Bosluk

Bosluk

Studentenprojekt

Oktay Arslan bewies für seinen Leuchten­entwurf Mut zur ­Lücke. Dahinter steckt ein Konzept mit ­interes­santen Parallelen.

Wenn von einer interaktiven Leuchte die Rede ist, denken die meisten vermutlich an Hightech. Für Die zündende Idee hat Oktay das Prinzip der Interaktivität völlig anders angewendet, nämlich ­analog. Ein ganz schön mutiger und wünschenswerter Zug in unserer digitalisierten Welt.

Der Prozess
«Ich wollte eine Interaktion zwischen Benutzer und Lampenschirm schaffen», erzählt Oktay. Die Streurichtung des Lichts sowie die Lichtmenge sollten individuell gesteuert werden können. Also experimentierte er mit verschiedenen Formen und entschied sich letztendlich für ein sechseckiges Prisma, weil dieses für die Handhabung am praktischsten sei. «Das Prisma ist in einzelne ‹Kuchenstücke› aufgeteilt, die sich um die eigene Achse drehen. Fünf davon bilden den Schirm, eins fehlt», erklärt der Student. Die einzelnen Elemente können einfach verstellt werden. So entsteht immer wieder ein neuer Leuchtenkörper, und die Lichtstreuung kann variiert werden. Den Lampenschirm fertigte Oktay aus Plexiglas. Ein Material, das ihm eigentlich nicht besonders gut gefällt, gesteht der 29-Jährige. Er überwand seine Vorurteile und merkte schnell, dass sich der bruchsichere Werkstoff ideal für seinen Entwurf eignet: «Man nimmt die Leuchte als einheitliches Volumen wahr, und die lichtdurchlässige Oberfläche streut das Licht schön regelmässig.»

Die Idee
«Das fehlende Kuchenstück – die Lücke – war meine zündende Idee», führt Oktay aus. So ergab sich auch der Name des Modells: «Bosluk heisst Lücke auf Türkisch», erklärt er. Die Grundidee seines Entwurfs lasse sich auch metaphorisch auf den Menschen übertragen, erläutert der Student: «Niemand ist perfekt. Jedem fehlt etwas.» Und genau diese Lücke mache den Menschen – oder eben «Bosluk» – aus. Ein äusserst spannendes Konzept. 

Studierender
Oktay Arslan, 29

Schule
Die Industrial-Design-­Studierenden der Hochschule für Gestaltung und Kunst FHNW in ­Basel erwerben im Rahmen des Bachelor-­Studiums am Institut Industrial ­Design ­Kompetenzen für die selbstständige, kritische Entwurfsarbeit.
fhnw.ch/hgk

Konzept
Jeden Monat suchen wir Die zündende Idee, also eine Leuchte, von Schweizer Designstudenten. Das Starterkit ist für alle dasselbe: eine Glühbirne samt Fassung, ein 3  m langes Kabel und 30 Franken Materialgeld. Zusätzlich verwendete Recyclingmaterialien und bestehende Werkzeuge, Farben etc. sind erlaubt.

Kostenaufstellung
Plexiglas 19.50
Senkschraube M6 0.25
Unterlegscheibe 0.05
Sechskantmutter 0.10 

Total CHF 19.90

Wort
Nuria Peón

Bild
Roger Zimmermann