gerichtet. Die grosszügige Wohnung besticht mit ­raffiniert platzierten Spiegeln, auserle­sener Kunst und schön arrangierten Trouvaillen.

Es gibt Menschen, deren Wirken weite Kreise zieht. Besonders zu Beginn des ­Studiums betrachten viele Zürcher Architektur- und Designstudenten das Schaffen kreativer Köpfe, ohne einen Gedanken daran zu verschwenden, wer dahintersteckt. Unbewusst eilen sie im Hauptbahnhof die schräg angelegte Rolltreppe empor, um von der untersten Shoppingebene in die Haupthalle zu gelangen und sie Richtung Central und Polybahn wieder zu verlassen. Oder sie gönnen sich einen Drink in der Kronenhalle Bar, um einen Hauch vom mondänen Zürcher Leben zu erhaschen. Der Groschen fällt in einer Vorlesung über Schweizer Architektur- oder Designgeschichte, bei dem der Name Haussmann genannt wird. 

Facettenreiches Werk
Nicht nur im Architektur- oder Designstudium führt dieser Tage kein Weg an Trix   und Robert   Haussmann vorbei. Nachdem die beiden 2018 von der Vereinigung Schweizer Innenarchitekten/Architektinnen (VSI.ASAI) im Rahmen des Kulturerbejahres geehrt worden sind, erscheint kommenden Monat das Buch «Trix und Robert Haussmann – Protagonisten der Schweizer Wohnkultur», inklusive Pop-up-Ausstellung in Zürich und einer Präsenz an der Messe Neue   Räume (siehe S. 53). Ausserdem sind Haussmanns vom 29. September bis zum 1. Dezember 2019 in London mit einer Einzelausstellung in der ­Herald St Gallery präsent. Die Faszination für das kreative Paar liegt auf der Hand: Nebst unzähligen Entwürfen für nationale und internationale Möbelhersteller wie Walter Knoll, de Sede, Röthlisberger, Horgenglarus, Wogg und viele mehr stammen auch bekannte Gebäude und Interiors aus ihrer Feder. Darunter die Bahnhofpassage des Zürcher Hauptbahnhofs, die Einkaufspassage Galleria in Hamburg oder eben die Kronenhalle Bar am Bellevue. Haussmanns waren Dozenten an der ETH Zürich, Robert Haussmann zudem Professor für Innenarchitektur an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste in Stuttgart. Ende der 70er- und in den 80er-Jahren zählten Haussmanns zu den einflussreichsten Protagonisten der Schweizer Designszene. Besonders erwähnenswert ist ihr Werk «Manierismo Critico». Dieses enthält eine Reihe von Lehrstücken, welche die von Schweizer Hochschulen hochgehaltenen Dogmen wie z.B. «Form Follows Function» infrage stellten.  

Der perfekte Blickwinkel
Heute bewohnt das Paar eine grosszügige Wohnung im Zürcher Seefeld, ihr Büro «Allgemeine Entwurfsanstalt» haben sie aufgegeben, arbeiten aber nach wie vor an privaten Projekten. «Unserem Umzug ging eine sorgfältige Planungsphase voraus», sagt Trix Haussmann. Früher wohnten sie in einem Haus am Zürichberg, das viel Platz für ihre Kunstsammlung bot. «Wir haben lange überlegt, welche Bilder und Möbel wir mitnehmen würden», ergänzt Robert Haussmann. Wichtig war beiden, spannende Blickbezüge zu den Kunstwerken zu schaffen. Das erreichten sie mit verspiegelten Wand-, Tür- und Möbelelementen, die den Blick auf insgesamt 130 Kunstwerke lenken, die in der Wohnung sorgfältig platziert sind. Spiegel, das fällt auf, spielen sowohl in ihrem gestalterischen Schaffen als auch in ihrem Zuhause eine zentrale Rolle: «Mit Spiegeln lassen sich Räume auf einfache Weise optisch erweitern», sagt Trix Haussmann. So findet man Spiegel in der Wohnung auch an ungewohnten Stellen: an den Innenwänden von Bücherregalen oder an der Decke des Erkers, wo sie, von weitem betrachtet, die Fenster nach oben verlängern.

Den ganzen Beitrag lesen Sie in der Oktoberausgabe der Wohnrevue. Hier bestellen.

Wort
Benjamin Moser

Bild
Andreas Zimmermann

Trix & Robert Haussmann
Trix (*1933) und Robert Haussmann (*1931) bilden das international wohl bekannteste Architekten- und Design­erpaar der Schweiz. 1967 gründeten sie ihr Büro Allgemeine Entwurfsanstalt. Ihre gemeinsamen Arbeiten umfassen Entwürfe für Walter Knoll, Teo Jakob, de Sede, Kollektion Röthlisberger oder Wogg sowie diverse Architektur- und Interieurprojekte, darunter die ehemalige Boutique Lanvin oder die Bahnhofpassage in Zürich.
trixundroberthaussmann.ch