Inspiration – gemeinsam erlebt

Wort: Paula Mühlena und Anina Cammarota / Bild: ZVG
Die elf Tage der Zurich Design Weeks sind wie im Flug vergangen – und haben Zürich in eine lebendige Bühne des kreativen Austauschs verwandelt. An mehr als 40 Orten in der ganzen Limmatstadt luden Studios, Ausstellungen, Installationen, Talks und Workshops dazu ein, das diesjährige Motto «Team Up» zu erleben – mit Fokus auf Kollaboration und Circular Design. Wir waren mittendrin – hier ein paar unserer Highlights.

Auch in diesem Jahr war der Dreh- und Angelpunkt der Zurich Design Weeks das Museum für Gestaltung. Zum Auftakt brachte eine lebhafte Einführung der Mitbegründerinnen Gabriela Chicherio und Anita Simeon Lutz nicht nur das umfangreiche Programm, sondern auch die verschiedenen Touren kurzweilig auf den Punkt – und gaben den Startschuss für zehn Tage, in denen man sich direkt anschliessen und weiter teilnehmen konnte.

Design Entrepreneurship

Schon der Auftakt verdeutlichte die programmatische Vielfalt: Nicht nur inszenierte Designobjekte oder aufwendig gestaltete Installationen kennzeichneten das diesjährige Event, sondern auch Formate zum Mitmachen, Mitdenken und Lernen. Dazu zählten die vier Skills Development Workshops zum Thema Design Entrepreneurship, organisiert von der Swiss Design Association in Zusammenarbeit mit Pro Helvetia. Die jeweiligen Nachmittagssessions fanden in den Räumlichkeiten der Maison Shift statt und formulierten Informationen sowie konkrete Werkzeuge für die professionelle Designpraxis – von Fragen zu Rechten und Versicherungen bis hin zu Produktion und Vertrieb. Eine kostenlose Anmeldung ermöglichte allen Interessierten die Teilnahme.

Extended Matter x Trial and Error 

Etwas abseits des Innenstadtgeschehens – und doch nur fünf Gehminuten vom Bahnhof Enge entfernt – liegt die Galerie Anthracite im ersten Stock einer alten Villa. Im Rahmen der Zurich Design Weeks präsentierte das Basalto Collective hier die Ausstellung Extended Matter. Schon beim Annähern wurde deutlich: Hier verschmelzen die Welten von Design und Kunst. Im bewusst rau belassenen Innenraum waren die Objekte des Kollektivs zwischen Wandgemälden und Kunstwerken der Galerie arrangiert. Dabei handelte es sich vornehmlich um Design von Schweizer und mexikanischen Designschaffenden – mit besonderem Fokus auf dem Handwerk. Zugleich markierte das Event den Launch des Magazins Distigmo mit seiner ersten Ausgabe Trial and Error. Die Ausstellung läuft noch über die Design Weeks hinaus und ist bis zum 25. November zu sehen.

Schweizer Designklassiker im Dialog

An der Hohlstrasse erwartete Designbegeisterte auch in diesem Jahr ein umfangreiches Programm. Vier Podiumsgespräche begleiteten die Ausstellung an der Hausnummer 100, die das Möbelhaus H100 gemeinsam mit der Edition Populaire bespielte. Im Mittelpunkt stand die erste Edition ikonischer Möbel der Marke SwissFurniture, die vier Schweizer Designklassiker umfasste: das Kurt Thut Sideboard S943, das Dieter Waeckerlin Sideboard Sesam, den Squadra Schrank von Klaus Vogt sowie den Stapeltisch RH 117 von Robert Haussmann. Auf den Verkaufsobjekten des Möbelhauses – etwa einem Stool 60 von Artek oder dem Ulmer Hocker – sitzend, konnten die Besuchenden der Gesprächsreihe in persönlicher Atmosphäre lauschen. Diese fand mitten in der sorgfältig kuratierten Ausstellung statt und thematisierte an vier Abenden die Objekte der neuen Kollektion aus verschiedenen Blickwinkeln.

Texture Shift – Räume neu gedacht

In der Binz, einem Zürcher Quartier, das für seine Mischung aus Industriecharme und Kreativszene bekannt ist, reihten sich während der Design Weeks zahlreiche Veranstaltungen aneinander. Unter ihnen öffnete Maana Studios seinen weitläufigen, lichtdurchfluteten Showroom für die Ausstellung Texture Shift. In Zusammenarbeit mit USM Modular Furniture und Dooor entstand ein einladendes Ambiente, das textile Materialien, modulare Systeme und ikonisches Design miteinander verband. USM präsentierte dabei das neue Produkt USM Haller Soft Panel, während Dooor das mikroarchitektonische Textilrefugium Carola vorstellte. Maana Studios selbst nutzte den Anlass, um die neue Teppichkollektion Edition Nomad zu lancieren – grossformatige Stücke, die die Wände des Raumes schmückten und die wohnliche, fein nuancierte Gestaltung der Kollektion hervorhoben.

In Between Thoughts

Auch in der Binz – und noch vor der offiziellen Eröffnung Ende September – öffnete das House of Interiors im Rahmen der Design Weeks seine Türen. Dahinter verbarg sich eine kuratierte Installation, die Design und Kunst miteinander verband und zugleich eine ganz eigene Atmosphäre schuf. In Zusammenarbeit mit Vitra, Création Baumann und der Blumenhalle entstand ein vielschichtiges Zusammenspiel aus textilen Elementen, botanischen Komponenten, Licht, Klang und Duft. Der Raum lud dazu ein, zur Ruhe zu kommen, aber auch innezuhalten – etwa beim Talk zur Lancierung des Slow Sofa von Vitra, der der Frage nachging: “Welche Verbindung besteht zwischen der Slow Family und der übergeordneten Design- und Unternehmensmission von Vitra?” Insgesamt bot die Installation einen stimmungsvollen Einblick in das House of Interiors – ein Pionierprojekt, das Handwerk, Planung und Kreativität künftig in der Binz vereint.

Collection Preview

In der Pfister-Filiale Zürich-City bündelten sich gleich mehrere Anlässe: Im Rahmen der Zurich Design Weeks verwandelte sich ein grosszügiger Raum in einen sorgfältig kuratierten Showroom – Anlass war zugleich das 15-jährige Bestehen von Atelier Pfister sowie die Präsentation der aktuellen und kommenden Kollektionen. Zur Eröffnung traf man auf den Designer und Kurator von Atelier Pfister, Alfredo Häberli, der unter anderem seine neue Tischwäsche Lindau, sein Sofa Meggen sowie die Atelier Pfister x Alfredo Häberli Signature Edition des Swissair Aviatik-Trolleys Seeb vorstellte. Darüber hinaus präsentierten weitere namhafte Schweizer Designer wie Adrien Rovero, Christoph Hefti, This Weber und Jörg Boner ihre Entwürfe für die Eigenmarke von Pfister. Ein Stoffentwurf von Rovero selbst umfasste den Raum vollständig und rahmte die Inszenierung.

Circularity starts with Design

Im Zürcher Stadtzentrum wurde das neueste Studio des Schweizer Haushaltsgeräteherstellers V-ZUG zum erweiterten Ausstellungsraum. Auf zwei Etagen präsentierten sich die Geräte in reduziert-modernem Ambiente, zugleich besetzte eine Installation prominent die Fensterfront des Studios. Auf den ersten Blick wirkte alles nagelneu – eine aus Türmen komponierte Struktur, deren Funktion bewusst offenblieb: Sitzgelegenheit, Ablage oder reine Skulptur? Grundlage war eine nachhaltige Kooperation, die rezyklierte Verbundschäume von Formtech, rekonstituierte Textilien von Fischbacher 1819 und wiederverwendete Edelstahlwaschtrommeln aus V-ZUG-Geräten in einem stimmigen Entwurf zusammenführte. Eine Installation, die Zirkularität und den Kreislaufgedanken sichtbar verkörpert.

Schere, Holz, Textil 

Mitten in der Zürcher Altstadt zählt  Neumarkt 17 zu den aussergewöhnlichsten Adressen für Wohndesign. In ihrem Salon, gleich gegenüber des Hauptgeschäfts, kamen während der diesjährigen Design Weeks der Möbelhersteller Thut, das Textilunternehmen Lavie sowie die Künstlerin und Produktdesignerin Claudia Caviezel zusammen und gestalteten eine Inszenierung, die sowohl die individuellen Designpositionen als auch ihre Verbundenheit zu Design, Handwerk und sorgfältiger Produktion sichtbar machte. Den Raum prägten Möbel von Thut, die mit Lavie-Textilien befüllt waren. Die Designs von Caviezel bespielten sowohl gewisse Lavie-Stoffe als auch den Faltvorhang einiger Thut-Schränke. Eine Kollaboration, die ein Ambiente schaffte, das zum direkten Einziehen einlud.

Craft Week Autumn Edition 

Die Räumlichkeiten der Maison Shift – dem Zentrum für nachhaltige Mode in der Schweiz – wurden vielseitig bespielt. Kaum verwunderlich, denn die Community/Bewegung/Plattform – wie man sie nennen mag – heisst das ganze Jahr über alle willkommen, die an einer Wende hin zu einer fairen, bewussten und zukunftsfähigen Textilkultur interessiert sind. So boten sie etwa – wie oben beschrieben – eine Plattform für die Swiss Design Association und Pro Helvetia, organisierten aber ebenso eigene interaktive Workshops. Im Rahmen der Craft Week Autumn Edition luden sie alle Interessierten ein, mit Textilien zu arbeiten: Unter Anleitung verschiedener Designerinnen konnten botanisches Färben, Drucken sowie Filzen mit alten Pullovern ausprobiert werden. Zudem war die Ausstellung Hands-on – Selbstwirksamkeit im Konsumchaos zu sehen, und ein dreitägiges Pop-up-Café lud zum Verweilen – zwischen 20 ausstellenden Schweizer Labels – ein. Fast schon eine Design Week in der Design Week.

ZURICH DESIGN WEEKS


 

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