Diesen Namen sollten Sie sich merken!

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Heinz Caflisch im Interview

Nur wenige Gehminuten vom Bahnhof entfernt liegt der neue Designhotspot von Chur: die Galerie O. Wir haben den sympathischen Gründer Heinz Caflisch zum Gespräch ­getroffen. Die Leidenschaft in seiner Arbeit als Galerist und das ­feine Gespür für gutes ­Design sind bestechend.

In einem der letzten alten Industriebauten der Bündner Kantonshauptstadt eröffnete der umtriebige Innenarchitekt Heinz Caflisch Ende 2017 die Galerie O. Was es mit Letzterer und dem Label Okro auf sich hat, verriet uns Heinz im Interview.

Okro, Galerie O – die Namen tönen ­vielversprechend. Etwas japanisch, beinahe kryptisch. Wie kam es dazu?
Da muss ich etwas weiter ausholen: (lacht) Nach meinem Studium am Technikum Winterthur und an der Zürcher Hochschule der Künste kam ich im Jahr 2000 zurück nach Chur und machte mich selbstständig. Kurz darauf gründete ich zusammen mit Roland Auer das Architekturbüro Auer-Caflisch. Das Geschäft lief sehr gut. 2012 arbeiteten 15 Leute im Team – wir waren im Wohnungsbau tätig oder planten Umnutzungen von denkmalgeschützten Bauten. Im selben Jahr (2012) machte ich mir Gedanken darüber, ob ich tatsächlich bis zu meiner Pensionierung als Architekt weiterarbeiten wollte. Oder ob die Zeit reif für eine Neuorientierung sei . Schnell wurde mir klar, dass ich eine Veränderung brauchte. Kurz entschlossen begann ich den Massstab meiner Arbeit zu verkleinern: von der Architektur hin zum Objekt. 

Ein ziemlicher Schritt für einen Architekten. Wie haben deine Kollegen im Büro darauf reagiert?
Ich war immer ein bisschen der Exot – ich kümmerte mich hauptsächlich um die innenarchitektonischen Aspekte der Projekte. Auch interessierten mich Design und Kunst schon seit meinem Studium sehr – dementsprechend verständlich und einfach war auch die Trennung von meiner damaligen Firma. Als ich mich im Sommer 2012 entschied, ­Auer-Caflisch zu verlassen, habe ich meine Tasche gepackt und alles, was mit Architektur zu tun hatte, dagelassen und bin gegangen. Ich bin aber über Jahre hinweg noch mit dem Büro verbunden geblieben, habe Aufträge vermittelt etc. Meine ganze Energie steckte ich fortan in den Neuanfang und habe bereits im Januar 2013 Okro gegründet. 

Ein halbes Jahr zwischen Geschäftsaufgabe und Neugründung. Das tönt nach ­einer spontanen Idee. Oder steckt da mehr dahinter?
Nun ja, die Idee schwirrte mir schon länger im Kopf herum. Doch erst als ich mich komplett von der Architektur trennte, war der Zeitpunkt reif, sie zu verwirklichen. Von Beginn weg war klar: Ich wollte eine Nische finden im sogenannten Designkuchen – schliesslich war bereits damals, wie auch heute, ja praktisch alles Design. 2013 habe ich dazu genutzt, verschiedene Diplomklassen zu besuchen. Ich reiste nach Berlin, Finnland, Chile und in weitere Städte und Länder. Ich versuchte mir ein Bild davon zu machen, was am Puls des Geschehens passiert – und was die Bedürfnisse der Designer von morgen sind. Durch viele Gespräche mit Studenten von überall auf der Welt sowie Designern aus meinem Umfeld wurde die Idee immer klarer: Ich wollte eine Plattform für Design und Handwerk schaffen. Daraus entwickelte sich über die Jahre die Galerie O.

Eine Designgalerie mit fixen Netzwerkpartnern, die Produkte in Kleinserien für dich entwickeln?
Ja, das war anfänglich der Plan. Durch die vielen Kontakte zu diversen Designhochschulen hatte ich mir ein fixes internationales Netzwerk aufgebaut. Im Verlauf des Jahres 2013 merkte ich aber, dass das nicht das Richtige war.

Sondern?
Ich realisierte, welches Potenzial direkt vor meiner Haustür liegt: Im alpinen Raum befinden sich unzählige Handwerksbetriebe: Flechtereien, Goldschmieden, Schreinereien und, und, und. Gleichzeitig wandten sich befreundete Designer immer mehr von Massenproduktionen ab und suchten nach Möglichkeiten, wie sie Kleinserien produzieren und ihre Arbeit einem breiten Publikum präsentieren konnten. Eines der ersten Okro-Projekte war ein geflochtener Raumtrenner, der in Zusammenarbeit mit einer traditionellen Flechterin entstand. Durch die Zusammenarbeit mit Okro bekam ihr Produkt plötzlich eine ganz andere Qualität als die Körbchen, die sie seit Jahren produzierte.

Das ganze Interview lesen Sie in der Februarausgabe der Wohnrevue. Hier bestellen.

Wort
Benjamin Moser

Bild
Ruben Hollinger