Alexandra Gerber

Das reduzierte Licht der Londoner Designerin spielt mit Zwischenräumen und setzt dabei leere Ecken neu in Szene.

Nach ihrem Abschluss in Produktdesign an der Ecal hat Alexandra Gerber einige Jahre für Tom Dixon gearbeitet, bevor sie 2016 ihr eigenes Studio gründete. Seither entwirft sie in London diverse Produkte, mit Vorliebe Möbel und Leuchten.

Bild: Lorenz Cugini

Das Konzept
Das gezielte Experiment ist ein wichtiges Element in der Arbeit von Alexandra. Ihr Prozess ist geprägt von der praktischen Auseinandersetzung mit Materialität, Herstellungstechniken und Funktionalität. «Um Dinge zu verbessern, braucht es zunächst eine klare Idee, nach der sich der Prozess richten lässt», erklärt sie. «Wichtig ist, nicht die Welt verändern zu wollen, sondern kleine, aber nützliche Fortschritte zu erzielen», führt die Designerin fachkundig aus. Den initialen Ansatz für ihren Leuchtenentwurf fand sie schnell: Um die grelle Strahlkraft der Lichtquelle abzudämpfen, richtete sie das LED-Band gegen eine Wand. Die weisse Fläche bricht die harten Strahlen und wirft einen sanften Lichtkegel in den Raum.

Bild: Lorenz Cugini

Die Umsetzung
Die Gestalterin experimentierte mit der Flexibilität des LED-Bands und spannte dieses auf einen Massstab auf, den sie verbog: Der Lichtstreifen folgte der Biegung. So entstand die massgebende Idee, mit einem aufgespannten Lichtbogen eine Raumecke auszuleuchten.
Der Entwurf zeichnet sich besonders aus durch das Spiel mit der Reduktion. Die Leuchte setzt sich aus einer losen Anordnung geometrischer Elemente zusammen, allesamt präzise auf ihre jeweilige Funktion und die resultierende Form abgestimmt: Ein exakt passendes Stück Stahlprofil umschliesst den Transformator, ein hauchdünnes Stahlrohr führt die Verkabelung zur Lichtquelle, die an einem aufgespannten Viertelkreis aus filigranem Federstahl angebracht ist. Zum Erleuchten gebracht wird das Objekt mit einem Zugschalter. In Alexandras Gestaltung steckt neben pragmatischer Reduktion oft auch ein spielerischer, interaktiver.

Bild: Lorenz Cugini

Moment. Das zeigt sich besonders in den Details ihrer Entwürfe: Die lange Kordel verwandelt das Anknipsen in einen Moment der Freude und kontrastiert die streng reduzierte Gestaltung. Doch auch hinter diesem Augenzwinkern steckt eine rationale Überlegung: Die Kordel erlaubt es, das Licht hoch in eine Ecke zu montieren. Denn das ist schliesslich auch der Zweck der Leuchte: Unbeachtete Nischen in atmosphärisch-weichem Licht erstrahlen zu lassen.
alexandragerber.co.uk

Illustration: Helena Zingarella

Konzept
Jeden Monat präsentieren wir in unserer Rubrik Die zündende Idee eine Leuchte einer Schweizer Designerin. Das Starterkit ist für alle dasselbe: 5 m LED-Band und ein Transformator mit Stromanschluss. In der Ausführung sind keine Grenzen gesetzt. Es bleibt reichlich Raum für Neues, Gewagtes und Experimentelles.

Okro
Heinz Caflisch, Gründer vom Churer Label Okro, kuratierte die Auswahl der Designerinnen.
okro.com

Schätti
Der bekannte Schweizer Leuchtenhersteller stellt den Designerinnen einen hochwertigen Bausatz und sein Know-how zur Verfügung.
schaetti-leuchten.ch

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