Glückstreffer im Doppelpack

Glückstreffer im Doppelpack

Zu Besuch beim Architektenpaar Grigo Pajarola

2017 verspürt das Architektenpaar Sonja Grigo und Franco Pajarola den Wunsch nach Veränderung. Die beiden beschliessen, von Zürich nach Chur zu ziehen. Die Wohnungssuche ­gestaltet sich weitaus schwieriger als erwartet. Ein Zufall führt die ­beiden vor eine Druckerei in der Altstadt. Nur wenige Monate später entsteht darin ihr neues Zuhause.

Diese Wohnreportage ist im doppelten Sinne ein Glückstreffer. Das Wohnobjekt selbst und auch die Vorgeschichte: Anfang Dezember 2018 beschliessen wir auf der Wohnrevue-Redaktion, die Februarausgabe der Alpenstadt Chur zu widmen. Es herrscht Vorweihnachtsstress. «Wie finden wir kurzfristig ein spannendes Objekt, das wir direkt nach den Ferien besuchen und fotografieren können?», fragen wir uns. Marko Sauer, Chefredakteur des Architekturmagazins Modulør, er sitzt (zum Glück) im selben Grossraumbüro wie wir, klinkt sich in die Diskussion ein: «Meine Freunde wohnen in Chur – ein Architektenpaar, das seine Wohnung unlängst umgebaut hat.» Wenige Tage, zwei Mails und einen ­Anruf später sitzen wir im Zug von Zürich nach Chur, um Sonja und Franco persönlich kennen zu lernen. 

Glücksfall Nummer zwei
Unkompliziert, herzlich und authentisch. So begrüssen uns Sonja und Franco bei sich zu Hause. Selbstgemachtes Mandelgebäck und starker Espresso vertreiben schnell die Winterkälte. Wenige Minuten später finden wir uns mitten im Gespräch über Wohnungsnot in Zürich, Architekturperlen in Graubünden und über gemeinsame Bekannte und Freunde wieder. Erstmals zusammen arbeiten Franco und Sonja 2006. Danach sind beide in diversen Architekturbüros tätig. Franco macht sich bereits 2011 selbstständig und doziert an der Hochschule Luzern. Das gemeinsame Architekturbüro Grigo Pajarola gründen sie 2014. Er stammt aus Chur, Sonja aus Flums. «Wir waren immer irgendwie mit Graubünden und Chur verbunden», erzählt Franco. Der Entscheid, sowohl das Büro als auch den Wohnort endgültig hierher zu verlegen, fällt mit dem Gewinn eines Architekturwettbewerbs für den Plantahof in Landquart, der dieses Jahr in die Ausführung geht. «Zuvor wohnten wir im beliebten Zürcher Kreis 3, gleich beim Idaplatz», schwärmt Sonja und ergänzt: «Wir dachten, wenn wir sogar in Zürich eine schöne Altbauwohnung gefunden haben, wird das in Chur sicher kein Problem sein.» Im Nachhinein ist man immer schlauer – die Wohnungssuche gestaltet sich zäh und schwierig. «Auch in Chur steigen die Mieten kontinuierlich», bemerkt Franco. Kommt hinzu, dass die raren Altbauwohnungen in der Innenstadt meist in der Familie der bestehenden Mieter oder der Eigentümer weitergegeben werden. «Wir haben unzählige Objekte besichtigt und hätten beinahe aufgegeben», erzählt Sonja lachend. «Wir sassen im Park gleich hinter dem Haus», schmunzelt Franco und deutet mit der Hand in Richtung Küchenfenster. «Entmutigt von all den Besichtigungen, setzten wir uns auf eine Bank und starrten das Haus an, in dem wir jetzt sitzen.» In einem der vielen Fenster entdecken sie ein unscheinbares A4-Papier: «Büroräume zu vermieten!» Die beiden zögern nicht lange und vereinbaren kurz darauf einen Besichtigungstermin mit dem Eigentümer. Das Gebäude ist eine ehemalige Druckerei. Über eine Treppe gelangt man vom Eingang im Erdgeschoss ins erste Obergeschoss, den heutigen Wohnraum.

Im zweiten Obergeschoss befinden sich drei separate Räume. «Wir fragten den Eigentümer, ob wir bei der Stadt einen Antrag für eine Umnutzung von der Geschäfts- zur Wohnliegenschaft machen dürfen. Mit der Prämisse, dass wir bei einem positiven Entscheid die Räumlichkeiten selber umbauen dürfen.» Der Eigentümer ist – zum Glück – einverstanden.

Die ganze Wohnreportage sehen Sie in der Februarausgabe der Wohnrevue. Hier bestellen.

Zu den Personen
Sonja Grigo (1980*) stammt aus Flums, Franco Pajarola (1979*) ist gebürtiger Churer. Beide studieren Architektur und arbeiten in diversen Büros im In- und Ausland. 2014 gründen sie ihr eigenes Architekturbüro. Aktuell startet in Landquart der Erweiterungsbau des Plantahofs (landwirtschaftliche Ausbildungsstätte des Kantons Graubünden) sowie die Planungsphase von Genossenschaftswohnungen in Chur. Neben ihrer Tätigkeit als Architekten unterrichten beide an Schweizer Fachhochschulen mit Schwerpunkt Architektur. Sie leben und arbeiten in Chur.
grigopajarola.ch

Wort
Benjamin Moser

Bild
Ruben Hollinger