Hauptsache, lecker!

Der Holztisch stammt von einem Antiktrödler, die Stühle «Meridiana» sind von Driade, die Hängeleuchten «Marina» von Lambert.

Die Schneidemaschine der Traditionsmarke Berkel verrät es: Hier wird kulinarischer Genuss grossgeschrieben.

Hauptsache, lecker!

Haus im Aargau

Essen verbindet. Eine Familie im Aargau ist dafür der beste Beweis. Nicht nur die Eltern pflegen ein genussvolles Verhältnis zur Kulinarik, sondern auch ihre drei Kinder. Und wenn sich schon alles ums Essen dreht, kann es in diesem Haus nur einen Lieblingsort geben: die Küche.

Während die meisten Menschen ihre Urlaubsziele danach aussuchen, wo man die schönsten Strände, die exotischsten Tiere oder die neuesten Trendsportarten findet, ist für die fünfköpfige Familie aus dem Kanton Aargau vor allem eines ausschlaggebend: gutes Essen. Dabei spielt es keine Rolle, ob Streetfood oder Sterneküche, traditionelle Gerichte oder kulinarische Experimente. Wohin die nächste Reise geht, entscheidet der Gaumen. Und der lässt sich auch von Instagram,  Facebook & Co. inspirieren – «Food Porn» sei Dank …

Dass Eltern, die früher in der Gastronomie tätig waren, ausgeprägte Genussmenschen sind, ist nicht erstaunlich. Dass sich aber auch Kinder von klein auf derart für Essen begeistern, ist eher ungewöhnlich. «Ich bin ein echter Foodie!», erklärt die 20-jährige Tochter überzeugend, als sie gerade genüsslich in einem Joghurt rührt. Auch die beiden jüngeren Brüder schwingen gerne mal den Kochlöffel, wenn Freunde vorbeikommen. «Unsere Passion für gutes Essen haben wir auf unsere Kinder übertragen. Das verbindet uns als Familie sehr», erklärt die Hausherrin mit Stolz.

Die Küche ist der Hotspot im Haus, da sind sich alle Familienmitglieder einig. Entsprechend viel Platz nimmt der Raum auch ein. Hier wird gebraten, gegart, geschmort, gegrillt – am Esstisch nebendran beobachtet, kommentiert, gekostet. Egal, wer gerade am Geschehen partizipiert, beim Kochen ist die Kommunikation wie das Salz in der Suppe. 

Der gelernte Koch und seine Frau begeistern sich vor allem für die italienische Küche. Ein Blick in die Speisekammer genügt, um sich davon zu überzeugen: Pasta, Olivenöl, eingelegte Tomaten … Der schmale Raum mit dunklem Holzregal gleicht einem Krämerladen für Geniesser. Es riecht nach Erinnerung und Glückseligkeit zwischen all den Büchsen und Gläsern. Gleich nebenan, im wohltemperierten Weinkeller, lagern die passenden Tropfen. Selbst von hier aus kann man Blickkontakt halten mit Familie oder Gästen am Esstisch. Ein Fensterband machts möglich.

Und noch eine Besonderheit gibt es hier zu entdecken: ein Cheminée, speziell für die Küche. «Nichts schmeckt besser als ein Hühnchen, das über einem Feuer gegrillt wird», gerät die 47-jährige Bewohnerin ins Schwärmen. 

Urlaubsstimmung

Ins Schwärmen gerät sie auch, wenn sie über ihre Lieblingsstadt spricht: die «Perle des Südens». Ihre Begeisterung für Marrakesch ist im Haus kaum zu übersehen. Diese Leidenschaft teilt sie ebenfalls mit ihrem Mann. Deshalb hat dieser auch keinen Aufwand gescheut, um den Zauber der nordafrikanischen Stadt in die Schweiz zu holen. Und so zieren jetzt feine Metallarbeiten mit ornamentalen Mustern – gefertigt von Kunsthandwerkern, die auch für das marokkanische Königshaus arbeiten – nicht nur die Wandleuchten im riesigen Entrée, sondern auch die Eingangstür aus Glas. «Willkommen Fernweh!», möchte man da fast rufen.

Begeisterung in jeder Hinsicht

Bei der Verwirklichung ihres Traumhauses wurde die Familie tatkräftig von Architektin Cécile Treier unterstützt. Drei Büros hatte das Bauherrenpaar zunächst mit einem Vorentwurf beauftragt. Überzeugt hatte aber nur der Vorschlag der damals 37-Jährigen. Die zwei anderen Büros hatten zwar deutlich mehr Erfahrung und waren bereits etabliert, doch mit den Wünschen der Familie hatten sie sich nicht sonderlich intensiv auseinandergesetzt. «Cécile Treier hingegen hat unsere Bedürfnisse verstanden, hat sich wirklich Gedanken dazu gemacht. Die anderen Büros präsentierten uns Entwürfe nach Schema F», resümiert die Bauherrin kritisch. Dabei hatte das Paar seine Wünsche klar definiert: Die Küche sollte der zentrale Raum im Haus sein. Zudem schwebte den beiden ein verwinkeltes Gebäude mit verschiedenen Ebenen und einer Art Atrium vor. Das Haus sollte aus natürlichen Materialien gebaut, modern und dennoch behaglich sein.

Die Architektin punktete aber nicht nur mit ihrem Entwurf, sondern auch mit ihrer Einstellung. «Sie war immer offen für alles, sagte nie, dass etwas nicht geht», erinnert sich die dreifache Mutter. Auch bei den Kindern kam sie gut an. Die Tochter und ihre beiden Brüder – mittlerweile 19 und 14 Jahre alt – waren vor allem von der Idee begeistert, dass sie einen eigenen, abgetrennten Wohntrakt bekommen sollten. «Wow, das ist ja lässig», war ihre spontane Reaktion.

Angelegt ist das Haus mit 480 m2 Wohnfläche als L-förmiger Bau. Einer der Gebäudeflügel ist eingeschossig und umfasst den Wohnbereich, der andere hat zwei Ebenen: unten die Küche und Nebenräume, oben das Elternschlafzimmer mit Bad und Gäs­tezimmer. Beide Gebäudeteile bilden im Garten einen geschützten Terrassenbereich mit grossem Pool. Die angrenzende Wirtschaftszone sorgt für einen weiten, unverbauten Blick über Wiesen und Felder. Ab und zu flanieren ein paar Kühe vorbei und halten nur wenige Meter vorm Haus kurz inne, schauen zur Küche herein (Seite 34), stecken ihre Nasen wieder ins satte Grün und ziehen dann gelassen weiter. «Ein herrliches Schauspiel, das ich sogar von meinem Bett aus durch ein niedriges Fensterband beobachten kann. Einfach idyllisch!», schildert die Hausherrin geradezu euphorisiert. Überhaupt scheinen sie und ihre Familie mit dem Haus rundum glücklich zu sein. Zu Recht, wie wir finden.