Schweiz in Szene

Wort: Paula Mühlena / Bild: Agnese Bedini, Alessandro Saletta
Das House of Switzerland ist Treffpunkt zur Designwoche. In der Casa degli Artisti zeigt die Schweiz aktuelles Designschaffen – in diesem Jahr unter dem Motto: Kollaboration. Wir sprachen mit dem Studio Gini Moynier, das die künstlerische Leitung übernahm.

Das House of Switzerland wird präsentiert durch Presence Switzerland und Pro Helvetia. Diesjährige Partner waren Faust und Forbo, die gemeinsam mit dem Studio Gini Moynier die Entwürfe für die Szenografie verwirklichten.

Amandine Gini und Victor Moynier, was bedeutete «künstlerische Leitung» für Sie?
Wir haben die Leitung gemeinsam mit dem Grafik- und Designstudio Spectrodrama übernommen. Sie umfasste zwei Hauptbereiche: Szenografie und visuelle Kommunikation. Das House erstreckt sich über drei Etagen mit rund 750 Quadratmetern. Wir waren aber nicht für alle Räume verantwortlich, sondern vor allem für koordinierende Elemente wie Wegführung oder Hocker für Ausstellende. Unser Fokus lag auf der Kuration des Erdgeschosses – insbesondere der Emerging Talents und des heutigen Lobbybereichs.

Wie haben Sie das Thema «Kollaboration» umgesetzt?
Ausgangspunkt war die Idee antiker Foren als Orte des Austauschs. Später konkretisierten wir das Konzept und orientierten uns an Büros und Co-Working-Spaces. Die Vorstellung, dass verschiedene Menschen an einem Ort zusammenarbeiten, passte gut. Ein Referenzpunkt war das «Action Office» von Herman Miller – ein modulares Bürosystem von 1964.

Wie zeigt sich das gestalterisch?
Vor allem systemisch und visuell: Die Farben etwa – Beige und Braun – stammen aus dieser Zeit. Und witzigerweise wurde genau das Braun, einen Monat nachdem wir uns dafür entschieden hatten, zur Pantone-Farbe des Jahres gewählt. Für uns ging es insbesondere auch um das Weiterdenken – das Upcycling dieser Ära. So etwa auch bei den Tischen mit Aluminiumprofilen – ein Verweis auf massgeschneiderte Systeme.

Wo liegt der Bezug zur Schweiz?
Bei den Systemen, wovon die Schweiz viele zu bieten hat – man denke nur an Vitra, USM oder das grafische Rasterprinzip. Das ist sehr «Swiss Design». Auch unser Sponsor, Faust Linoleum, ist im Bereich Systeme tätig. Sie produzieren massgefertigte Tischplatten und arbeiten viel mit Büros. Das Material stammt von Forbo, einer Schweizer Firma, die Linoleum für Böden und Möbel herstellt. Doch für uns agiert die Schweiz nicht nur für sich. Das Land ist auf Kollaboration angewiesen. Das sieht man etwa bei den Emerging Talents: Einige sind aus der Schweiz, andere nicht. Wir alle kommen irgendwie von anderswo. Genau wie im Büro: Verschiedene Leute, Abteilungen, Perspektiven – aber ein Ziel. Das war unsere Metapher.

Was passiert mit all dem Material im Anschluss?
Wir haben die Szenografie so geplant, dass kaum Abfall entsteht: Viele Elemente wie Hocker oder Moodboards werden in einem Co-Working-Space in Mailand weiterverwendet, andere – etwa Pflanzen oder Screens – wurden gemietet.

Wie erleben Sie Ihre Szenografie?
Wir waren zwei Jahre in Folge selbst Ausstellende – jetzt im Hintergrund zu stehen, ist spannend. Schön zu sehen, wie der Raum genutzt wird: Menschen arbeiten wirklich hier, öffnen Laptops, skizzieren, tauschen sich aus. Es entsteht ein echtes Pingpong zwischen Raum und Nutzung.

Das Lausanner Studio gestaltet forschungsbasiert Produkte, Räume und Bilder mit einem Fokus auf Technologie, Material und Kultur. Zu ihren Kunden zählen Bolia, Ligne Roset, Nespresso oder die NOV Gallery.
ginimoynier.com


 

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