Grün im Stadtraum

Wort: Bernadette Bissig / Bild: ZVG
Städte leiden im Sommer am stärksten unter der Hitze. Um diesem Umstand entgegenzuwirken, gibt es verschiedene Strategien. Ein probates Mittel sind Begrünungen. Auch einjährige.

Eine Kollaboration im Rahmen des London Design Festival 2024: Für den Innenhof des Chelsea College of Arts entwarf das Frankfurter Office for Micro Climate Cultivation zusammen mit Diez Office aus München sowie dem American Hardwood Export Council eine Variante des 2023 entwickelten Systems «Verd° Space». Das Projekt zeigte, wie die modulare Struktur in Städten als grüne Oase und als Begegnungsort eingesetzt werden kann.

Geschlossene Häuserzeilen, massiger Beton, versiegelte Böden. Zudem wenig Grünflächen und wenig Laubbäume. So lautet oftmals das Fazit bei der Analyse städtischen Lebensraumes. Urbane Hitzeinseln sind entsprechend ein gravierendes Problem. Und der Klimawandel macht die Sache nicht besser, führt er doch immer häufiger zu langen Hitzeperioden. Entsprechend ist mit weiter steigenden Sommertemperaturen zu rechnen. Die Klimaszenarien CH 2018 des Bundes prognostizieren in den nächsten 25 Jahren im Falle einer ungebremsten Zunahme der globalen Treibhausgasemissionen eine Temperaturerhöhung bis zu 4,4 Grad. Hitzeperioden, in denen das Thermometer nachmittags weit über 30 Grad klettert und nachts nicht unter 20 Grad sinkt, werden nicht mehr die Ausnahme, sondern die Regel sein. Es sind also Taten gefragt: Massnahmen wie das Entsiegeln von Plätzen, die Verwendung von speziellen Baumaterialien, der Einsatz von bewegtem Wasser sowie die Implementierung von Grünflächen können viel zur Reduktion der Hitzebelastung beitragen.

Die Struktur von «Verd° Space» besteht aus einer Reihe von Holzdreiecken, in die biologisch abbaubare Netze eingehängt sind. Diese dienen als Rankhilfe für die einjährigen Kletterpflanzen.

Ein Projekt, das Städte deutlich grüner macht, hat das Frankfurter Office for Micro Climate Cultivation, kurz OMC°C entwickelt. Das 2021 von Nicola Stattmann und Carlotta Stoll gegründete Büro, lancierte 2023 den ersten Prototypen von «Verd°». In Zusammenarbeit mit Diez Office und dem Ingenieurbüro Bollinger + Grohmann entwickelten sie das System weiter. So kamen im letzten Herbst gleich drei Varianten auf den Markt: «Space», eine frei stehende, statisch autonome und flexibel erweiterbare Anlage, um öffentliche Plätze und Verkehrswege zu verschatten, «Facade», ein an Fassaden angebrachtes Modul, sowie «Unit», eine Version für Spielplätze von Schulen und Kindergärten. Letztere wurde diesen Frühling an drei deutschen Kitas in Betrieb genommen.

Die Struktur der «Verd°»-Anlagen ist aus Stahl- und Holz- oder aus reinen Holzkonstruktionen gefertigt und mit biologisch abbaubaren Rankhilfen bespannt. Schnell wachsende, einjährige Kletterpflanzen unterschiedlicher Sorten bilden darauf Pflanzensegel. Diese sorgen für Schatten und Biodiversität, kühlen die Umgebungstemperatur und binden CO₂ sowie Feinstaub. Im Herbst werden Pflanzen und Netze geerntet und verwertet.

omc-c.com


 

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