Wort: Bernadette Bissig / Bild: ZVG
Vom 4. bis 14. September 2025 heisst es wieder Zurich Design Weeks.
Im Reigen des vielfältigen Programms befinden sich auch interaktive Events.

Am Dinner-Event Nuova Tavolata werden folgende Fragen aufgeworfen: Was passiert, wenn eine Skulptur als Teller zu dienen hat und welchen Einfluss hat dies auf das servierte Gericht? Der kulinarische Genuss ist dabei jedoch alles andere als Beilage.

Design hat viele Ausprägungen, manifestiert sich in allen Bereichen unseres Lebens und deckt vielfältige Bedürfnisse ab. Dabei spielt nicht nur funktionale Anwendbarkeit eine Rolle, sondern auch das sinnliche Erlebnis. Diesem misst der Keramiker Laurin Schaub in seinen Objekten im Bereich Tafelkultur von jeher viel Gewicht bei. Dies fiel Keramikerin Natascha Madeiski und Foodfotograf Fabian Haefeli auf. So kontaktierten sie Schaub kurzerhand für eine Zusammenarbeit. «Natascha steht als Designerin genauso an der Schnittstelle von Objekt und Gebrauchsgegenstand wie ich. Und Fabian beschäftigt sich seit Jahren mit der fotografischen Inszenierung von Kulinarik», kommentiert Schaub ihre Schnittmenge. Gemeinsam widmen die drei Gestaltenden dem unmittelbaren, gemeinsamen Erleben nun eine Veranstaltung im Rahmen der Zurich Design Weeks (ZDW). Am Dinner-Event Nuova Tavolata im «Provisorium» tischen sie im Kollektiv auf. Die überraschenden Gerichte von Benjamin Plsek werden auf den von Madeiski und Schaub gestalteten unkonventionellen, Funktion und künstlerischen Ausdruck vereinenden Tafelobjekten serviert. Dabei entstehen Fragen: «Was passiert mit dem Gericht, wenn ich es von einer Skulptur esse? Was macht es mit der Skulptur, wenn sie als Teller definiert wird?» Als Untermalung der sinnlichen, haptischen und visuellen Erfahrung dienen Haefelis Foodfotografien. Somit zeigt die Tavolata Gestaltung als sinnlichen Dialog der Disziplinen.

Eine kollektive Arbeit: Sounddesign, Multimedia, Kostümbild und Choreografie verbindet die Performance «Neuland», die in der Stadtgärtnerei Zürich aufgeführt werden wird.

Einfach mal kurz eintauchen
Der Transdisziplinarität bietet auch die Design Biennale Zürich – ein Partner-Event der ZDW – im Alten Botanischen Garten viel Raum. In ihrer Jubiläumsedition zeigt die Biennale elf Designprojekte und Installationen, die sich aktuellen gesellschaftlichen Themen widmen, Design erlebbar machen und darüber hinaus alle Sinne ansprechen. Wie beispielsweise das Projekt von Valerie Hess, Szenografin und Innenarchitektin, sowie Sibylle Stoeckli, Produkt- und Industriedesignerin.
Sie laden die Besuchenden dazu ein, ein Fussbad zu nehmen. Die Installation «The Poool» sei aus dem Wunsch heraus entstanden, einen Ort zu schaffen, an dem sich Menschen selbst wahrnehmen, sich begegnen und kreativ werden können. «Inspiriert vom Wasser als verbindendes Element wollen wir eine sinnliche und offene Bühne schaffen, in dem Körper, Pflanzen, Kreativität und Gesellschaft in unerwarteten Szenarios aufeinandertreffen», so die beiden Gestalterinnen. Das Setting wird durch Aktivitäten rund um das Element Wasser angereichert.

Die immersive Performance «Neuland» des Kollektivs Chroma wird sich unter anderem mit den Wechselwirkungen zwischen Mensch, Natur und Technik auseinandersetzen.

Einen agilen Geist verlangt ein weiteres Projekt, das im Alten Botanischen Garten zu sehen sein wird. Die Architekturschaffenden Ani Safaryan und Andrea Suardi vom Studio Nøha sowie die Zukunftsforscherin und Kuratorin Lena Tünkers verbinden in ihren Arbeiten Architektur mit Zukunftsforschung, um das Verhältnis zwischen der digitalen Welt und der Gesellschaft neu zu denken. Ihre Installation «Layers of the Digito Cene» siedeln sie in einer entfernten Zukunft an, weit über das Jahr 2100 hinaus. Die Besuchenden finden eine archäologische Ausgrabungsstätte der «digitalen Epoche» vor. Dabei nehmen sie die Sichtweise zukünftiger Spezies ein, bewegen sich durch die Stätte und erkunden die vermuteten Bedeutungen und Anwendungsbereiche der Relikte.

Nuova Tavolata: Geht es hier ums Essen, um die Inszenierung oder gar um das Objekt? Weder um das eine, noch um das andere, sondern um den vielschichtigen Gesamteindruck.

Zuschauen und agieren
Darüber hinaus wird es an den diesjährigen ZDW zahlreiche weitere Schauplätze geben, die dem Unmittelbaren gewidmet sind. Wie etwa in der Stadtgärtnerei Zürich, wo die immersive Performance «Neuland» des Kollektivs Chroma zu sehen sein wird. Aufgeführt wird die Aktion auf einer ehemaligen Moorfläche und widmet sich der Frage, welche Rolle solche wassergebundenen Räume in Zukunft in der Stadtgestaltung spielen könnten.
Die Performance bildet den Abschluss der Serie «Hybridlandschaft», die Eva Schneuwly und Ansgar Stadler in den vergangenen Jahren entwickelt haben. Im Laufe dieses Prozesses sind junge Kunstschaffende zum Projekt gestossen. Gemeinsam zeigen sie eine Aktion, die sich den – durch den Klimawandel verursachten – ökologischen, gesellschaftlichen und technologischen Veränderungen im städtischen Raum widmet. Zudem setzt sich die Performance mit den Wechselwirkungen zwischen Mensch, Natur und Technik auseinander. Nach der Performance werden die Zuschauenden zu Agierenden: Das Bühnenbild wird zum Vesper- und Debattierplatz.

Die vierte Ausgabe der Zurich Design Weeks (ZDW) findet vom 4. bis 14. September 2025 statt. Ab Anfang August ist das Programm auf der Webseite der ZDW aufgeschaltet.
designweeks.ch