Charmant wiederbelebt

Charmant wiederbelebt

Wohnhaus, Kilchberg

Mit Respekt vor der alten Bausubstanz, Fingerspitzengefühl und viel Handarbeit wurde das Innenleben eines Wohnhauses in Kilchberg zum neuen Leben erweckt. Es ist der Lebensmittelpunkt einer Familie mit drei Kindern, die ein unkompliziertes Wohnhaus wünschte, das wieder im ursprünglichen Glanz seiner Bauzeit erstrahlt.

Shanghai – Kilchberg einfach, hiess es für eine Familie, die sich vor zwei Jahren entschlossen hatte, ihre Zelte in der Schweiz aufzuschlagen. Hier sollen auch die drei Knaben des deutschen Unternehmers und der Künstlerin aus Shanghai zur Schule gehen. Ein Einfamilienhaus hatten sie bereits gekauft, wollten es vor dem Einzug aber noch umbauen lassen. Deshalb verbrachten die Ankömmlinge die ersten Wochen im Boutiquehotel Marktgasse im Zürcher Niederdorf. Dieses gefiel den Einwanderern so gut, dass sie nach dem Gestalter des Interieurs fragten. Es war Karsten Schmidt-Hoensdorf, Innenarchitekt und Inhaber des Zürcher Büros Ida 14, der schon manchem Hotel ein zeitgemässes, stimmungsvolles Ambiente verliehen hat. Das Paar kontaktierte den Gestalter, es begannen erste Gespräche und beide Parteien fanden sich. «Wir waren sofort auf einer Linie, und heute sind wir sogar Freunde», beschreibt Schmidt die Beziehung. Bauherren wie Innenarchitekt hatten dasselbe Ziel: Das Wohnhaus, ein typisches Gebäude im Heimatstil aus den 20er-Jahren, sollte wieder den Charme haben, den es ursprünglich gehabt hatte. Denn im Laufe der Zeit erlebte das Gebäude einige Renovationen und wurde in den 90er-Jahren mit einem Anbau ergänzt. «Nach dem letzten Umbau sah es hier aus wie in einer Zahnarztpraxis», erinnert sich der Innenarchitekt und fügt an: «Unser Ziel war es, durch sensible Planung, die Geschichte und den Charakter des Hauses zu erhalten und sichtbar zu machen.»
Das Gebäude liegt an steiler Hanglage in Kilchberg, mit Blick auf den Zürichsee. Wegen der Lage hat es zwei Eingänge: den historischen im Erdgeschoss und den neuen Haupteingang mit Aussenlift im Untergeschoss. Neben dem Eingangsraum mit grosszügiger Garderobe liegen auf dieser Ebene Keller, Technik- und Fitnessraum, Einliegerwohnung und Weinkeller. Darüber, im Erdgeschoss, sind Küche, Ess- und Wohnzimmer samt Wintergarten und der alte Eingang mit einem Gäste-WC platziert. Auf der ersten Etage befinden sich drei Kinderzimmer und ein Badezimmer, im Dachgeschoss schliesslich das Künstleratelier der Bauherrin. Die Eltern wiederum haben ihren ganz eigenen, privaten Bereich im Anbau.

Die Substanz des Gebäudes war grundsätzlich gut, ein Sorgenkind waren allerdings die alten Holzbalken, Geschossdecken, Böden sowie die Holztreppe. «Die Treppe war über die Jahrzehnte abgesackt, also komplett schief, und hat lautstark geknarrt», bringt der Innenarchitekt die Problematik auf den Punkt. So musste die Treppenanlage, die den ganzen Innenbereich erschliesst, angehoben, sprich neu ausgerichtet, und befestigt werden. Die Treppe ist ein wahres Schmuckstück mit dem historischen Holzgeländer, den neuen Eichenstufen und nicht zuletzt mit den aufgesetzten, handwerklich gefertigten bronzierten Metallhandläufen an den Podesten. «Gutes Handwerk ist etwas, das ich immer mehr schätze», betont der Gestalter, der bei Projekten nicht nur das grosse Ganze im Blick hat, sondern auch die Details. In diesem Fall etwa Beschläge, Armaturen und Balkongeländer, die stilistisch die Sprache der Bauzeit aufnehmen.

Den ganzen Beitrag lesen Sie in der Novemberausgabe der Wohnrevue. Hier bestellen. 

Wort
Katrin Ambühl

Bild
Bruno Helbling

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