Bei Lichte betrachtet

Wort: Bernadette Bissig / Bild: AT
Wie kommt Licht im öffentlichen Raum zum Einsatz? Welche Wirkung haben diese Lichtquellen? Ein Spaziergang mit der Lichtgestalterin und Dozentin Ursula Degen gibt Antworten.

Wie eine Lichtschneise führt die Rosengartenstrasse durch das Quartier Wipkingen. Ziel der Stadt Zürich ist es, die Beleuchtung künftig auf ein Minimum zu dimmen und bei Bedarf hochzufahren.

Eines Abends im Januar spazieren wir bei klirrender Kälte mit der Lichtgestalterin Ursula Degen vom Bucheggplatz zur Hardbrücke. Diese Strecke läuft sie regelmässig mit ihren Studierenden der Zürcher Hochschule der Künste ab, um sie auf die Wirkung von Beleuchtung im öffentlichen Raum zu sensibilisieren. Bei der Begehung fällt mir auf, wie achtlos ich in der Regel das Wechselspiel von Hell und Dunkel in der Stadt betrachte.

Das Kirchgemeindehaus Wipkingen, in den 1930er-Jahren als erstes Hochhaus der Stadt erbaut, wirkt theatralisch durch seine Innenbeleuchtung, die durch die rhythmisierte Fassade leuchtet.

Kontrastreich
Auf der Passerelle des Bucheggplatzes stehend, eröffnet sich ein Blick auf das Lichtermeer der Stadt. Leuchten, Kandelaber und Seilüberspannungen nehme ich wahr, in unterschiedlichen Farbtemperaturen. Teils sind alte Natriumdampf-Hochdrucklampen mit ihrem warmen orangefarbenen Licht im Einsatz, teils neuere LED-Leuchten, die die Umgebung in kühles Licht tauchen.

Wie eine gewollte Inszenierung wirkt dieser Ausschnitt mit avocado- grünem Trottinett, giftgrünen und gelben Sprayereien auf hellblauem Hintergrund. Die Deckenleuchten bestrahlen die Passage.

Die viel befahrene Bucheggstrasse ist von Gebäuden gesäumt, durch deren Fenster Licht austritt, in unterschiedlichen Helligkeiten. Teils angenehm gedimmt, teils eher grell. Der Verkehr auf der Strasse – ein anhaltender Strom. Die vielen neuen Autos sind mit hellen, weitreichenden und dadurch blendenden LED-Leuchten ausgestattet. Mir scheint die Beleuchtung insgesamt sehr hell: viel zu hell, zu wenig gerichtet, zu weit gestreut, zu wenig atmosphärisch. Die Kontraste zwischen Hell und Dunkel scheinen mir zu stark ausgeprägt. Degen, die mit ihrer Firma Parallel_L auch im Bereich Stadtraumbeleuchtung tätig ist, bestätigt mir meine Wahrnehmung. Aus ihrer Sicht wäre weniger, dafür gezielter gesetztes Licht, mehr. Viel mehr.

Strassenlaternen weisen den Weg. In diesem Falle strahlt das Licht unkontrolliert und zu wenig zielgerichtet. Bis zur nächsten Laterne folgt eine zu dunkle Passage. Der Kontrast zwischen Hell und Dunkel ist zu stark.

Den gesamten Beitrag finden Sie in der Ausgabe 02-25 der Wohnrevue.


 

Neueste Artikel

Neu Kontinuität

Teo Jakob beweist, dass Interiorkonzepte lebendig sind: Sie wachsen, wandeln sich und entfalten in neuer Umgebung eine eigene, unerwartete Wirkung.

«Individuelle Einrichtung, die mit den Menschen wachsen kann»

Irène Münger und Dominko Madjura, Brechbühl Interieur, Nidau

Weitere Artikel