Wort: Isabella Nalin / Redaktion: Anina Cammarota / Bild: Gianni Basso, Vega Mg
Ein Streifzug durch die lombardische Metropole lässt Mailand in einem ganz neuen Licht erscheinen – weit entfernt von ihrem Ruf als graue Industriestadt. Was sie zu bieten hat, offenbart sich mal versteckt hinter Fassaden, mal direkt auf offener Strasse. Eine Bildreise durch eine Stadt der Kontraste.

Italien beheimatet eine Vielzahl von Städten, die auf so mancher Bucket-Liste ganz oben stehen. Einige von ihnen zählen zu den romantischsten und historisch bedeutendsten Orten Europas. Im vielfältigen Stiefel vereinen sich einmalige Destinationen wie das romantische Venedig, das künstlerische Florenz, das hektische Rom oder das ungezähmte Napoli. Das industrielle und wirtschaftliche Herz der Nation, Mailand, bleibt dabei oft im Schatten
seiner berühmten Schwestern.
Verborgen und präsent
Obwohl die Metropole oft als «Graue Stadt» bezeichnet wird, heisst es auch, dass sich hinter den Türen der prächtigen Häuser wahre Wunder verbergen. Besonders während der Mode- oder Designwoche wird das sichtbar: Verborgene Klöster, Palazzi und Kirchen öffnen ihre Türen, werden kreativ umgestaltet und lassen ein faszinierendes Zusammenspiel von Vergangenheit und Gegenwart entstehen.
Aber nicht alles in dieser Stadt bleibt hinter Fassaden verborgen. Mailand vereint eine beeindruckende Vielfalt an ästhetischem Ausdruck. Die Boutiquen und Showrooms sind physische Manifestationen unzähliger Modehäuser, Möbelmarken und Ateliers. Ein milanesisches Sprichwort sagt: «Wenn du in Mailand einen Stein wirfst, triffst du entweder einen Architekten oder eine Designerin – und vielleicht sogar einen Fotografen.» Und, in der Tat, es fängt die kreative Opulenz der Stadt auf amüsante Weise ein.
Vielseitiger Wandel
In der Renaissance, als Leonardo da Vinci im Auftrag des Mailänder Herzogs Ludovico Sforza, das letzte Abendmahl im Dominikanerkloster Santa Maria Delle Grazie malte, festigte die Stadt ihren Platz als Zentrum von Kunst und Wissen. In den 1980er-Jahren, rund 500 Jahre später, fand ein Wandel statt und es kam eine neue Komponente hinzu: Der Ausdruck «Milano da bere» – sinngemäss: das genussvolle, konsumfreudige Mailand – prägte das Lebensgefühl einer Stadt im Aufschwung. Er wurde zum Symbol für eine pulsierende Szene, modischen Glamour und urbane Dynamik. Zugleich aber wurde er zur Chiffre für eine gewisse Oberflächlichkeit und einen übersteigerten Individualismus.
Heute prägen zwei moderne Zentren – Porta Nuova und City Life – das Stadtbild. Hier wurden imposante Wolkenkratzer harmonisch in das bestehende Gefüge integriert. Mit nachhaltiger Architektur, Grünflächen und innovativem Städtebau zeigt sich die heutige Metropole reflektierter im Umgang mit dem hedonistischen Erbe: Glamour und Lebensfreude zeigen sich in der oft unterschätzten Grossstadt, doch zunehmend im Zeichen von Nachhaltigkeit, kultureller Tiefe und sozialer Verantwortung.
