Auslese eines Insiders

kunstmuseum chur, bild: Ralph Feiner

La fine ligne, Bild: Marine Julié, Le Chat

Auslese eines Insiders

Ausstellungstipps

Ausstellungen, Museen und Galerien gibt es in der Schweiz zuhauf. Deshalb baten wir ­einen Kenner, uns seine aktuellen persönlichen Tipps zu verraten: den Kunstblogger Andy Hermann alias Andy meets Warhol.

Living Colour – Lee Krasner
Zentrum Paul Klee, Bern
7. Februar bis 10. Mai

Die erste Retrospektive der Amerikanerin Lee Krasner in der Schweiz. «Das vielseitige Werk der Künstlerin, deren Schaffen geprägt ist von konstanter Neuerfindung und kritischem Hinterfragen, finde ich besonders interessant», sagt Andy. Auch der Einfluss ihrer Ehe mit dem Künstler Jackson Pollock – Gründer der Stilrichtung Action Painting – auf ihr Werk wecke sein persönliches Interesse. zpk.org

La fine ligne – Linus Bill + Adrien Horni, Marine Julié, Simone Holliger und Simon Paccaud
Kunsthalle Sankt Gallen, St. Gallen
bis 5. April

Die Gruppenausstellung vereint vier künstlerische Positionen in einem gemeinsamen Projekt. Präsentiert werden neue Produktionen, die teilweise spezifisch für die Räume der Kunsthalle Sankt Gallen realisiert wurden. Die eingeladenen Künstler sind alle in der Schweiz in den 80er-Jahren geboren. kunsthallesanktgallen.ch

Typologie. Eine Studie zu Alltagsdingen
Vitra Design Museum, Weil am Rhein
bis 3. Mai

«Alltagsobjekte, die für viele nichts ‹Besonderes› oder ‹Kunstvolles› darstellen oder gar übersehen werden, inspirieren mich oft. Daher finde ich den Ansatz dieser Ausstellung einzigartig und innovativ», erzählt Andy. Die kritische Hinterfragung unserer Beziehung zu Alltagsgegenständen sei lehrreich. Ein Museumsbesuch ist für Designfans übrigens ein absolutes Muss. design-museum.de

Solo Show of Aks Misyuta
Galerie Sébastien Bertrand, Genf
20. Februar bis 25. April

«Über Misyutas groteske und karikaturistische Gemälde möchte ich mehr erfahren», sagt der Kunstliebhaber zu seiner Wahl. Die Künstlerin pendelt zwischen digitalem Schaffen und Malerei, was einen spannenden Mix ergibt. galeriebertrand.com

Langer Tage leuchtend Sommerkraut – Marianne Engel
Bündner Kunstmuseum, Chur
4. Februar bis 1. März 2020

Der Wald ist ein prägendes Landschaftselement der Schweiz: Er bedeckt ein Drittel der Landesfläche und dehnt sich jährlich um die Fläche des Thunersees aus. «Interessant finde ich, wie Marianne Engel den Wald als Schauplatz von Mythen und Märchen präsentiert. Die Künstlerin verwandelt den Ausstellungsraum in einen Garten mit enzyklopädischem Charakter, was Gartenliebhaber wie mich besonders begeistert», sagt der Blogger dazu. buendner-kunstmuseum.ch

Narration and Performance
Galerie Lullin + Ferrari, Zürich
bis 29. Februar

Die Galerie präsentiert in einer Gruppenausstellung eine Vielfalt unterschiedlicher Werke, zum Beispiel Klodin Erbs gebogene, bemalte Leinwände. «Auch das Werk der Künstlerin Ulrike Rosenbach, die u. a. 1972 Andy Warhols berühmtes Siebdruckbild ‹Double Elvis› neu interpretierte, ist höchst interessant», sagt Andy, ein grosser Fan des Pop-Art-Künstlers. lullinferrari.com

Melancholia
Museo e Centro d’Arte Contemporanea Ticino, Bellinzona
9. Februar bis 19. April

Der experimentelle und zufällige Charakter dieser Ausstellung wirft neue Fragen auf rund um Kulturpolitik, das künstlerische Schaffen damals und heute, den institutionellen Charakter der Kunst sowie die Rolle der Museen und des Kunstmarktes. Allesamt Themen, die interessante Denkanstösse liefern und immer noch aktuell sind. cacticino.net

Blumen und Erleuchtungen – Isabelle Krieg
Fundaziun Nairs, Scuol
bis 19. April

Durch den poetisch-humorvollen Blick der Künstlerin werden Alltagsobjekte verfremdet, was zu neuen Erleuchtungen führt. «Spannend finde ich, wie Isabelle Krieg das künstlerische Potenzial gewöhnlicher Gegenstände wie Blumen, Äste oder Knochen ausschöpft und sich dabei auch auf politische Themen bezieht», führt Andy aus. Das Museum besticht ebenfalls durch seine Lage – mitten in der Natur und direkt am Ufer des Inn. nairs.ch

Agarra-diablo – Gina Proenza
Centre d’Art Neuchâtel, Neuchâtel
15. Februar bis 29. März

Gina Proenzas Arbeit basiert auf anthropologischer Forschung, überlieferten Geschichten und Legenden sowie literarischen Einflüssen. «Die Verknüpfung von Forschungserkenntnissen mit Legenden und auch die Bedeutung von Dialekten und Sprache in ihren Werken finde ich – als jemand, der mehrere Sprachen fliessend spricht – sehr interessant», erläutert der Kunstblogger. can.ch

Amuse-bouche. Der Geschmack der Kunst
Museum Tinguely, Basel
19. Februar bis 17. Mai

Das von Mario Botta entworfene Museum ist dem Schweizer Künstler Jean Tinguely gewidmet – und aus diesem Grund bereits einen Besuch wert. Die parallel zur Dauerausstellung stattfindende Reihe rund um das Thema menschliche Sinne überzeugt mit dem Ansatz, unseren Geschmackssinn als eine Möglichkeit der ästhetischen Wahrnehmung aufzugreifen. «Ich werde diese Ausstellung auch deshalb besuchen, weil ein Werk von Andy Warhol präsentiert wird», fügt der Blogger an. tinguely.ch

Fantastisch surreal. Die Sammlung
Kunsthaus Zug, Zug
16. Februar bis 24. Mai

Mit Werken verschiedener Künstler aus der Schweiz und dem Ausland bietet diese Ausstellung eine fantastische Reise in die surrealistische Kunstwelt von Paul Klee, Meret Oppenheim, Martin Disler und anderen Künstlern. kunsthauszug.ch

Amuse-Bouche, Bild: Marisa Benjamim, Entwurfsskizze

andy hermann

Andy Hermann
Der Schweizer Kunstblogger ist auch als Andy meets Warhol bekannt. Er ist Absolvent der Londoner Cass Business School und London School of Economics, zudem forschte er am Sotheby's Institute of Art. In seinem 2016 gegründeten Blog kooperiert er u. a. mit Institutionen wie dem Kunsthaus Zürich, der Fondation Beyeler oder dem Aargauer Kunsthaus. Ein weiterer wichtiger Partner des Bloggers ist die Schweizer Luxuspflegemarke La Prairie.
andymeetswarhol.chinstagram.com/andymeetswarhol

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