«Juror zu sein, heisst nicht einfach, Punkte zu verteilen»

«Juror zu sein, heisst nicht einfach, Punkte zu verteilen»

Alfredo Häberli, Design Preis Schweiz

Im November geht der Design Preis Schweiz über die Bühne. Wir blicken hinter die Kulissen und haben Alfredo Häberli ­gefragt, was es zu erwarten gibt und wie die Jurierung verlief.

Alfredo, du bist neu in der Jury von Design Preis Schweiz. Was ist das Spezielle an dieser Auszeichnung?
Die Juroren haben eine grosse Autonomie. Das heisst, der Preis ist vollkommen neutral und unabhängig. Ganz im Unterschied zu vielen grossen internationalen Preisen, die eng mit der Industrie verbandelt sind und bei denen die Projektauswahl nicht wirklich unabhängig ist. Der Design Preis Schweiz hat auch Sponsoren, die aber keinerlei Stimme oder Einfluss haben auf den Jurierungsprozess. Diesbezüglich ist der Design Preis Schweiz einzigartig in Europa – vielleicht sogar weltweit. 

Sind denn die Projekte selbst auch typisch schweizerisch oder anders gefragt: Gibt es typisches Schweizer Design in der globalisierten Welt überhaupt noch?
Das Schweizerische sieht man nur schon an den Kategorien wie z.B. Energieeffizienz oder Ageing ­Society. Sie sind innovativ und zeigen eine Auffassung von Design, die tiefgründig ist und nicht oberflächlich. Genau dieser Ansatz ist typisch für Schweizer Design. In Italien beispielsweise wären solche Kategorien bei Designpreisen nicht denkbar.

Wie hast du die Jurierung an den zwei Tagen erlebt?
Die Diskussionen mit den Juroren, alles kompetente Fachleute aus der ganzen Welt, waren intensiv und lang. Der Prozess war anstrengend, und wir mussten uns mit Themen auseinandersetzen, die für uns alle Neuland waren. Juror zu sein, heisst definitiv nicht einfach, Punkte zu verteilen.

Das ganze Interview lesen Sie in der Oktoberausgabe der Wohnrevue. Hier bestellen.

Die nominierten Projekte sehen Sie hier.

Wort
Katrin Ambühl

Bild
Matthias Schneider

Design Preis Schweiz
1991 wurde der Design Preis Schweiz zum ersten Mal ausgetragen. Heute ist er eine führende Institution in der Schweizer Designwirtschaft. Als Verein war er früher an die D’S Design Center AG, Langenthal, angebunden. 2018 übernahmen Michel Hueter, Raphael Rossel und Urs Stampfli die Trägerschaft. In einem zweistufigen Verfahren nominieren 24 Experten zusammen mit einer 7-köpfigen Jury die überzeugendsten Designlösungen aus 12 Preiskategorien. Die Wohnrevue ist offizieller Medienpartner von Design Preis Schweiz und berichtet regelmässig über die Nominierten und Gewinner der Edition 19/20. Die Preisverleihung findet am 1. November 2019 statt. Auf wohnrevue.ch finden Sie eine Übersicht der 44 nominierten Projekte sowie Zusatzinformationen zu den Preiskategorien.
designpreis.ch

Im unteren Bild, v.l.n.r.: Mirko Borsche, Demna Gvasalia, Alfredo Häberli, Nils Holger Moormann, Doreen Lorenzo, Kim Colin, Wolfgang K. Meyer-Hayoz.