Styro

Leah Martz experimentierte mit einem Material, das ihr nicht gefällt: Styropor. Entstanden ist dabei eine prachtvolle Leuchte, die überrascht.

Styropor – ein weitverbreiteter Kunststoff, dem meist wenig Beachtung geschenkt wird – spielt beim Entwurf von Leah die Hauptrolle. Ihre Leuchte besticht mit einer einzigartigen, organischen Formensprache und einem verspielten Schattenwurf.

Die Idee
«Styropor gefällt mir überhaupt nicht. Es ist weder schön noch hochwertig», sagt Leah gleich zu Beginn ihrer Projektpräsentation an der Hochschule Luzern. Und dennoch entschied sie, damit zu experimentieren. Die Idee kam ihr während des Kunstoff-Moduls, als sie mit einem heissen Draht Styropor schnitt und beobachtete, wie es schrumpfte. Dabei dachte sie sich, dass es mit Wärme auch möglich sein müsste, den Kunststoff zu expandieren und zu verformen – also testete sie es gleich selbst. «Ich dehnte das Styropor über dem Kochherd aus und zog es über eine Form», erzählt die Studentin. Sie probierte auch andere Methoden aus wie das Erwärmen mit einem Föhn oder einer Tiefziehmaschine. Letztere wird meistens bei der Herstellung von Kunststoffverpackungen eingesetzt, wobei eine Folie erwärmt und in eine Form gezogen wird. Aus dem flachen Material entstehen zum Beispiel Schalen. Leah stellte jedoch schnell fest, dass sie die schönsten Resultate erzielte, indem sie das Material von Hand über dem Herd erhitzte. 

Der Prozess
«Das Styropor machte nie das, was ich wollte», sagt die Studentin über den Arbeitsvorgang. Dieser sei besonders schwierig gewesen, weil der Kunststoff beim Erwärmen zwar formbar werde, sich aber auch sehr schnell zusammenziehe. «Ich musste das Material umso schneller auseinanderziehen und formen. Ausserdem härtet es innert kürzester Zeit aus und wird brüchig», fügt Leah an. Sie wollte das neu geformte Styropor, das sie nach wie vor nicht schön fand, noch unkenntlicher machen und dem Material zudem eine neue Identität geben. Also griff sie zur Farbe: «Ich gestaltete das Styropor lebendiger und ästhetischer. Die Innenseite sprayte ich bronzefarben, damit das Licht reflektiert. Für die Aussenseite wählte ich Schwarz.» Als Leah die Leuchte zum ersten Mal einschaltete, wurde sie positiv überrascht, denn der Schattenwurf war völlig anders, als sie sich vorgestellt hatte. «Styro» überraschte auch uns – und wir hoffen, dass die 20-Jährige weiterhin mit «unattraktiven» Materialien tolle Produkte fertigt.

Studentin
Leah Martz, 20

Schule
Die Studienrichtung Objektdesign an der Hochschule Luzern – Design & Kunst fokussiert sich zu Beginn auf das Denken mit den Händen. Im ersten Semester werden die Grundlagen von Metall, Holz, Keramik, Kunststoff und Modellbau vermittelt. Gelernt wird, Materialien adäquat einzusetzen, deren Eigenschaften zu nutzen und über Materialkreisläufe nachzudenken.
hslu.ch/objektdesign

Konzept
Jeden Monat präsentieren wir Die zündende Idee, also eine Leuchte von HSLU-Designstudenten aus dem ersten Semester. Das Starterkit ist für alle dasselbe: eine Glühbirne samt Fassung, ein 3 m langes Kabel und 30 Franken Materialgeld. Zusätzlich verwendete Recyclingmaterialien und bestehende Werkzeuge, Farben etc. sind erlaubt.

Kostenaufstellung
Farbspray Schwarz 19.90
Farbspray Bronze 9.95
Total CHF 29.85

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