Vier Freunde laden zu Tisch

Es ist eine Geschichte wie aus dem Designbilderbuch: Am Anfang hatte einer eine Idee, dann kam ein Netzwerker hinzu und holte zwei weitere Fachleute – und Freunde – dazu. Daraus entstand der «Kraftwerktisch», ein ehrliches, nachhaltiges und äusserst zeitgenössisches Schweizer Möbel.

Bild: Alain Bucher

Alles begann auf einer Abbruchbaustelle: Der Schreinermeister Daniel König hatte den Auftrag, alte Bodenbretter aus einem Wasserkraftwerk in Erlenbach im Simmental zu entsorgen. Es waren 4cm dicke, schön gealterte Eichenbretter. Viel zu schade, um diese zu entsorgen, befand der Schreiner und erzählte einem Freund vom geretteten Holz. Es war Jürg Scheidegger, ein langjähriger Kenner der Schweizer Designszene, Marketingspezialist und begnadeter Kommunikator. Die beiden hatten die Idee einer Tischserie, und Scheidegger wurde zum Moderator dieses Gemeinschaftsprojekts. «Ich liess nicht locker, bis der Tisch auf vier Füssen stand», sagt er rückblickend. Eine Hartnäckigkeit, die sich gelohnt hat.

Archaisches Holz, roher Stahl
Bei der Suche nach einem Gestalter für den Tisch musste er nicht lange nachdenken: Martin Blaser. Der Gestalter und Freund von Jürg Scheidegger hat im alten Kraftwerk Hagneck ein eigenes Atelier (siehe Raumbilder auf diesen Seiten) und führt das Bistro Martin-Pêcheur. Unter dem Label Stahlblau vertreibt er eine kleine, feine Designkollektion, wobei er mit Vorliebe mit Metall arbeitet. Er nahm den Ball auf von Jürg Scheidegger und machte sich an die Gestaltung von Tisch und Untergestell. Als Fan von ehrlichen Materialien wählte er rohen Schwarzstahl.

Bild: Alain Bucher

Im Entwicklungsprozess wurden die Details wie finale Form des Metallfusses, Holzverbindungen etc. im Team besprochen. Nun gibt es den «Kraftwerktisch» in der Version mit den recycelten Eichenbrettern. Weiter werden klassische Massivholztische aus Nussbaum, Ahorn und anderen Hölzern aus der Schweiz oder Europa angeboten. Das Möbel passt damit perfekt ins Sortiment von Tossa, dem Spezialisten für Massivholztische. Doch die Viererbande denkt bereits weiter: In Zukunft sollen Bretter aus weiteren Rückbauten aus Industriebauten in Tischunikate verwandelt werden. Die Geschichte mit der Überschrift «Vier Freunde, eine Leidenschaft» ist also noch lange nicht zu Ende geschrieben.
kraftwerktisch.ch
tossa.ch

Bild: Alain Bucher

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