Neue Materialien erforschen

Vor allem die junge Design-Generation bringt eine Vielzahl von Innovationen auf der Basis von bisher kaum verwendeter Ressourcen hervor. So setzt sie Industrie- und Haushaltskunststoff ebenso für ihre Entwicklungen ein wie Meeressedimente, rezyklierten Kork oder Pilzmyzel. Wir stellen einige erstaunliche Materialien vor, die das Design revolutionieren könnten.

Bild: ZVG

Organisches Sitzmöbel
Julia Huhnholz und Friedrich Gerlach entwickelten im Zuge ihres Designstudiums an der Bauhaus-Universität Weimar ein Möbelstück aus Biozement. Neben dem Einsatz dieses Materials, das im Gegensatz zum herkömmlichen Zement nicht gebrannt werden muss, verwendeten Gerlach und Huhnholz rezyklierte Ziegelsteine. Für ihr Sitzmöbel «The Essence of Biocement» erhielt das Design-Duo in Mailand vom Rat für Formgebung die Sonderauszeichnung «Best of Best».
friedrichgerlach.de

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Patenter Alleskönner
Die strenge Formensprache korrespondiert raffiniert mit der markanten, pixelartigen Oberfläche: Der vielseitig einsetzbare Hocker «Bit Stool» von Normann Copenhagen ist zu 100 Prozent aus Industrie- und Haushaltskunststoff hergestellt. Dafür werden Kunststoffstückchen bei 120 Grad bis zum Schmelzpunkt erhitzt. Das Ergebnis ist eine überzeugende Tiefenwirkung und Struktur. Der Hocker ist in drei unterschiedlichen Formen und zehn Farben erhältlich.
normann-copenhagen.com

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Grosses Theater
Ursprünglich entwarf der dänische Designer Anders Engholm Dohn den «Aveny-T Chair», dessen Sitzfläche aus rezyklierten Kunststoffmaterialien besteht, für die TV-Sendung «Dänemarks nächster Klassiker». In Zusammenarbeit mit Montana Furniture ist der preisgekrönte Stuhl nun in Produktion gegangen. Zudem ist das historische Aveny-T-Theater in Kopenhagen mit 100 Exemplaren des stapelbaren, minimalistischen Stuhls ausgestattet.
montanafurniture.com

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Maritime Sedimente
Das Atelier Gwilen mit Sitz in Brest hat ein Verfahren entwickelt, um aus Meeressedimenten ohne Brennverfahren Fliesen herzustellen. So können Energie und Ressourcen gespart werden. Die Fliesen sind in drei Dimensionen und 21 Farbvarianten aus natürlichen Pigmenten erhältlich. Zudem stellt das französische Unternehmen Platten und Objekte ganz nach Kundenwunsch her.
gwilen.com

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Enge Verbindung
Die Pendelleuchte «BWise» von Designer Siim Karro wird aus einem auf myzelbasierenden Material gezüchtet. Zwei separat gewachsene Teile werden während des Produktionsprozesses zusammengefügt. Das Myzel erkennt seinen Artgenossen und lässt das Material ohne Klebstoff oder Zusatzstoffe zusammenwachsen. Die Leuchte wurde ursprünglich für den estländischen Hauptsitz des Fintech-Unternehmens Wise entwickelt, um dessen akustische Eigenschaften zu verbessern.
myceen.com

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Pilziges Leder
Die Designerin Mari Koppanen experimentiert mit Materialien auf Pilzbasis. In ihrer Möbelserie «Formes» verbindet sie Amadou, Holz und Wolle gekonnt. Amadou ist ein wildlederähnliches Material, das aus einem Polyporenpilz namens «Fomes fomentarius» gewonnen wird. Im Gegensatz zu Pilzmaterialien, die im Labor gezüchtet werden, enthält dieses keine schädlichen oder kunststoffbasierten Bindemittel oder Beschichtungen. Das Material wird manuell durch Schälen und Schneiden des Pilzes verarbeitet.
marikoppanen.com

Den ganzen Beitrag lesen Sie in der Ausgabe 05-23 der Wohnrevue.

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