Wort: Paula Mühlena
Welches Objekt oder Werkzeug ist ein ganz selbstverständlicher Teil des Studioalltags? Wir haben Designschaffende gefragt, welche funktionalen, oft anonymen Dinge für sie unentbehrlich sind – und was sie damit verbinden. Ein Einblick.

«Eine Neuerfindung des klassischen Archetyps –
irgendwie noch einfacher als das Original.»

Panter & Tourron wählen einen klappbaren Kleiderbügel. Das in Lausanne ansässige Duo, bestehend aus Alexis Tourron und Stefano Panter, arbeitet mit seinem Studio an neuen Formen des Wohnens, kombiniert Technologie mit Handwerk und entwickelt Produkte, Raumgestaltungen sowie Konzepte. Dabei sind die Ergebnisse für Marken wie Vitra, New Works oder Cappellini formell klar und technisch ausgeklügelt.
pantertourron.com


«Dieses Werkzeug begleitet mich im Entwurfsprozess in der Werkstatt ebenso wie bei der Restauration alter Motorräder. Es verbindet Beruf und Hobby. Formal ist es für mich einfach gut: diese Geradlinigkeit, gleichzeitig der Fluss, die integrierte Aufhängung und der leicht bombierte Druckknopf als Abzug – haptisch sowie ergonomisch perfekt. Das mag ich.»

Fritz Jakob Gräber entscheidet sich für eine Ausblaspistole. Der Zürcher Designer gestaltet im Duo mit Johannes Breuer oder allein mit seinem Studio für Marken wie Mox, Girsberger, Hay oder Normann Copenhagen – mit einem balancierten Blick auf Proportionen zwischen grafischer und organischer Klarheit.
fritzjakob.ch


«Ein Objekt, das seltsam oder nutzlos wirkt – bis man es ausprobiert.
Erst dann versteht man, warum es existiert.»

Carolien Niebling setzt auf einen Schuhlöffel. Die niederländische Designerin lebt und arbeitet in Zürich. Ihre Praxis verbindet Wissenschaft und Ernäh-rung; sie arbeitete etwa mit Firmen wie IKEA oder Nestlé und veröffentlichte 2017 das erfolgreiche Buch «The Sausage of the Future».
carolienniebling.net


«Ich liebe es, einer Idee Dimensionen, Proportionen und Materialität zu geben. In dem Moment verwandelt sich ein Konzept in Realität. Der Messschieber, mit zeitloser Eleganz, ist dabei ein toller Begleiter.»

Adrien Roveros Wahl fällt auf den Messschieber. Mit seinem Studio in Renens bei Lausanne entwirft er hochwertige Objekte für Firmen wie Pfister, Hermès, Campeggi oder Tectona und schafft Sammlerstücke für Galerien wie etwa die Galerie Kreo in Paris – stets mit einem Fokus auf klare, einfache Formen und entschlossene Farben.
adrienrovero.com


«Ich finde es wichtig, ein neues Normal anzusteuern – eines, in dem Achtsamkeit Produkt, Performance und menschliches Bedürfnis verbindet. Wasser trinken ist super normal. Ich trinke gerne Wasser aus dünnen Gläsern, die ich entworfen habe: Man spürt das Gewicht des Wassers und achtet auf das Produkt. Diese Wertschätzung für Objekt und Mensch fördert Gesundheit und Langlebigkeit. New Normal.»

Mark Braun hebt das Wasserglas hervor. Der Berliner Designer verbindet in seiner Arbeit handwerkliche Präzision mit industrieller Fertigung. Mit seinem Studio entwirft er von Besteck über Uhren, Leuchten und Möbel bis hin zu Ausstellungen für Marken wie Mono, Lobmeyr, Hem, E15 oder Thonet – immer mit dem ästhetischen Anspruch an Langlebigkeit und Alltagstauglichkeit.
markbraun.org


«Das ‹Super Normale› Objekt, das ich täglich bei der Arbeit nutze,
ist meine Brille. Sie ist für mich unverzichtbar, ich trage sie schon immer und könnte ohne sie nichts tun. Sie ist so wichtig, dass sie wie ein Teil meines Körpers ist – ich wäre eine andere Person ohne sie.
Momentan trage ich Rahmen, die ich selbst für Morel entwerfen durfte.
Ein grosses Glück, ein so lebenswichtiges, intimes und zugleich öffentliches Objekt selbst gestalten zu können.»

Constance Guisset zeigt ihre Brillen. Die Designerin aus Paris ist bekannt für poetische, leichte Entwürfe, die Bewegung, Illusion und Funktion verbinden. Mit ihrem Studio arbeitet sie an Möbeln, Objekten, Innenarchitektur und Szenografien, unter anderem für Firmen wie Petite Friture, Molteni, Zanotta oder Louis Vuitton.
constanceguisset.com