Die Vision im Blick

Der tschechische Unternehmer Jan Rabell hat sich mit dem hochwertigen Leuchten-Brand Brokis international einen Namen gemacht. Die Marke ist Teil der Janštejn Glass Group, die sich für die Zukunft hohe Ziele gesteckt hat.

Bild: Brokis

Jan Rabell ist ein Mann der Tat. Der Tscheche, der in den 1990er-Jahren als Investmentbanker in Prag tätig war, kam per Zufall zum böhmischen Glas. 1997 wurde ihm die Glashütte in Janštejn zum Kauf angeboten. Betrachtete er diese zu Beginn als reines Investitionsobjekt, entdeckte er nach wenigen Monaten seine Liebe und Verbundenheit zu diesem Business. So entschied er sich, seinen Job als Investmentbanker an den Nagel zu hängen und die Glashütte in die Zukunft zu führen. Heute leitet er die Janštejn Glass Group, die fünf verschiedene Sparten umfasst. Eine davon ist Brokis.

Jan Rabell, Sie erwarben 1996 die Glashütte in Janštein. Sie wurde Ihnen quasi aufgedrängt. Wie erlebten Sie die Anfangszeit?
Zu Beginn war es eine grosse Spekulation. Doch bereits nach kurzer Zeit, war mir das Unternehmen ans Herz gewachsen und mir war klar, dass ich das Wissen über die jahrhundertealte Glaswerkskunst erhalten und ins 21. Jahrhundert tragen wollte. Mein Ziel war, das Unternehmen zu reorganisieren, denn die Nachfrage nach traditionellen Produkten war über die Jahre merklich zurückgegangen. Viele der Glasbläser erreichten die Rente und bewährte Herstellungstechniken drohten verloren zu gehen. Auch privat war es eine herausfordernde Zeit. Beim Kauf lebte ich mit meiner Familie in Prag. So pendelte ich zu Beginn täglich die 140 Kilometer von Prag nach Janštejn hin und zurück. Nach eineinhalb Jahren beschloss ich mit meiner Frau und meiner Familie nach Jihlava zu ziehen, eine Stadt, die rund 30 Kilometer von Janštejn entfernt liegt. Es war für uns alle eine sehr grosse Herausforderung, unser Leben so komplett zu ändern. Doch zusammen setzten wir uns zum Ziel, die Glaswerkskunst zu verstehen, die neue Strategie festzulegen, die Technologie anzupassen und das Portfolio zu ändern.

Mit Brokis haben Sie das Portfolio in der Tat komplett verändert. Was bewog Sie 2006 dazu, diesen Brand ins Leben zu rufen?
Damals konnten wir auf rund zehn Jahre Erfahrungen in der Produktion von Leuchten zurückblicken. Dies schien mir der richtige Zeitpunkt, um eine Premium-Leuchtenmarke zu lancieren. Denn bis zu diesem Moment gaben wir unser Know-how weiter und nutzten es nicht für uns. Doch der Zusatznutzen in diesem Business ist es eben gerade, selber Leuchten zu produzieren und nicht nur Glas zu verkaufen. Auch in puncto Zukunftssicherung war es der richtige Entscheid. Mit der Gründung von Brokis schufen wir uns ein Alleinstellungsmerkmal, das uns dabei half, die Glashütte zu erhalten und zu etablieren. Wir waren überzeugt, uns mit dem Brand Brokis abheben und neu positionieren zu können.

Bild: Brokis

Gab Ihnen die Realität recht?
Ja, bereits 2008 während der Finanzkrise erwies sich der Entscheid als goldrichtig. Denn das Hochpreissegment ist nun mal krisenresistenter und wir beschlossen, Brokis noch professioneller aufzuziehen und mehr Designer unter Vertrag zu nehmen. Zudem schufen wir ein neues Logo und feilten am Branding. 2014 gingen wir noch einen Schritt weiter und engagierten die bereits für uns tätige tschechische Produkte- und Möbeldesignerin Lucie Koldova als Art Director. Neben ihren charismatischen und eleganten Leuchten ist sie die kreative Kraft hinter dem Brand. Sie hat viel dazu beigetragen, Brokis zu einem innovativen Hersteller von handgeblasenen Glasleuchten zu machen. Zudem hat sie wichtige technische Neuerungen eingeführt, um bei der Produktion von handgeblasenem Glas ans Limit zu gehen.

Im Herbst lancierten Sie zwei völlig neue Kollektionen von Lucie Koldova. Was machen die beiden Serien aus?
Die Kollektion «Overlay» zeichnet sich durch klare geometrische Formen aus und ist von der Architektur inspiriert. Die mundgeblasenen transparenten Glasröhren verleihen der Kollektion einen unverwechselbaren Charakter, wie auch die Betonfassung, in welche Scherben aus rezykliertem Glas von Janštejn Glassworks eingebettet sind. Die Serie «Prisma» hingegen besticht mit ihrer aufwendigen Metallhalterung mit markantem Finish und klassischen mundgeblasenen Glaskugeln. Mit einer Auswahl von drei verschiedenen eleganten Oberflächen ist die Leuchte ein ausdrucksstarkes, künstlerisches Objekt im Innenraum.

Sie präsentierten diese beiden Kollektionen im Rahmen der Glassmakers-Night in der jahrhundertealten Glashütte in Janštejn. Ist dies ein Zukunftsmodell, um Ihre Kollektionen zu präsentieren?
Aufgrund von Covid-19 fielen bekanntermassen die Messen weg, so suchten wir nach Alternativen. Der Rahmen einer Glassmakers-Night ist sicherlich eine schöne Möglichkeit, um unsere neuen Kollektionen zu zeigen. Zusätzlich haben wir während der Pandemie nach Lösungen gesucht, um trotzdem in Kontakt mit unseren Kunden zu bleiben und unsere Kollektionen zu zeigen. So haben wir damit begonnen virtuelle Projekte zu entwickeln. Den Anfang machten wir mit einer virtuellen Villa, darauf folgte ein virtuelles Boutiquehotel und nun lancierten wir kürzlich eine virtuelle Bürolandschaft mit über 1200 Quadratmetern virtueller Fläche und 16 Kollektionen, inklusive der letzten Kollektionen «Overlay», «Prisma», «Double» und «Orbis». Damit bieten wir Architektinnen, Innenarchitekten, Kundinnen und Kunden die Möglichkeit, die Brokis-Kollektionen in einem fast realen Setting zu erleben. Neben unterschiedlichen Perspektiven sind die Leuchten im Detail und als Nahaufnahmen zu sehen.

Bild: Brokis

Mit dem virtuellen Boutique-Hotel und neu mit der virtuellen Bürolandschaft befinden Sie sich im Projektbereich. Wie wichtig ist diese Sparte für Sie?
Sie gewinnt immer mehr an Gewicht. Wir dringen immer stärker in die Projektentwicklung ein. Von ersten Skizzen bis zur Installation begleiten wir unsere Kundschaft in diesem Bereich. Mit den virtuellen Welten wollen wir aufzeigen, wie man mehr Atmosphäre und Ambiance in Räumlichkeiten bringen und unsere Produkte einsetzen kann.

Wie sehen Ihre Pläne für die Zukunft der Janštejn Glass Group aus?
Wir haben letztes Jahr eine Change-Strategie festgelegt. Unser Ziel ist es, hier im Laufe der nächsten 15 Jahre einen Glascampus zu schaffen. Neben unserer Produktion wollen wir ein Angebot der Aus- und Weiterbildung kreieren und für Touristen ein attraktives Programm schaffen. Hier werden Professionals und interessierte Amateure einen Einblick ins Glashandwerk – in Kombination mit hohem Designanspruch – erhalten. Kurzgefasst: Unsere Vision ist, das Handwerk zu erhalten, Wissen weiterzugeben und neue Wege aufzuzeigen.

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